Nach Revision

Mordversuch in Netze: Nach Revision - Strafe wurde abgemildert

Vier Monate weniger Haft ergab das Urteil nach der Revision.
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Vier Monate weniger Haft ergab das Urteil nach der Revision.

Das Urteil im Mordversuch von Netze wurde nach der Revision geändert - die Strafe wurde abgemildert.

  • Nach der Revision hat das Landgericht Kassel das Urteil im Prozess um den Netzer Mordversuch abgemildert
  • Die Haftstrafe wurde um vier Monate verringert
  • Der Bundesgerichtshof befand in seiner Revision den Vorwurf der  Gemeingefährlichkeit der Tat als nicht ausreichend begründet

Netze/Kassel – Zehn Jahre und einen Monat Gefängnis wegen versuchten Mordes und besonders schwerer, gemeingefährlicheres Brandstiftung: So lautete im Mai 2019 das Urteil des Kasseler Landgerichts für einen damals 30-jährigen Mann aus Waldeck. Der hatte im Mai 2018 in Netze aus Rache für die Trennung Scheune und Wohnhaus seiner Ex-Freundin angezündet. Die junge Frau entkam mit ihren beiden kleinen Kindern nur knapp dem Feuertod.

Gegen das Urteil hatte der Feuerwehrmann aus Waldeck Revision eingelegt, die der Bundesgerichtshof aber nur zum Teil als berechtigt bewertete. Der Tathergang war unstrittig, es ging lediglich um die Höhe der Strafe.

Im zweiten Verfahren senkte die 10. Strafkammer von Richter Robert Winter nun die Strafe auf neun Jahre und zehn Monate, also vier Monate weniger, als vor Jahresfrist von der 6. Strafkammer entschieden worden war. Die hatte in ihrem Urteil mit Heimtücke und Gemeingefährlichkeit zwei Mordmerkmale festgestellt. Der Bundesgerichtshof indessen befand den Vorwurf der Gemeingefährlichkeit der Tat als nicht ausreichend begründet. Dies sah die 10. Strafkammer jetzt auch so.

Allein die Mutter und ihre zwei Kinder durch Feuer bedroht

Tatsächlich, so Richter Winter in seiner Urteilsbegründung, seien durch das nächtliche Feuer ausschließlich die Frau und ihre beiden Kindern in ihrem Leben bedroht gewesen, nicht aber eine „unbestimmte Anzahl von Personen“. Diese Gefahr für eine große, nicht näher bekannte Zahl von Menschen ist aber für das Mordmerkmal der „Gemeingefährlichkeit“ ausschlaggebend. Es reiche nicht aus, dass auch die Eltern der Frau im angrenzenden Wohnhaus in Netze durch das Großfeuer in Gefahr geraten waren.

Angeklagter räumte Tat ein

Der heute 31-jährige Angeklagte - seit seiner frühesten Jugend in zahlreichen Feuerwehren aktiv, zuletzt als Leiter einer Jugendwehr - hatte eingeräumt, nach einer Feier mit der Feuerwehr Göttingen nachts spontan nach Netze gefahren zu sein. Dort zerstach er zunächst die Reifen am Wagen seiner Ex-Freundin.

Dann entzündete er einen Strohhaufen in der direkt ans Wohnhaus angrenzenden Scheune und fuhr davon. Von seiner Wohnung in Waldeck konnte er sehen, dass sich in Netze inzwischen ein Großfeuer entwickelt hatte. Letztlich wurden beide Gebäude zerstört, es entstand ein Schaden von rund 800 000 Euro.Ein Psychiater hatte dem Angeklagten im ersten Verfahren eine normale Intelligenz und eine Persönlichkeit mit narzisstischen Anteilen bescheinigt, die eine Zurückweisung durch andere nur schwer verkrafte. Er neige dazu, die Schuld bei anderen zu suchen und verfüge über wenig Empathie gegenüber seinen Mitmenschen. Psychische Erkrankungen oder eine Persönlichkeitsstörung hatte der Psychiater nicht festgestellt und dem Angeklagten uneingeschränkte Schuld- und Steuerungsfähigkeit bescheinigt. -tom-

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