55-Jähriger am Amtsgericht in Fritzlar verurteilt

Geldstrafe für aggressiven Nackten am Edersee

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Ein 55-Jähriger aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg stand in Fritzlar vor Gericht.

Fritzlar/Waldeck – Wegen exhibitionistischer Handlungen, Bedrohung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte hat das Amtsgericht Fritzlar einen 55-jährigen Mann aus Waldeck-Frankenberg zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt.

Richterin Corinna Eichler folgte damit dem Antrag des Verteidigers. Die Staatsanwältin hatte 120 Tagessätze zu je 40 Euro beantragt. Der Beschuldigte nahm das Urteil an – es ist damit rechtskräftig. Er muss auch die Kosten des Verfahrens tragen.

Es war ein über 30 Grad heißer Sommertag, als sich ein 29 Jahre alter Mann und seine Freundin am 30. Juni 2018 am Strandbad erholten. Gegen 21.50 Uhr kam der Beschuldigte mit einem Boot und bat das Paar, darauf aufzupassen. Als er wiederkam, passierte laut Anklage der Staatsanwaltschaft und den Aussagen des 29-Jährigen Folgendes: Der Mann zog sich splitternackt vor dem Paar aus, zeigte sein Geschlechtsteil und sagte: „Hast Du schon mal einen richtigen Jonny gesehen?“

Der Mann war laut Zeugenaussage sichtlich angetrunken. „Wir waren total schockiert“, sagte der Zeuge. Man habe gefordert, er solle auch wegen der vielen Kinder in der Nähe aufhören. „Geh zurück nach Syrien, wir brauchen hier keine Ausländer“, habe der Nackte geantwortet. Und: „Wenn Du noch was sagst, schlage ich Dich tot. Pass auf Deine Freundin auf, die hat geile Beine.“ Seine Freundin sei zur DLRG gelaufen, um Hilfe zu holen.

„Er wirkte völlig betrunken und sprach mit den Enten“, steht im Protokoll der dreiköpfigen Streifenbesatzung, „er lallte und taumelte“. „Er war äußerst aggressiv und alkoholisiert“, berichtete eine Hauptkommissarin. Die beschimpfte der Nackte als „dumme Kuh“. „Er hat gedroht, uns umzubringen und uns fertig zu machen“, berichtete die Polizistin. Als man versucht habe, ihn zu fesseln, habe er versucht, zu treten. „Wenn ich eine Pistole hätte, würde ich Euch erschießen“, sagte er laut Aussage eines Polizisten.

„Er hat uns auch als Scheißbullen beleidigt.“ An all das könne er sich nicht erinnern, erklärte der Angeklagte: „Ich weiß nichts, Ich war total betrunken.“ Er habe acht Flaschen Bier getrunken und nur zwei Brötchen gegessen. Zu den Beleidigungen sagte er: „Das ist nicht mein Sprachgebrauch, ich bin kein Rassist.“

Es gebe keinerlei Zweifel an den Aussagen des Zeugen, erklärte die Staatsanwältin. Deshalb wurden außer den beiden Polizeibeamten auch keine weiteren Zeugen mehr gehört. Die Vertreterin der Anklage hob hervor, dass sich der Beschuldigte entschuldigt habe, eine verminderte Schuldfähigkeit sei nicht auszuschließen.

Während des Vorfalls am Strandbad stand der Angeklagte noch unter Bewährung. Wie vor Gericht bekannt wurde, hat er bereits neun Vorstrafen – unter anderem wegen Betrugs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit im Straßenverkehr, Verkehrsgefährdung und Körperverletzung. Einen Führerschein hat der 55-Jährige schon lange nicht mehr. Mit der Geldstrafe war er einverstanden: „Ich werde das auch zahlen.“

VON MANFRED SCHAAKE

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