Historischer Streifzug entlang der Sachsenhäuser Gemarkung

Grenzbegang in Höringhausen: Zu Fuß auf der Höllenstraße

Nach altem Brauch: Teilnehmer des Grenzbegangs wurden an den Grenzsteinen gestutzt; Jörg Fingerhut, Marion Berges und Roger Kesting. Foto: pr

Waldeck-Höringhausen. Einen Ausflug auf historischen Pfaden unternahmen 45 Grenzgänger in Höringhausen.

Der Spielmannszug eröffnete den Grenzbegang des Ortsbeirats. Ortsvorsteher Uwe Wagner begrüßte 45 Grenzgänger, darunter Bürgermeister Jörg Feldmann, an der Festscheune. Wagner informierte über die vier Bauernhöfe, die auf dem Dorfplatz standen, den Erwerb der Fläche durch Fürstin Maria zu Solm-Hohensolms Lich, den Bau des fürstlichen Hofgutes 1841 und den Abriss in 2010.

An der durch die Arbeitsgruppe „Wir für Höringhausen“ errichteten historischen Stelle verwies der Vorsitzende Friedhelm Fingerhut auf den Brunnen am Kübenborn, einen Prangerstein mit Schandpfahl und zwei Grenzsteine von 1753. 

Ein Grundstein erinnert an die Familie Georg Wilhelm Wolf, die mit Beginn des 19. Jahrhunderts einen der abgerissenen Höfe besaß. Ein Stein aus dem Türsturz der ehemaligen Synagoge und der Wappenstein der Wölffe von Gudensberg, die schicksalsbestimmend für die Höringhäuser waren, sind ebenfalls zu sehen.

„Die Raukschwalen“; So erhielten die Höringhäuser ihren Spitznamen

Unterwegs erfuhren die Grenzgänger, dass die Sachsenhäuser Gemarkungsgrenze einst Landesgrenze war und auf 28 Kilometern mit 170 Grenzsteinen markiert war. Wagner verwies auf die Handelsstraße, die im Mittelalter die Städte Köln und Berlin verband. 

Wegen ihres schlechten Zustandes wurde sie Höllenstraße genannt. Am Weg standen die ehemaligen Zollstationen Hof Heide und Redhof. 

Da Höringhausen als Enklave dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt angehörte, besaß das Dorf einen eigenen Zolltarif und bot Waren besonders günstig an. 

Damals herrschte große Armut, und auf Hof Heide blühte der Schmuggel von Tabakwaren. So kamen die Höringhauser zu ihrem Spottnamen „de Raukschwalen“.

Stutzmeister Manfred Kern und seine Gehilfen Jörg Fingerhut und Roger Kesting stutzten mehrere Teilnehmer mit den Worten „Der Stein, die Grenze, in Ewigkeit“. Auch die Abordnungen der Ortsbeiräte Sachsenhausen, Alraft und Meineringhausen wurden gestutzt. 

Nach einer Rast am Kalkofen gab es bei Meineringhausen Hinweise über die ehemaligen Orte Wameringhausen und Rissinghausen, die vor mehreren Jahrhunderten Wüstungen waren.

 Große Flächen im Werbetal hat der NABU Korbach vor einigen Jahren erworben und ein Vogelschutzgebiet angelegt. In 2010 wurde die Werbe auf 1,5 Kilometern renaturiert.

Nach sieben Kilometern war das Ziel erreicht, der Grenzgang klang an der Dorfscheune gemütlich aus. (r)

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