Plädoyer der Staatsanwaltschaft:

Anklage fordert im Prozess um Netzer Brand elfeinhalb Jahre für Mordversuch 

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Unterschiedliche Forderungen: Die Staatsanwaltschaft plädierte im Landgericht Kassel auf elfeinhalb Jahre Haft, die Nebenklage auf lebenslänglich.

Kassel/Waldeck – Wegen dreifachen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung hat die Anklage elfeinhalb Jahre Haft für einen 30-jährigen Mann aus Waldeck-Frankenberg gefordert.

Der gebürtige Frankenberger soll am 4. Mai 2018 in einem bäuerlichen Anwesen im Waldecker Stadtteil Netze in einer Scheune Feuer gelegt haben. Die Flammen griffen auf das angrenzende Wohnhaus über, aus dem sich die frühere Freundin des Angeklagten mit ihren beiden kleinen Mädchen erst in letzter Minute unverletzt in Sicherheit bringen konnten.

Staatsanwalt Dr. Stephan Schwirzer sah bei dieser Tat die Mordmerkmale der Heimtücke und des Einsatzes gemeingefährlicher Mittel als erfüllt an. Der Angeklagte habe den Tod der „arg- und wehrlosen“ 28-Jährigen und ihrer Kinder billigend in Kauf genommen. Er habe sich für die kurz zuvor von der Frau vollzogenen Trennung rächen wollen.

Als langjähriger Feuerwehrmann habe er gewusst, dass das Feuer aus der mit hochbrennbaren Materialien wie Heu und Stroh gefüllten Scheune auf das direkt angrenzende Wohnhaus übergreifen könnte. Schwirzer zitierte eine Audionachricht, die der Angeklagte über Whatsapp verschickt hatte und in der er ankündigte „die Bude anzuzünden. Das ist mir jetzt scheißegal!“

Nur dem erheblichen Einsatz der Wehren sei es zu verdanken, dass das Feuer eingedämmt und ein Übergreifen auf die Nachbargebäude verhindert werden konnte, sagte Schwirzer. Die Frau sei obdachlos und habe mit den Kindern wieder bei den Eltern einziehen müssen. Es sei ein Schaden von über 840 000 Euro entstanden.

Nur dem glücklichen Umstand, dass die Frau nicht schlafen konnte und das Feuer bemerkte sei es zu verdanken, dass die drei Menschen noch am Leben seien.

Die Edertaler Anwältin Elke Edelmann, die die junge Frau als Nebenklägerin vertritt, forderte in ihrem Plädoyer sogar eine lebenslängliche Freiheitsstrafe für den Angeklagten.

Dessen Teilgeständnis vor Gericht und seine Entschuldigung bei der Frau bewertete Edelmann als nicht strafmildernd: „Dabei ging es ihm nur darum, seine eigene Haut zu retten“, sagte sie.

Nachdem er das Feuer gelegt habe, sei er noch einmal an dem Anwesen vorbeigefahren, habe aber nichts unternommen. Vielmehr habe er seelenruhig von Waldeck aus beobachtet, wie sich der Großbrand entwickelte.

Für diese enorme Wut auf die ehemalige Partnerin habe es keinen Grund gegeben. Auch gegenüber früheren Freundinnen sei er nach der Trennung gewalttätig geworden. Mit dem Plädoyer der Verteidigung wird das Verfahren am 14. Mai um 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil kommen.

VON THOMAS STIER

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