Zuletzt in 2003 zu sehen

Faszination Edersee-Atlantis: Die Werbebrücke taucht auf

Edersee-Atlantis: Nach den Resten von Gut Vornhagen am Waldecker Schlossberg ist inzwischen auch die Fahrbahn der noch vollständig erhaltenen Werbebrücke aufgetauch.

Edersee. Wieder gibt es eine Sensation am Edersee. Die Fahrbahn der erhaltenen Werbebrücke unterhalb von Bericher Hütte und Sperrmauer-Modell ist aufgetaucht.

Kurz hinter der Brücke mündet der Werbebach in die Eder ein.

Die Brücke wurde einst Rimberger Steg genannt. Dahinter schloss sich die Schlageswiese an, bevor das Gelände am Bettenhagen anstieg. Während der höchste Punkt des Sperrmauermodells bei einem Wasserstand von 31 Millionen Kubikmetern auftaucht, kommt die Brücke erst bei einem Inhalt von 20,50 Millionen Kubikmeter ans Tageslicht, das war zuletzt im Herbst 2003 der Fall.

Die Geschichte dieses Übergangs über den Werbebach reicht weit zurück: Nach der Reformation wurde das aufgelöste Kloster Berich in eine gräfliche Meierei umgewandelt. Deren Einkünfte wurden 1577 zur Gründung und Erhaltung des waldeckischen Landesgymnasiums Korbach bestimmt (Alte Landesschule). Bei der Bericher Mühle musste für die Nutzung des Waldes Bettenhagen der Werbebach überquert werden, und auch die Bringhäuser ließen in der Bericher Mühle mahlen und schroten. Somit wurde der Übergang über die Werbe dort wohl häufig genutzt.

Kürzlich gab es eine weitere Besonderheit vom Edersee-Atlantis: Erstmals nach 15 Jahren tauchen Ruinen von Gut Vornhagen auf

Streit mit Korbacher Gymnasium um den Unterhalt der Brücke

1617 nahm der auf Schloss Waldeck residierende Graf Christian die Einnahmen der Bericher Meierei an sich, während das Gymnasium die Einnahmen des Klostergutes Ober-Werbe zugesprochen bekam. Für Unterhaltung und Renovierung des Steges blieb das Gymnasium zuständig, obwohl es keinen Nutzen mehr davon hatte. Die Lehrer wehrten sich heftig, wenn eine Instandsetzung anstand. 1729 ließ die Schule erst nach langen Streitigkeiten den Steg reparieren. Nach dem Bau der Ederbrücke bei Berich 1899 wurde auch der Wunsch nach einer massiven Werbebrücke laut.

Atlantis in 1953: Links die Brücke über die Werbe, rechts die Ruinen der Bericher Hütte.

1900 schrieb das Bauamt:

 „Der Ersatz des Riemenstegs bei der Bericher Hütte ist dringendes Bedürfnis geworden, nur mit Gefahr für Vieh ist im letzten Winter die Werbe zu passiren gewesen und haben sich berechtigte Klagen und Beschwerden über diesen großen Uebelstand so angehäuft, daß der Bau der Brücke nicht mehr hinausgeschoben werden kann; umsomehr als auch das Holzwerk des jetzigen Stegs anfängt schlecht zu werden.

 Die Brücke soll massiv aus Grauwackensteinen vom Bericher Wege 5 m breit mit 7,0 + 7,5 m lang, 2,9 m hoch (Hochwasserstand 1890) bis zum Kämpfer ausgeführt werden.“

Kurz nach dem Bau im Edersee untergegangen

1901 bewilligte die Domänenkammer 1000 Mark, und bald darauf begann der Bau. Lange erfreuten sich Bericher, Nieder-Werber und Bringhäuser nicht an der Brücke. Um diese Zeit gab es bereits erste Planungen für ein großes Staubeckens im Edertal. 1914 wurde der Edersee erstmalig angestaut, damit verschwanden auch Bericher Hütte, Mühle und Werbebrücke in den Fluten.

Quelle: Jörg Schüttler: Streit mit Korbacher Gymnasium um den Unterhalt. Auch die alte Werbebrücke im Edersee ist noch vollständig erhalten. In: Mein Waldeck Nr. 12 und 13 / 2014.

Von Jörg Schüttler

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