Original schlummert weiter im Tresor

Großes Foto der historischen Waldecker Schützenkette ans Tourismusbüro übergeben

Foto und Tafel übergeben: Tourismusbüro-Leiterin Claudia Unger (zweite von rechts) bedankte sich bei (von links) Evelyn Ginder, Burkhard Artzt, Paul Neuhaus (vorne) und Stefan Ginder von der SG Waldeck. Foto: Schuldt

Waldeck – Die Schützengesellschaft (SG) 1749 Waldeck hat dem Tourismusbüro eine große Fotografie der historischen Waldecker Schützenkette übergeben.

Nebst Info-Tafel über das kostbare Stück. Das Motiv selbst schlummert seit vielen Jahrzehnten im Tresor.

Würde die Antiquität öffentlich ausgestellt, müsste sie teuer versichert werden. Wiederherstellungswert: 30 000 Euro, erklärt SG-Vorsitzender Stefan Ginder. Entsprechend hoch fiele die Prämie aus. Ohne bruchsichere Vitrine und Alarmanlage wäre das Diebstahlsrisiko hoch.

Welchen Marktwert die Kette als echte Antiquität hätte, ist schwer zu beziffern. Der Juwelier Martin Ochs, der sie vor vielen Jahren restaurierte, geht von 5000 bis 8000 Euro aus, gegenüber nur 800 Euro reinem Silberwert.

Der Leiter des Korbacher Stadtmuseums Dr. Wilhelm Völker-Jansen ist zurückhaltend, ob sich ein hoher Preis erzielen ließe, „denn es müsste ja einen Sammler geben, der ihn zahlt.“ Oder ein Museum. Der Leiter des Deutschen Schützenmuseums auf Schloss Callenberg (Coburg) Stefan Grus bestätigt, wie knifflig eine materielle Bewertung antiker Schützen-Utensilien sei. „Für Museen und Sammler ist es allerdings schwierig, etwa an Schützenketten heranzukommen, denn die Vereine verwenden sie ja“, erläutert der Spezialist. Die moderne SG Waldeck richtet keine Schützenfeste aus, sondern betreibt historisches Böllerschießen.

Ohne die Waldecker Kette zu kennen, „wäre ich bereit, bis zu 10 000 Euro für so ein Stück zu zahlen, um es im Museum zu zeigen, wenn wir nicht schon entsprechende Exponate hätten“, meint Grus. Rein rechtlich gehöre das Kleinod wohl der Stadt Waldeck. Davon geht auch SG-Gründungsmitglied Dieter Herzog aus. Denn 1749 fällt laut Grus in eine Zeit, da sich die Schützenvereine nicht allein der Geselligkeit und dem Schießsport verschrieben, sondern ihrem ursprünglichen Zweck dienten: die Verteidigung und Sicherheit des Ortes zu organisieren. „Dazu wurden sie von den Städten ausgestattet und alimentiert, wie bis heute die Feuerwehren“, sagt Grus.

Die Waldecker Schützenkette befand sich früher als Leihgabe des Waldecker Burgmuseums in Obhut des Korbacher Museums. 1988 schickten die Korbacher den Waldeckern einen Leihvertrags-Entwurf dazu, wie laut Völker-Jansen ein Dokument von damals verrät.

Nach der Wiedergründung der 1874 aufgelösten SG Waldeck im Jahr 1999/2000 übergab das Korbacher Museum die Kette an den Verein. Ob sie damit in dessen Eigentum überging oder weiter der Stadt Waldeck gehört, macht kaum einen Unterschied: „Laut Satzung fällt der Vereinsbesitz im Fall einer Auflösung an die Stadt“, sagt Ginder. Die wechselvolle Historie der Schützenkette schilderte das SG-Gründungsmitglied Paul Neuhaus bei der Übergabe des Fotos an Tourismusbüro-Chefin Claudia Unger.

Hintergrund

In den 1990ern entdeckte Paul Neuhaus die Schützenkette im Korbacher Bürgerhaus als Ausstellungsstück des Heimatmuseums: Ausgangspunkt für die Rückkehr des Kleinods nach Waldeck. Bis in die 1960er Jahre war es laut Neuhaus im Burgmuseum ausgestellt gewesen. Nach dem Diebstahl des letzten Waldecker Richtschwertes aus dem Museum kam die Kette zu ihrem Schutz ins Korbacher Museum. Ins Burgmuseum war sie einst nach der Auflösung der SG 1874 über Umwege gelangt und zuletzt den Heimatforscher Pfarrer Herbert Baum. Dieser berichtete in „Mein Waldeck“ 1951 über die Historie der SG Waldeck. Das Foto fürs Tourismusbüro fertigte Patrick Böttcher. Zwei heimische Geldinstitute unterstützten das Projekt.

Schützenkette umfasste einmal 62 Schilde

Laut Herbert Baum riefen Stadtrichter Julius Pape und Amtmann Johann Carl Georg Esau 1749 die SG Waldeck als wohl jüngste des Landes ins Leben. Das Freischießen wurde laut Satzung von 1754 jährlich Pfingstdienstag abgehalten. Dem Schützenkönig standen Vergünstigungen zu wie eine unentgeltliche Buchenholzzuteilung und Befreiung von Bürger-Dienstpflichten wie der Nachtwache. Im Gegenzug stiftete er einen Schild für die Kette, Freibier und ließ die Schießscheibe ausbessern. Die Kette war 1813 auf 62 Stücke gewachsen, doch der Großteil wurde im 19. Jahrhundert verkauft.

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