Der Bröckelei wird ein Ende gesetzt

Auf den letzten Drücker: Sanierung beginnt an der Klosterruine in Ober-Werbe

Stein auf Stein hoch über dem Werbetal: Zsalt Sebestyen bei der Arbeit. Fotos: Conny Höhne

Waldeck-Ober-Werbe – Auf den letzten Drücker hat die Sanierung der Klosterruine doch noch begonnen.

Mit einem Spezialgerüst wurde die Baustelle an dem Steilhang zum Werbetal eingerüstet. Durch die Fensteröffnungen der Ruine ist das Gerüst statisch abgesichert. Stück für Stück werden marode Mauerreste auf der Arbeitsplattform in luftiger Höhe mit Kalkmörtel neu verfugt. Dafür sind beständige Temperaturen über fünf Grad Celsius nötig.

Der erste Bauabschnitt soll Mitte Oktober enden, sagte Ralf Gockel vom Kasseler Bauingenieurbüro HAZ bei einem Ortstermin. Bürgermeister Jürgen Vollbracht: „Wir hoffen, dass soviel wie möglich noch in diesem Jahr umgesetzt werden kann.“

Weil Ausschreibungen erst spät auf den Weg gebracht wurden, fürchtete der Arbeitskreis zur Förderung der Klosterruine, dass zugesagte Fördergelder in diesem Jahr nicht mehr abgerufen werden können. Diese Sorge scheint nun ausgeräumt. 

Stein auf Stein: Sanierung hoch über dem Werbetal. Fotos: Conny Höhne

Zur Finanzierung tragen Bund (120 000 Euro), Land Hessen (80 000 Euro), Stadt Waldeck (30 000 Euro) und Stiftung Deutsche Denkmalspflege (20 000 Euro) bei. 50 000 Euro werden vom Landkreis Waldeck-Frankenberg erwartet. Spenden in Höhe von 6500 Euro sammelte der Förderverein. Die Denkmalpflege müsse zwar in 2019 abrechnen, Bezirksdenkmalspfleger Dr. Bernhard Buchstab sagte trotzdem die Unterstützung für 2020 zu. „Wir können Sie ja nicht im Regen stehen lassen,“ rief er den Ober-Werbern zu. Vorrangig gehe es jetzt um die Sicherung des Abhangs.

Ortsvorsteher und Fördervereins-Vorsitzender Wilhelm Emden zeigte sich erleichtert über die endlich begonnene Sanierung. „Wir sind schon ein gutes Stück voran gekommen,“ verwies er vor allem auf das Klosterpfädchen mit App. Heimatforscher Friedrich Wiesemann, der Besuchern die Geschichte näher bringt, sagte: „Das Interesse an der Klosterruine ist groß.“ Allein im September leitete er vier Führungen.

Weil es auch um Nachhaltigkeit gehe, schlug Gerhard Schaller vom Förderverein einen Brückenschlag von der Kirche im Grünen auf der Halbinsel Scheid zu einer richtigen Kirche im Grünen vor. Dies biete sich an der Klosterruine an, wo bis um 1920 eine Kapelle gestanden habe. 

Überlegungen zur Standsicherung des Schornsteins der Klosterruine noch nicht abgeschlossen

An der Mauer am Steilhang zum Werbetal startet das Hatzfelder Unternehmen Baukult – auf Restauration spezialisiert – die Sanierungsarbeiten. 

 Gregor Frischko (Mitte) eine Versuchsfläche mit Mörtel; von links Bürgermeister Jürgen Vollbracht, Denkmalspfleger Dr. Bernhard Buchstab, Ralf Gockel (Baubüro), Susanne Emden, Ortsvorsteher Wilhelm Emden, Kurt Stieglitz, Gerhard Schaller vom Förderverein Klosterruine. Fotos: Conny Höhne

Besonders marode Bereiche wurden schon in den vergangenen Jahrzehnten gelegentlich mit Zement vor dem Verfall gesichert. An einigen Stellen sitzen die Steine noch fest. „Wir haben uns entschieden, das was noch gut ist, drin zu lassen – auch wenn es nicht optimal ist“, erläuterte Ralf Gockel vom HAZ-Baubüro. 

Die Krone litt unter der Witterung besonders, es wurden mehr Steine aufgenommen, als gedacht. Eine Herausforderung seien die unterschiedlichen Natursteine, die beim Bau des Klosters verwendet wurden, merkte Denkmalpfleger Dr. Bernhard Buchstab an. 

Es handele sich um gelben Sandstein, Kalkstein und rötlichen Sandstein. Wie die drei Materialien miteinander harmonieren und was bei den Arbeiten zu beachten ist, erläuterte ein Steinrestaurator vor Ort. Wenn die Mauersanierung am Steilhang abgeschlossen ist, wird das Gerüst zurück gesetzt auf den weniger kritischen Teil des Plateaus. 

Arbeiten, die vor Wintereinbruch nicht mehr möglich sind, sollen im Frühjahr erledigt werden. Dann gehe es auch an Schornstein, der mehrere Jahrhunderte Wind und Wetter trotzte. Die Überlegungen zur Standsicherheit des knapp 20 Meter hohen Bauwerks seien aber noch nicht abgeschlossen, merkte Gockel an.

Bilder von der Sanierung der Klosterruine in Ober-Werbe

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