Dr. Bernhard Tschang: "Deutschland ist für mich wie eine zweite Heimat"

Von Südkorea nach Waldeck: Pensionierter Pastor hilft in katholischer Kirchengemeinde aus

Aushelfen bei Priestermangel: Dr. Bernhard Tschang aus Südkorea versieht für zwei Jahre pastoralen Dienst im Raum Bad Wildungen, Sachsenhausen, Waldeck. Foto: Degenhardt

Dr. Bernhard InSan Tschang, pensionierter Pastor aus Südkorea, ist neuer Mitarbeiter im pastoralen Raum Bad Wildungen und Waldeck.

Waldeck/Bad Wildungen – In Jackett und Hausschuhen öffnet er die Tür des Pfarrhauses der katholischen Kirchengemeinde in Waldeck und erzählt gleich von seiner Familie. Seine Eltern lebten in Nordkorea, flohen bereits 1948 in den Süden, als ihr Sohn ein Jahr alt war. Der Vater fiel als Offizier während des Koreakrieges in 1950. So musste die Mutter ihren Sohn Bernhard sowie dessen drei Jahre jüngeren Bruder Paul allein erziehen.

Bernhard Tschang erkrankte an Kinderlähmung. „Meine Mutter betete jeden Tag“, sagt er gerührt. Für die Familie war es wie ein Wunder, dass er geheilt wurde. So entstand bereits sehr früh der Wunsch, Priester zu werden.

1973 in Bad Arolsen

Nach dem Priesterseminar und einem dreijährigen Wehrdienst bekam Tschang ein Stipendium vom Erzbistum Köln. So kam er 1973 nach Bad Arolsen, um am Goethe Institut Deutsch zu lernen. Sein Studium an der Universität Bonn schloss er mit Promotion ab und wurde 1979 im Kölner Dom von Kardinal Joseph Höffner zum Priester geweiht.

40 Jahre später – in 2019 – wurden alle Stipendiaten zu einer Dankmesse in den Kölner Dom eingeladen. Aus diesem Anlass wollte Bernhard Tschang auch das Goethe Institut in Arolsen besuchen. Während einer Messe in Sachsenhausen lernte er Pfarrer Jürgen Westhof kennen, der von dem großen Mangel an Priestern erzählte.

Heimatbischof begeistert von der Idee

Schnell war die Idee geboren, im Erzbistum Paderborn auszuhelfen. „Nun habe ich die Möglichkeit, nach 40 Jahren etwas von all dem Guten zurückzugeben, das ich in Deutschland bekommen durfte“, erklärt Tschang dankbar.

Der Heimatbischof war begeistert von der Idee, und so übernahm der Südkoreaner im Januar die katholische Gemeinde Maria Himmelfahrt in Waldeck und Sachsenhausen sowie die Vertretung in Bad Wildungen für zunächst zwei Jahre. „Deutschland ist für mich wie eine zweite Heimat“, sagt der Priester. Der Kontakt zu Studienfreunden besteht bis heute. „Damals nahmen mich die Eltern auf wie einen eigenen Sohn.“

Messe mit Papst Franziskus in Bangkok zelebriert

Tschang liebt es, selbst Musik zu machen. Klavier, Gitarre und Cello spielt er gern. Spontan stimmt er das Lied „Wenn alle Brünnlein fließen“ an. In den nächsten Monaten möchte er gerne einmal die Bundeshauptstadt Berlin sehen. Ausgedehnte Spaziergänge rund um den Edersee stehen ebenfalls auf seinem Programm, denn „ich fühle mich in Waldeck sehr wohl“.

Ganz zum Schluss verrät er seine Leidenschaft für das Motorradfahren. Er fuhr eine 650-er BMW. Die hat er in Südkorea dann durch eine Vespa ersetzt.

Gemeinsam mit seinem Bruder Paul, apostolischer Nuntius für Thailand, zelebrierte er im November ein ganz besonderes Erlebnis: Eine heilige Messe mit Papst Franziskus in Bangkok.

Pfarrer und Theologieprofessor im Bistum Cheongju

Dr. Bernhard InSan Tschang war in seiner Heimat Südkorea bis zu seinem Ruhestand im Bistum Cheongju als Pfarrer und Generalvikar sowie über zehn Jahre als Theologieprofessor tätig. Anschließend arbeitete der pensionierte Priester als Exerzitienleiter in dem Kloster Kkottongnae auf der Insel Ganghwado, zehn Minuten mit dem Fahrrad von der Grenze zu Nordkorea entfernt. „Wenn es das Wetter zuließ, bin ich jeden Tag dorthin gefahren oder zu Fuß gelaufen“, sagt er. Sein größter Wunsch ist es, noch einmal seinen Geburtsort Kanggye zu besuchen. 

"Täglich für Menschen in Nordkorea gebetet"

Vom Kloster aus beobachtete er Nordkoreaner bei der Feldarbeit oder Kinder auf ihrem Weg zur Schule. „Ich habe täglich für die Menschen in Nordkorea gebetet“, sagt er und fügt hinzu: „Die Menschen dort sind nicht böse. Die Diktatur ist schlimm, ähnlich wie bei Hitler.“ Tschang hofft sehnsüchtig, dass die Grenze eines Tages geöffnet wird. 

Das Treffen des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in mit Kim Jong-un habe bereits etwas Gutes gebracht. Lautsprecher an der Grenze, die nachts Werbung für beide Länder machten, wurden abgeschaltet. Einige Posten und Minen in der demilitarisierten Zone gibt es nicht mehr. Und die stillgelegte Strecke einer Bahnverbindung, die bis nach Europa führen kann, wurde in Südkorea wieder hergestellt.

VON SABINE DEGENHARDT

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