Präsident des hessischen Landesamts für Denkmalspflege besichtigte Wahrzeichen des Werbetals

Hoffen auf Sanierung der Klosterruine in Ober-Werbe in 2019

Ober-Werbe. Ein eindeutiges Signal für den Erhalt der Klosterruine gab am Freitag der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Hessen, Dr. Markus Harzenetter, bei einer Besichtigung des Kulturdenkmals über dem Werbetal.

„Es ist eine bedeutende Ruine, die im kulturhistorischen Kontext steht.“ Eine Sanierung müsse aus öffentlichen Geldern mitgetragen werden.

Harzenetter besichtigte auf Einladung des Landtagsabgeordneten Armin Schwarz (CDU) die Reste des Benediktinerklosters und sicherte Unterstützung zu für die Platzierung auf der Prioritätenliste im Förderprogramm Denkmalschutz des Bundes. Die Sanierung der Mauerreste kostet 250 000 Euro. Das Land Hessen hat 80 000 Euro im Haushalt 2019 dafür bereit gestellt. Harzenetter zeigte sich zuversichtlich, dass auch der Bund das Vorhaben unterstützt. Mit einer Entscheidung sei im Herbst zu rechnen.

Untersuchung bestätigte schon vor zehn Jahren die Dringlichkeit 

Die Stadt Waldeck hat 30 000 Euro im Etat eingeplant. Sabine Paulus stellte vom Landkreis Waldeck-Frankenberg einen Zuschuss im Rahmen einer freiwilligen Leistung in Aussicht. Zudem werden Leader-Mittel in Höhe von 40 000 Euro für einen Klosterpfad erwartet. 2019 kann die Sanierung starten, sagte Schwarz.

Skeptisch zeigte sich Bürgermeister Jörg Feldmann, denn es fehle noch mehr als die Hälfte der Summe. „Da ist noch etwas Luft.“ Optimismus versprühte indes MdL Schwarz: „Dass 2020 wieder was folgen muss, ist eine Frage der politischen Logik.“ Harzenetter bescheinigte: „An 30 000 Euro wird das Projekt nicht scheitern.“ 

Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab setzt auf Unterstützung der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz. Er erinnerte an eine geplante Sanierung vor zehn Jahren. „Eine statische Untersuchung hatte die Dringlichkeit der Mauerwerkssicherung bestätigt.“ Im April 2009 brach dann ein Felsbrocken aus dem Kalksteinplateau, auf dem die Ruine steht, und stoppte das Vorhaben.

Durch Geberkonferenz angestoßen

Der Besuch des Landesamts-Präsidenten für Denkmalpflege versprühte neuen Optimismus in Ober-Werbe. „Wir sind froh, dass es in dieser Richtung weiter geht“, hofft Ortsvorsteher Wilhelm Emden auf einen baldigen Start der längst überfälligen Sanierungsarbeiten. Er sicherte dafür auch Eigenmittel aus dem Etat des eigens gegründeten Fördervereins für den Erhalt des Wahrzeichens im Werbetal zu. 

Der Ortsbeirat hatte in den vergangenen Jahren immer wieder auf Handlungsbedarf an den Resten des Benediktinerklosters verwiesen. Mauern und Fensterstürze sind vom Zerfall bedroht und auch am Schornstein nagt der Zahn der Zeit. 

Nach der vom Ortsbeirat einberufenen Geberkonferenz im April 2017 kam Bewegung in die Diskussionen. Pläne wurden geschmiedet, um weitere Fördergelder anzuwerben und um das Kulturdenkmal touristisch aufzuwerten. In Vorbereitung ist ein Klosterrundgang von der Ruine zur Kirche mit Informationen über eine App für das Smartphone. „Die Dorfgemeinschaft steht geschlossen dahinter“, rief Gerhard Schaller (Sachsenhausen), der sich im Arbeitskreis Klosterruine engagiert, dem Präsidenten des Landesamts für Denkmalpflege zu.

Gegründet im 12. Jahrhundert als Mönchskloster

Auf dem Raukalkfelsen über dem Tal der Werbe wurde im 12. Jahrhundert ein Kloster errichtet, mutmaßlich gegründet in den Jahren 1124 bis 1126. Es war zunächst ein Mönchskloster. Aber die Mönche hielten sich nicht lange, und wurden schon ab dem Jahr 1207 durch Nonnen des Benediktinerordens ersetzt. 

Nach Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck 1525/1526 hob Graf Philipp IV. von Waldeck-Wildungen das Kloster 1537 auf, die Klosterinsassen und Ordensangehörige wurden abgefunden. 

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) begann ein allmählicher Verfall der Anlage, die meisten Klostergebäude wurden abgerissen oder Teile davon als Baumaterial im Dorf genutzt. Heute stehen noch einige Mauerreste und ein weithin sichtbarer Schornstein auf dem Felsen über dem Werbetal. 

Rubriklistenbild: © Conny Höhne

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