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Leben im alten Bahnhof in Sachsenhausen

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Von: Julia Janzen

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Eine Frau und ein Mann vor einem Bahnhofsgebäude
Im alten Sachsenhäuser Bahnhof leben Rita und Helmut Förster. Viele Handwerkerarbeiten haben sie selbst übernommen. Unter anderem haben sie zu zweit das gesamte Gebäude gestrichen. Sechs Wochen dauerte das. © Julia Janzen

Ihr Zuhause haben Rita und Helmut Förster im Jahr 2006 ersteigert. Wo das Paar seitdem wohnt, gingen früher Reisende ein und aus: Sie leben im alten Bahnhof in Sachsenhausen.

Waldeck-Sachsenhausen - Wasser hatte die Decken teilweise so schwer beschädigt, dass Teile schon heruntergekommen waren, einige Fußböden waren kaputt, altes Holz bedeckte die Wände. Der Zustand des alten Bahnhofs war nicht sehr gut, als Försters ihn von der Bahn ersteigerten. Doch davor scheuten sie nicht zurück, „wir sind handwerklich sehr erfahren“, sagt Helmut Förster. „Was wir selbst machen konnten, haben wir selbst gemacht.“

Das galt schon für den Netzer Bahnhof, den sie 1998 kauften und in den sie fünf Jahre später einzogen. 2005 eröffneten sie dort das Pfannkuchenhaus, auch der Sohn und seine damalige Freundin stiegen mit ein. Weil es so schlicht zu eng wurde in dem Bahnhof in Netze, suchten sich Rita und Helmut Förster eine neue Bleibe. Dass es wieder ein Bahnhof wurde, war eher Zufall. Als Fans von Bahnhöfen würden sie sich nicht bezeichnen.

Eine Küche im Hintergrund, ein steinerner Rundbogen im Vordergrund
Früher Büro, heute Küche: Die Mauersteine sind original, Helmut Förster hat sie aufgearbeitet. © Julia Janzen

2006 legten sie mit den Arbeiten in dem alten Bahnhof los, strichen unter anderem das komplette Gebäude selbst neu. Ein Gerüst hatten sie sich dafür aufbauen lassen. Sechs Wochen hätten sie gebraucht, erinnert sich Helmut Förster.

Besonderheiten des alten Bahnhofs wollten sie erhalten, sagen sie. So liegt im Wohnzimmer noch der frühere Holzfußboden und die Eingangstüren, die früher in die Eingangshalle führten, sind noch die originalen. Bahnhofsuhren haben sie eigens sogar noch besorgt, sagt Rita Förster.

Die Devise des Paars ist: So viel wie möglich nutzen, so wenig wie möglich wegwerfen. Alte Bahnschwellen liegen jetzt am Rande des Gartens, dienen als Ablage und gleichzeitig als Begrenzung, frühere Teile der Gleise finden sich an zahlreichen Stellen rund ums Haus, verarbeitet zu größeren oder kleineren Kunstwerken.

Eine riesige Kugel mit bunten Punkten darauf in einem Garten
Kunst: Früher stand die Kugel im Bahnhof Wilhelmshöhe. Die Holzbretter davor waren Bahnschwellen. © Julia Janzen

Jahrzehntelang haben Försters in der Gastronomie gearbeitet, hatten den Edertaler Hof, dann einen Campingplatz am Edersee und schließlich das Pfannkuchenhaus, jetzt haben sie nur noch im kleinen Rahmen mit Gästen der Region zu tun: Sie vermieten das alte Wärterhäuschen am Bahnhof an Urlauber. Das ist nur einen Steinwurf entfernt vom Bahnhof, gegenüber dem Freilauf für die Hühner des Försters und damit auch direkt gegenüber vom Edersee-Bahnradweg. Der führt hinter dem alten Bahnhof entlang.

Ein Kunstwerk aus Metall
Im gesamten Garten finden sich Kunstwerke aus ausrangierten Teilen. © Julia Janzen

Von dort aus schauen sicher immer wieder Radfahrende in den Garten der Familie. Denn die gebürtige Holländerin und ihr Mann haben eine Leidenschaft für Kunst, entsprechend viel gibt es zu sehen: Da hängt eine riesige farbenfrohe Kugel, die früher mal einen Platz am Wilhelmshöher Bahnhof in Kassel hatte, alte Schrauben und Kleinteile wurden zu Loks verarbeitet oder zu Tieren, ein Rasenmäher-Mann zieht seine Bahnen, an einem „Baum“ aus Metall hängen zahllose Kleinteile. Auch im Innern des früheren Bahnhofs finden sich immer wieder eigene Kunstwerke – ob großformatige Bilder oder hölzerne Lampen.

Viel Arbeit haben sie bereits gesteckt in ihr besonderes Zuhause, doch fertig sind sie eigentlich nie, sagen Rita und Helmut Förster. Zu tun gebe es immer etwas am alten Bahnhof. jj

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