Revision: Landgericht verhängt Bewährungsstrafe

33-jährigem Waldecker bleibt Haft wegen gefährlicher Körperverletzung erspart

Justitia
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Das Landgericht in Kassel verurteilte einen Waldecker zu einer Bewährungsstrafe (Symbolbild).

Einem 33 Jahre alten Waldecker bleibt die Haft erspart für eine Tat, die über sieben Jahre zurückliegt.

  • Ein gebürtiger Wolfhagener muss für eine Tat in Waldeck in 2014 nicht ins Gefängnis.
  • Der Bundesgerichtshof hob ein Urteil wegen schwerer räuberischer Erpressung aus dem Jahr 2019 auf.
  • Sein Alkoholproblem, das ihm zahlreiche Haftstrafen und Verurteilungen eingebrachte, habe er offenbar überwunden

Kassel/Waldeck – Nun muss der gebürtige Wolfhagener doch nicht ins Gefängnis für eine Tat, die inzwischen über sieben Jahre zurückliegt: Die 11. Strafkammer des Landgerichts verurteilte am Dienstag einen 33-jährigen Mann aus Waldeck wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Verteidiger hat Revision eingelegt

Im August 2019 hatte die 5. Strafkammer den athletischen Mann mit dem schweren Alkoholproblem wegen der Tat vom 12. Juni 2014 in Waldeck auch wegen schwerer räuberischer Erpressung zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Dagegen hatte Verteidiger Markus Mauermann Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Der BGH hob das Urteil auf, weil er den Tatbestandes des Raubes in der Urteilsbegründung nicht hinreichend belegt sah.

Was war an jenem Juniabend in Waldeck geschehen? Der Angeklagter und sein Bekannter hatten in dessen Wohnung kräftig gezecht und waren aus bis heute unklarer Ursache in Streit geraten. Der Angeklagte schlug den anderen Mann gegen den Kehlkopf, warf ihn aufs Sofa und versuchte, mit einem Schraubendreher auf ihn einzustechen. Der Geschädigte konnte die Stiche jedoch abwehren und in den Hausflur fliehen, stürzte allerdings auf der Treppe.

Kammer erkennt keine Bereicherungsabsicht bei dem Angeklagten

Der Angeklagte holte ihn ein, schlug ihm mit einem Holztischbein auf Arm und Bein und forderte ihn zur Herausgabe von Handy und Hausschlüssel auf. Der verängstigte und schwer verletzte Mann gab ihm das Telefon, den Schlüsselbund zog ihm der Angeklagte aus der Hosentasche und holte sich aus der Wohnung eine Spielkonsole.

Diesen Sachverhalt bewertete das Landgericht in der ersten Verhandlung als räuberische Erpressung. Die 11. Kammer von Richter Dr. Senger jedoch erkannte keine Bereicherungsabsicht beim Angeklagten, zumal alle Gegenstände inzwischen wieder im Besitz des Geschädigten sind.

Laut Verteidiger ist der Mann ernsthaft auf Arbeitssuche

Blieb noch die Körperverletzung, für die die Kammer eine Bewährungsstrafe als ausreichend ansah, besonders mit Blick auf die lange Zeit, die seit der Tat verstrichen ist. Der 33-jährige, der vor Gericht einen betont munteren und gelösten Eindruck machte, scheint sein Alkoholproblem, das ihm zahlreiche Verurteilungen und auch Haftstrafen eingebracht hat, überwunden zu haben.

Im jüngsten Gefängnisaufenthalt durchlief er zudem ein Anti-Aggressionstraining, was in Verbindung zu seiner Alkoholabstinez Wirkung zu zeigen scheint: Laut Verteidiger Markus Mauermann befinde sich der junge Mann jetzt auch ernsthaft auf Arbeitssuche. (Thomas Stier)

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