Eingeschworene Gemeinschaft

Hoch zu Ross durch Feld und Flur: Herbstritt der Heidereiter mit dem Waldecker Reitverein

Im Galopp durch die herbstliche Landschaft: Wolrad Herzog (links) führte die Reitergruppe an.
+
Im Galopp durch die herbstliche Landschaft: Wolrad Herzog (links) führte die Reitergruppe an.

Die Waldecker Heidereiter hatten zusammen mit dem Reitverein Waldeck zum Herbstausritt eingeladen.

Waldeck – Eigentlich treffen sich die „Heidereiter“ dreimal im Jahr privat zu einem Ausritt. Jedes Jahr fahren sie außerdem mit ihren Pferden zu einem gemeinsamen Reiterurlaub in die Nordheide. Eigentlich, denn dank Corona war das fast zwei Jahre nicht möglich. Die zwölf Freunde aus dem Waldecker Land, die seit 19 Jahren durch ihre Pferde miteinander verbunden sind, hatten diesmal zu einem Ausritt eingeladen.

In zwei Feldern

Wolrad Herzog, ein Heidereiter der ersten Stunde, hatte den Ausritt organisiert. Der Reitverein Waldeck schloss sich an und so wurde aus zwölf Freunden, eine fast doppelt so große Reitergruppe. Nach Begrüßungssekt und Willkommensgruß starteten die Reiter auf die 15 Kilometer lange Strecke. Geritten wurde in einer Galopp- und einer Schrittgruppe.

Überraschung: Die Jagdhornbläser begrüßten die Reiter im Reiherbachtal.

Für Herzog war es Ehrensache, dass er mit 79 Jahren als ältester Heidereiter, die Galoppgruppe anführte. „In den vergangenen Jahren hat sich die Gruppe natürlich verändert,“ erzählt er „Wir haben mit acht ehemaligen Turnierreitern angefangen, einige Freunde aus der Anfangszeit sind nicht mehr dabei, andere jüngere sind hinzugekommen. Inzwischen nehmen wir auch zwei Kutschen mit und fahren zwei- oder sogar vierspännig durch die Heidelandschaft. Es ist gut, dass diese Tradition weiterlebt.“

Strenge Aufnahmestatuten bei den Heidereitern

Die Heidereiter waren ursprünglich eine Idee von Leopold von Carlowitz, Er hatte in der Heide Schleppjagden hinter der Meute geritten und war begeistert. Schnell fanden sich acht ehemalige Turnierreiter aus dem Waldecker Land, und 2002 ging es zum ersten Mal gemeinsam Richtung Norden.

Bei allem Spaß gab es damals klare Regeln. Ein Heidereiter musste um die 60 Jahre alt und ehemaliger Turnierreiter sein. „Wenn wir ankamen, wurden sofort die Pferde versorgt,“ erinnert sich von Carlowitz „Dann haben wir uns in der Stallgasse auf Strohballen gesetzt und konnten bei einem Bier stundenlang über unsere Pferde sprechen. Das war immer eine gemütliche Runde. Wie die Reiter mussten auch alle Pferde Erfahrung im Turniersport haben. Ich habe natürlich besonders auch an sie gedacht, wenn wir unterwegs waren. Bevor es los ging, mussten sie immer sehr gut geputzt, Mähne und Schweif gepflegt, das Leder in einem Topzustand sein“.

Jagdhornbläser im Reiherbachtal

Schnell wurden die Heidereiter, wie sie sich nannten, in der Region als besondere Reitergruppe bekannt, aber es war nicht einfach, zu dieser eingeschworenen Gruppe dazuzugehören. Manfred Fiedler ist seit 14 Jahren dabei. „Ich musste aber erst einmal zwei Jahre einfach nur mitreiten, damit alle sehen konnten, ob es auch passt,“ erzählt er. „Dann wurde in einer Einzelabstimmung entschieden, dass ich dabei sein kann. Inzwischen sind wir nicht mehr so streng, aber passen muss es trotzdem.“ Bis heute verpasst der 71-Jährige keinen Ritt mit den Reiterfreunden und freut sich, dass sie nun Ende Oktober wieder in die Heide fahren.

Ein Bild aus alten Zeiten: Heidereiter beim Auftakt in der Stallgasse.

Dass Reiter und Pferde in guter Form sind, bewiesen sie bei der Rast im Reiherbachtal. Von den Jagdhornbläsern Waldeck begrüßt, wurde sich mit Schmalzbrot, Getränken und einem Schnaps, dem so genannten Bügeltrunk, für den Rest des Weges gestärkt. Zurück an der Waldecker Reithalle wartete Kaffee und Kuchen und eine Gulaschsuppe. Die Mitglieder des Reitvereins waren nicht nur gute Reiter sondern auch sehr gute Gastgeber. (Barbara Liese)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare