„Rädzelhafte“ Verbalartistik mit Reinhard Berger

Freienhagen: Amüsanter Start in den "literarischen Herbst"

Sprachliche Ausrutscher glossiert: Reinhard Berger mit seinem neuen Buch „Rädzelhaft – Schlaubergers Quiz für Klugscheißer“. Foto: Ursula neubauer

Waldeck-Freienhagen – Mit einem vergnüglichen Abend startete der Kulturverein Wajuku in den "literarischen Herbst".

Schadenfreude ist bekanntlich die beste Freude. So amüsierte sich eine kleine Schar Gäste über sprachliche Ausrutscher, die von Reinhard Berger bei der Auftaktveranstaltung des Literarischen Herbsts 2019 des Waldecker Fördervereins für Jugend und Kultur in der Versicherungsagentur Monica Di Stefano präsentiert wurden.

„Keiner versteht so gut, die sprachlichen Mängel unserer Gesellschaft aufzudecken und auf so unterhaltsame Weise darzubieten wie der Schlauberger“, sagte Vereinsvorsitzende Ute Wiesenberg bei der Begrüßung. Mit Schlauberger ist Reinhard Berger gemeint, der seit über zwölf Jahren in der HNA im Feuilleton eine Kolumne über sprachliche Querschläger schreibt. Um Stilblüten zu sammeln, liest er täglich viele Zeitungen online, insbesondere Kleinanzeigen, und schaut sich Kabarettsendungen im Fernsehen an. Viel gelernt habe er von Heinz Erhardt, Dieter Hildebrandt und Georg Schramm, sagte der gebürtige Kasseläner.

Eine Auswahl von Beispielen angewandter Verbalartistik fasste er in Büchern zusammen. „Rädzelhaft – Schlaubergers Quiz für Klugscheißer“ ist der Titel seines neuesten Werkes, das er an dem Abend präsentierte. Berger hielt keine Lesung im üblichen Sinn. 

Er spürt Sprachentgleisungen auf und hält sie wie ein Spiegel den Menschen vor, sodass sie über ihre Fehler lachen können. So fand er in einer Zeitung die Anzeige „Elkawevarer sucht Stelle!“ oder die Schlagzeile „Leiche beim Frühstücken entdeckt“. Er stöberte Sprachmerkwürdigkeiten auf, so wie unübliche Ortsnamen (Leichendorf, Siehdichum) und Begriffe wie Dreiseitenkipper für Schubkarre und Personenvereinzelungsanlage für Drehkreuz. 

Auch der „Druckteufel“ war dabei: Bei einer Zeitungsreportage über Biathlon wurde der Schießstand mal eben zum Scheißstand. Laut Berger sind Sprüche von Politikern oft ein Garant für Heiterkeit. Mit einem Beispiel des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber landete er einen Lacherfolg. Fehler seien menschlich, sagt der Autor. Er ärgert sich jedoch, wenn Sprache dazu dient, sich wichtig zu machen. Sein Lieblingsaufreger ist der sprachliche Genderisierungswahn. 

Laut Berger sei die Gleichberechtigung eine wichtige Sache, aber sprachliche habe sie sich zu einer Katastrophe entwickelt. Wenn plötzlich von Töchterin, Rüdin, Gemeinde und Gemeinderinnen oder sogar von Saalmikrofonen und -mikrofoninnen die Rede sei, dann sei das eine Vergewaltigung der Sprache. Nach dem unterhaltsamen Vortrag entspann sich eine rege Diskussion an.

Von Ursula Neubauer

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