Mutmaßlich verursacht durch Ball

Historische Kirchenfenster in Waldeck am Edersee schwer beschädigt

Rausgedrückt: Ursula Nobiling und Ernst Peter Eisenberg mit zwei der Glaselementen, die aus dem Chorfenster im Hintergrund herausgedrückt wurden. Unten links ist der Schaden von innen zu erkennen, unten rechts Stephan Lübbers vor einem der beschädigten, weil verbogenen Fenster aus den 1960er Jahren.
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Rausgedrückt: Ursula Nobiling und Ernst Peter Eisenberg mit zwei der Glaselementen, die aus dem Chorfenster im Hintergrund herausgedrückt wurden. Unten links ist der Schaden von innen zu erkennen, unten rechts Stephan Lübbers vor einem der beschädigten, weil verbogenen Fenster aus den 1960er Jahren.

Tausende Euro Schaden richtete jemand an Fenstern der Nikolauskirche im Ortsteil Sachsenhausen der Stadt Waldeck am Edersee an - mutmaßlich mit einem Ball.

Sachsenhausen – Es ist einfach nur ärgerlich und unverständlich aus Sicht derer, die sich um die Nikolauskirche bemühen: „Hier gibt´s so viel zu tun, Hätten sie da nicht ihre Kräfte austoben können?“, fragt Ursula Nobiling. Mit „sie“ meint die Pfarrerin diejenigen, die fünf historische, bleiverglaste, kostbare Fenster des Gotteshauses erheblich malträtiert haben – mutmaßlich mit einem größeren Ball, der aus einem festeren Material als Gummi besteht. Darauf deuten die Spuren an den eingedrückten Stellen hin, meinen die Polizei und der hinzugezogene Glaserei-Spezialist Stephan Lübbers (Borchen).

Der Schaden geht in die Tausende Euro. Er trifft die Kirchengemeinde empfindlich in einer Phase, da die millionenschwere Außensanierung der Nikolauskirche im Ortsteil Sachsenhausen der Stadt Waldeck am Edersee fast abgeschlossen ist und die Gemeinde bereits spart für die nicht minder aufwendige Sanierung des Inneren. „Wir brauchen jeden Cent“, sagt der Kirchenvorstand und Architekt Ernst Peter Eisenberg.

Schäden an Kirchenfenstern durch Zufall entdeckt

Am Donnerstag voriger Woche entdeckte er das Malheur per Zufall. Im Chorraum fand er zwei farbige, dreieckige Glaselemente auf dem Boden liegen, herausgedrückt aus ihren Bleifassungen in einem der Südfenster. Den Sturz aus rund vier Metern Höhe überstanden sie ohne zu zerbrechen.

„Die Fenster des Chorraums sind Jahrhunderte alt und stammen aus der Kasseler Martinskirche. Sie wurden wohl nach dem Krieg eingesetzt“, schildert Eisenberg. In den 1960er Jahren kamen dagegen die Fenster des Schiffes nach Sachsenhausen. Auch an ihnen nehmen Spezialist Lübbers, die Polizei, Pfarrerin Nobiling und Architekt Eisenberg bei einem Rundgang Schäden in Augenschein. Etliche dieser Scheibchen sind zerbrochen.

Mundgeblasenes Echt-Antikglas bilden die Kirchenfenster

„Bei allen Fenstern handelt es sich um mundgeblasenes Echt-Antikglas“, erläutert Lübbers. Eine einzige Glashütte stelle sie in Deutschland noch her: jede einzelne Scheibe von unterschiedlicher Größe und Form, jede ein Einzelstück, das in Handarbeit gefertigt werden muss. „Da kostet der Quadratmeter nur im Einkauf schnell 200 Euro“, erklärt Lübbers. Versichert ist die Kirchengemeinde nicht gegen solche Arten von Schäden. Die Prämien wären zu teuer.

Leer: die Stellen im Fenster des Kirchenchorraums, an denen die Glaselemente nun fehlen.

Eine weitere schlechte Nachricht hatte der Glaser parat: Die Kirchenfenster wurden seinerzeit nicht fachgerecht eingesetzt, So fehlt es an Außenfugen, sodass die Schmuckstücke auch durch Wettereinflüsse im Lauf der Jahrzehnte Schaden nahmen. Desto weniger hatten sie einem gedankenlosen Schabernack mit einem Ball entgegen zu setzen.

Bei einem ähnlichen Fall in Warburg war Langeweile das Motiv

Wann genau jemand sich an den Fenstern austobte, ist unklar, auch wenn Eisenberg den Schaden am Donnerstag voriger Woche entdeckte. „Man schaut sich ja nicht täglich die Fenster näher an“, sagt er. Irgendwann in den vergangenen drei Monaten müsse es passiert sein, notieren sich die beiden Polizeibeamtinnen beim Rundgang. Die Schäden entstanden in einer Höhe von mehreren Metern, die einen „Unfall“ durch spielende Kinder nach Ansicht der Runde ausschließt. Stephan Lübbers wird häufiger zu solchen Fällen gerufen, zuletzt zu einer Kirche nach Warburg: „Da waren es 14- bis 15-Jährige, die erwischt wurden.“ 2000 Euro an Kosten verursachten sie an einem einzigen Fenster. „Einfach aus Langeweile“, erzählt der Fachmann.

Glaserei-Spezialist Stephan Lübbers begutachtete die Schäden, hier an einem der Fenster des Kirchenschiffes

Weil der Zeitpunkt, an dem wohl ein Ball oder mehrere gegen die Sachsenhäuser Kirchenfenster prallten, nicht genau bestimmbar ist, schließt die Polizei auch eine Variante nicht aus: dass jemand bei einer Gelegenheit ein erstes Fenster beschädigte und jemand Anderes, der das bemerkte, sich zur Nachahmung aufgefordert fühlte. (Matthias Schuldt)

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