Gipsabdruck von Zinnen angefertigt

Foto-Doku zur Freilegung des Edersee-Sperrmauermodells 2018

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Stefan Möller und Sandra Becker beim Freilegen des Modells voriges Jahr. Sie übergaben an die Niederwerber Dorfstube eine Foto-Doku dazu und einen Gipsabdruck von Teilen der Mauerkrone.

„Wir wollten das Modell der Edertalsperre freischaufeln“, erklären Sandra Becker und Stefan Möller beim gemütlichen Kaffeetrinken in der Nieder-Werber Dorfstube.

Der 48-jährige Beamte im Strafvollzug und seine Freundin, die als Heilerziehungspflegerin in der Behindertenbetreuung arbeitet, fuhren seit Herbst 2018 insgesamt sieben Mal 180 Kilometer aus ihrem Heimatort Hutten bei Schlüchtern an den Edersee, um das Sperrmauermodell zu renovieren.

„Wir hatten keine persönlichen oder verwandtschaftlichen Bindungen zum Edersee. Es ist das reine Interesse an dieser Region“, erklärt Möller auf die Frage nach der Motivation zu der ehrenamtlichen Arbeit. Er kam als Jugendlicher 1989 erstmals an den Edersee, später oft auch zusammen mit seiner Tochter.

Zuerst wurde das Modell bis zur Sohle vom Schlamm befreit. „Ich habe gekniet und mit einem kleinen Spachtel den Schlamm aus den Durchlässen geholt“, erklärt Sandra Becker. Auch waren manche Zinnen der Krone des Modells im Winter bei Ablassen des Sees durch Eismassen abgebrochen oder wurden durch unachtsame Besucher zerstört. Den Beton zur Renovierung der demolierten Zinnen des Modells brachten Becker und Möller von zu Hause mit. 

Die noch vorhandenen Zinnen formten sie mit Gipsbinder ab. Anschließend wurde die Form auf das Mauerwerk aufgesetzt und mit Beton aufgefüllt. Mit dem restlichen Beton stabilisierten sie das Kellerwerk der benachbarten Ruine der Bericher Hütte. Dieses Jahr sind beide wegen der gesperrten Ederseerandstraße von Nieder-Werbe aus zu Fuß mit Schubkarre und Werkzeug durch den leeren See zum Modell gelaufen, um dort zu arbeiten.

Auch die kleine, noch vollständig erhaltene Brücke über den Werbebach unterhalb des Modells, die nur sehr selten aus dem Edersee auftaucht, haben sie voriges Jahr gesehen.

Im letzten Herbst kamen sehr viele Besucher, um sich Edersee-Atlantis anzusehen, berichtet Stefan Möller: „Es ist ein unheimlich großer Einzugskreis, aus dem die Leute zu den Ruinen kommen. Das Interesse ist riesig. Eines Tages kamen ein Lehrer aus Mainz und ein Kind, die uns spontan geholfen haben.“ Ein älterer Herr erzählte den beiden, dass sein Vater vor über einhundert Jahren als Arbeiter am Bau der Edertalsperre beschäftigt war.

Helga Kühn, Reinhold Nordmeier und Wilhelm Neuhaus vom Team der Dorfstube sowie Markus Schaller, erster Vorsitzender des neuen Fördervereins Nieder-Werbe / Scheid und Mitglied des Ortsbeirates, bedankten sich bei Becker und Möller mit einer Einladung in die Nieder-Werber Dorfstube, wo in dem kleinen Museum eine gemütliche Kaffeetafel stattfand. Reinhold Nordmeier erinnerte an den Umzug der Bericher 1912 mit Pferdefuhrwerken in ihr neues Dorf bei Bad Arolsen:

„Die Leute hatten sich damals richtig Mühe gemacht.“ Als echte Ederseefans haben Becker und Möller bereits Neu-Berich mit seiner wieder aufgebauten Klosterkirche besichtigt. Zum Abschluss überreichten Sandra Becker und Stefan Möller dem Dorfstubenteam einen Fotobildband von ihren Renovierungsarbeiten und den Gipsabdruck einer Zinne vom Sperrmauermodell. „Mit dem leeren See kommen viele Chancen und Möglichkeiten auf“, so Möller.

„Ich finde es sehr anerkennenswert, dass sie von so weit herkamen und diese Arbeit aufgenommen haben“, bedankte sich Wilhelm Neuhaus bei Sandra Becker und Stefan Möller.

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