Bei Bastler Karl-Heinz Brücher steckt die Liebe im Detail

Rentner aus Ober-Werbe baut Leiterwagen und Sensen im Miniaturformat aus Abfallholz und Aschekasten 

Ackern mit dem Kuhgespann, Gras mähen mit der Sense – wenn Karl-Heinz Brücher an seine Jugend denkt, wird ihm warm ums Herz.

Waldeck-Ober-Werbe – Viele Erinnerungen sind damit verbunden. In seiner Werkstatt lässt der 84-Jährige die alten Zeiten wieder aufleben. Mit Liebe zum Detail bastelt er Geräte, die damals auf Bauernhöfen im täglichen Einsatz waren.

Früher ein Bauernhof mit drei Kühen und sechs Hektar Land

„Wir hatten früher nur einen Leiterwagen, einen Pflug, eine Sämaschine und eine Walze aus Holz“, sagt der Rentner. Damit bestellte die Familie den Hof mit drei Kühen, Kälbern, Schweinen und sechs Hektar Land. „Als Schuljunge habe ich schon die Rinder angelernt.“ Da der Vater aus dem Krieg nicht zurückkehrte, übernahm der Sohn nach der Schulzeit in 1949 den Hof. „Bis 1959 bin ich mit Kühen gefahren.“

Leiterwagen aus 400 Einzelteilen

Einzelteile für den Leiterwagen.

Diese Zeiten sind lange vorbei, und der technische Wandel hielt Einzug. In 2016 bestellte der Ober-Werber letztmals ein Feld. Seinem Berufsstand bleibt der Rentner aber weiter treu – beim Basteln in seiner Garage. Sein Pionierstück ist ein Leiterwagen. „Er besteht aus über 400 Einzelteilen.“ Alles ist per Hand angefertigt – inklusive der Holzbolzen. 

Aus einem alten Aschekasten wurden Beschläge und Sense geschmiedet, Holz stammt aus Viehraufen, dazu Sparren aus Zwetschenholz als Farbtupfer. Naben sind aus Eiche, Leisten aus der alten Gefrieranlage. Aus Birkenholz fertigte der Tüftler Bremsklötze. „Die Bremsen lassen sich nachziehen“, zeigt er stolz. Das war einst seine Aufgabe als Kind, wenn der voll beladene Leiterwagen die abschüssige Dorfeinfahrt hinunterfuhr. 

Der Bastler bei der Arbeit: Aus alter Eisenwelle wird ein fescher Jungbauer 

Über 100 Arbeitsstunden stecken in jedem Wagen, 14 hat Brücher hergestellt – meist inzwischen verschenkt oder zugunsten von Klosterruine oder Kirche verkauft. Säge, Hobel, Feile und Schnitzmesser sind seine Arbeitsgeräte.

Der Jungbauer auf dem Leiterwagen war eine Eisenwelle, bevor Brücher den Winkelschleifer ansetzte, später Arme anschweißte und die Ohren durch winzige Schweißpunkte modellierte. Es brauchte etliche Versuche, bis sie an der richtigen Stelle saßen. Den hellen Strohhut hat Brücher geflochten, „und dazu noch einen Dunklen für schlechtes Wetter“. 

Jedes Glied der Kuhketten am Flacheisen gebogen

Andere Figuren der Bauersfamilie sind aus Holz mit Frisuren aus Schafwolle und maßgeschneiderten Schuhen. „Die Hautfarbe richtig hinzubekommen war die größte Herausforderung.“

Der Wasserkrug, der zur Feldarbeit mitgenommen wurde, ist geschnitzt. Allein vier Arbeitsstunden stecken in einem einzigen Joch. Jedes Glied für die Kuhketten wurde an einem Flacheisen gebogen.

Kopfzerbrechen bereitete der Bügel für die Sense. Weil das Holz beim Biegen brach, hat es der Bastler „gekocht und gebogen – ähnlich wie bei Bugholzstühlen“, schildert seine Ehefrau Christa. Eine Rarität ist die zweiteilige Holzwalze. „Das Original hatten wir bis in die 1950-er Jahre“, sagt Brücher. 

Der Bauer hinterm Pflug - so war es damals.

Weitere Stücke: Pflug mit Vorschar, aus Blech und Eisen, und eine Egge – jeder Zinken ein Unikat. Brücher: „Bei mir ist alles Handarbeit – nur das Kuhgespann habe ich geschenkt bekommen.“ Er arbeitet nur nach Gedächtnis, aber ohne Skizze. „Die habe ich im Kopf.“ Sein Werkzeug aus der Hand legen will er noch lange nicht. „Mein Motto lautet: Wer rastet, der rostet.“

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