WLZ-Serie zum Jubiläum

50 Jahre Mittelpunktschule Sachsenhausen: Herwig Erbroth erinnert sich an vergangene Zeiten

Vor 50 Jahren wurde die Mittelpunktschule in Sachsenhausen gebaut.

Waldeck-Sachsenhausen – Die Mittelpunktschule wird 50 Jahre alt. Zeitzeugen erinnern an den Bau und den Start der neuen Schule. Den Auftakt macht der ehemalige Lehrer Herwig Erbroth.

Bis zum Bau der MPS fand der Unterricht der Volksschule im Gebäude der heutigen Grundschule in der Gartenstraße statt. Erbroth war seit 1965 Lehrer in Sachsenhausen und übernahm auch das Amt des Schriftführers im Schulverband.

Durch Einführung des neunten Pflichtschuljahres 1965 in Hessen besuchten die Abgänger der achten Klassen aus den Schulen in Meineringhausen, Strothe Ober-Warolden, Dehringhausen, Höringhausen, Freienhagen, Nieder-Werbe, Netze und Waldeck den Unterricht in Sachsenhausen. Diese bildeten dort zwei Klassen mit je 30 Schülern. „Im Schulgebäude waren zwei Klassenräume renoviert und möbliert worden“, erinnert sich Erbroth, der neben seinem Kollegen Dieter Elgeti die Leitung der Klassen übernahm. Für den Transport der Schüler beauftragte der Kreis Waldeck örtliche Busunternehmen.

Etwa zur gleichen Zeit gründeten die Gemeinden Sachsenhausen, Höringhausen, Ober-Waroldern, Freienhagen, Netze, Nieder-Werbe und Waldeck – die damaligen Schulträger – den Schulverband Sachsenhausen zum Bau einer neuen Mittelpunktschule. Die Schüler aus Ober-Werbe und Alraft besuchten bereits die Sachsenhäuser Schule. Das Baugrundstück an der Ober-Werber Straße hatte die Stadt Sachsenhausen erworben.

Beim Unterricht in 1978: Herwig Erbroth mit Schülern.

Herwig Erbroth wurde von Bürgermeister Viereck gebeten, in der Verbandsversammlung das Protokoll zu führen. Die Versammlung tagte mehrere Male im Jahr unter dem Vorsitz des Freienhagener Bürgermeisters Feindler und entschied unter anderem über Bauweise, Ausstattung und Organisationsform als Grund-, Haupt-, Realschule mit Förderstufe. Bei einer Informationsreise nach Marl wurde ein Gebäude einer alternativen Fertigbauweise besichtigt. Dafür entschied sich dann das Gremium. 

Die Sachsenhäuser Schule leitete Hauptlehrer Wilhelm Bangert, der 1968 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Hierzu meldete am 16. Juli 1968 die Waldeckische Landeszeitung: „Bürgermeister Viereck bedauerte für die Stadt Sachsenhausen, daß der bewährte Schulleiter ausscheiden müsse. „Wir hätten Sie gerne noch als Rektor der neuen Mittelpunktschule gesehen.“ Bangert habe unschätzbare Dienste geleistet, habe die Erwachsenenbildung aufgebaut und lange Jahre dem Kirchenvorstand angehört.“

3,4 Millionen Mark für die Mittelpunktschule Sachsenhausen

Am 29. August 1968 berichtete die WLZ: „MdL Hans-Otto Weber erklärte uns gestern, der hessische Kultusminister habe ihm auf Anfrage mitgeteilt, daß Sachsenhausen im Sonderprogramm „drin“ sei. Das Zweite Konjunkturprogramm werde der Landtag bestimmt am 12. September annehmen. Damit wäre dann grünes Licht für den Bau der Mittelpunktschule in Sachsenhausen gegeben.“ 

Nach dem Voranschlag sollte der Bau 3,435 Millionen Mark kosten, samt Werk- und Naturkunderäume, Fotolabor, Nadelarbeitsraum sowie Turnhalle, Turnsaal, Gymnastikbühne, Umkleide- und Waschräumen. Rektorenzimmer, Lehrerzimmer, Besprechungsraum, Garderoben, Bibliothek und Gemeinschaftsraum waren für den Verwaltungstrakt vorgesehen. Enthalten waren auch Wohnungen für Schulleiter und Hausmeister. Schulleiter Herbert Schmidt, bezog die Dienstwohnung in der jetzigen Grundschule. 

Am 25. Oktober 1968 wurde im Beisein von Landrat Dr. Karl-Hermann Reccius der Grundstein gelegt. Auf den Tag genau ein Jahr später wurde die MPS eingeweiht. Erbroth: „Schon im Frühjahr 1968 hatte die erste Realschulklasse der künftigen Verbandsschule ihren Lehrbetrieb aufgenommen. Sie war Bedingung für den Bau der neuen Schule. Der Realschulunterricht fand zunächst noch im Schulhaus in der Gartenstraße statt.“ 

Die Förderstufe wurde erst nach Fertigstellung der Schule eingerichtet. Erbroth, der sich für das Fach Mathematik qualifiziert und ein halbes Jahr an der Korbacher Realschule unterrichtet hatte, übernahm die Leitung der Realschulklasse. Mit dieser Klasse unternahm er zum Abschluss 1974 die für den Schulstandort erste Auslandsstudienreise. Sie führte mit Englisch-Fachlehrerin Kröning nach Lowestoft in Großbritannien.

Zur Person:

Herwig Erbroth (Sachsenhausen) wurde 1932 in Nesse in Ostfriesland geboren. Nach dem Studium am Pädagogischen Institut in Jugenheim trat er seine erste Lehrstelle 1955 in Schweinsbühl an.

Der pensionierte Lehrer Herwig Erbroth mit einem Andenken an seinen "stärksten Tag" an der MPS.

Ab 1965 unterrichtete er Sachsenhausen zunächst an der Volks-, später an der Mittelpunktschule. 

Zur Pensionierung bekam er vom Abschlussjahrgang der Realschulklasse in 1993 eine Türklinke zum Andenken an seinen „stärksten Tag“. Da hatte es der Lehrer eilig, zum Unterricht zu kommen und wollte die Tür zum Klassenraum rasch öffnen. „Plötzlich hatte ich den Türgriff in der Hand,“ erinnert sich Erbroth. Der Lehrer i. R. war zudem lange Vorsitzender der Liedertafel, in der er als Zweiter Bass mitsingt. Auch im Kirchenchor ist er aktiv.

VON JÖRG SCHÜTTLER

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