Anwalt verliest Aussage des Angeklagten

Zeuge in Prozess um Mordfall in Lütersheim verschwindet

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Ein Jahr nach dem Tötungsdelikt mit anschließender Brandstiftung wird das moderne Holzhaus des Opfers in Lütersheim abgerissen.

Ein Zeuge im Prozess um den Mordfall in Lütersheim verschwindet. Der Anwalt verliest die Aussage des Angeklagten.

Volkmarsen / Kassel – Ein wichtiger Zeuge im Mordprozess gegen einen 39-jährigen Angeklagten aus Fulda ist untergetaucht. Am Mittwoch war er zum zweiten Mal vor die 10. Strafkammer des Kasseler Landgerichts geladen und erneut nicht gekommen. Die Polizei hatte den Mann aus Göttingen zwischenzeitlich im Verdacht, bei dem Mord an einem 79-jährigen Mann im Volkmarser Stadtteil Lütersheim im November 2018 als Mittäter beteiligt gewesen zu sein.

Letztes Lebenszeichen

Davon ist zwar derzeit keine Rede mehr, dennoch würde die Strafkammer von Richter Robert Winter den Bekannten des Angeklagten gern als Zeuge hören. Laut Winter gab es am vergangenen Samstag das letzte Lebenszeichen des Göttingers, als der ein Auto am Flughafen in Hannover mietete. Seitdem ist er verschollen. Die Polizei geht davon aus, dass er sich abgesetzt hat, um nicht in dem Prozess aussagen zu müssen.

Dennoch hat die Kammer angeordnet, dass der Mann zum nächsten Prozesstag am 4. Mai als Zeuge vorgeführt wird – wenn man denn seiner habhaft wird.

Das ließ der Angeklagte erklären

Am Mittwoch hat sich der Angeklagte erstmals über seinen Anwalt Johann Müller geäußert, allerdings nur zu seinem Lebenslauf, nicht zu der Bluttat in Lütersheim, zu der der Fuldaer weiter beharrlich schweigt. Nach Angaben Müllers wurde der Angeklagte in Vacha bei Heringen geboren, wo er eine umsorgte Kindheit verlebte und die Hauptschule erfolgreich abschloss. Ein Ausbildung zum Industriemechaniker konnte er wegen schwacher Leistungen nicht erfolgreich beenden.

Als sein Vater 2011 starb, stürzte dies den Mann in eine schwere Krise. Inzwischen hatte er sich innerlich zu seine Homosexualität bekannt, deretwegen er Probleme in seinem Heimatort fürchtete. Er zog nach Fulda, wo er – so der Anwalt – seine Sexualität „unbeschwert und unbekümmert“ ausleben konnte. Elf Jahre lebte er mit einem älteren, zuletzt 64 Jahre alten Mann zusammen, seinen Lebensunterhalt bestritt er über Hartz IV.

Schweigen zu Mordvorwurf

Nachfragen des Gerichts ließ der Angeklagte nicht zu. Er schweigt zu dem Vorwurf, den 79-jährigen Rentner - zu dem er seit einigen Monaten eine homosexuelle Beziehung unterhalten haben will - in dessen Haus erschlagen, dann ausgeraubt und schließlich das Haus in Brand gesteckt zu haben.

Ein Gerichtsmediziner hatte festgestellt, dass der Witwer mit einem länglichen Gegenstand – vermutlich einer Schreckschusspistole - schwer gegen den Kopf geschlagen worden war. Als Todesursache hatte er Verbluten angegeben.

Turnschuhe und Benzinkanister

Dr. Harald Schneider vom Landeskriminalamt hatte in seinem Gutachten festgestellt, das Blut und DNA-Spuren des Angeklagten im inzwischen abgerissenen Haus des Toten gefunden wurden. Ebenso waren in der Fuldaer Wohnung des 39-Jährigen Turnschuhe mit Blutanhaftungen des Opfers sowie ein Feuerlöscher aus dessen Haus und ein Benzinkanister gefunden worden.

Zahlreiche Belege wurden von Geldabhebungen an Automaten und Einkäufen gefunden, die mit den EC- und Kreditkarten des Opfers nach der Tat in Göttingen, Kassel, Fulda und Tschechien getätigt wurden.

So geht es im Prozess weiter

Richter Winter gab den möglichen Fahrplan des Verfahrens bekannt: Am Montag, 4. Mai, soll der dritte Versuch unternommen werden, den Zeugen aus Göttingen zu hören.

Dann oder am 8. Mai soll Dr. Frank Paulmann, Psychiater aus Haina, sein Gutachten zu dem Angeklagten abgeben. An diesem Tag könnte auch das Plädoyer von Staatsanwältin Julia Beinroth gehalten werden, am 22. Mai würden dann die Plädoyers von Nebenklage und Verteidigung folgen. Das Urteil würde die Kammer am 8. Juni verkünden. (Von Thomas Stier)

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