Waldecker Bucht

Illegale Motorradrennen am Edersee: Konzept hilft nicht - Anlieger fühlen sich im Stich gelassen

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„Häufig“: Das antwortet die Polizei auf die Frage, wie und wann Motorradfahrer an der Randstraße kontrolliert werden. Spuren manches spätabendlichen Treibens waren auf dem Asphalt im Sommer gut zu erkennen.

Der Lärm illegaler Motorradrennen an der Ederseerandstraße treibt Anlieger seit  Jahren um. 

  • Am Edersee in Nordhessen finden regelmäßig illegale Motorradrennen statt.
  • Anwohner sind von der Lärmbelastung genervt.
  • Ein Verkehrskonzept hat bisher keine Abhilfe geschafft.

Sämtliche Maßnahmen der Behörden hätten bislang kaum Entlastung gebracht, zogen Bewohner gegenüber unserer Zeitung enttäuscht Bilanz.

Im Sommer reisten regelmäßig Motorradfahrer teils von weither an, berichten Mitglieder des Vereins Aktives Waldeck am Edersee (AWE). Aufheulende Motoren ließen Gäste und Einheimische stets in den Abendstunden aufschrecken.

Rennen auf 1,2 Kilometern zwischen Parkplatz und Waldeck/West

Am Parkplatz Teufelsgraben, dem Dreh- und Angelpunkt, zieren Reifenspuren die Fahrbahn. Motorradfahrer donnern von dort nach Waldeck-West, drehen nach 1,2 Kilometern um und rasen wieder zurück. Das wiederhole sich zig Mal am Abend mit entsprechender Lärmkulisse in der Waldecker Bucht.

Parkplatz Teufelsgraben für Motorradfahrer gesperrt

Der gesamte Motorradtourismus leide unter dem Verhalten einiger weniger Raser sagt die AWE. Sie fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. Die Stadt Waldeck hat diesen Parkplatz inzwischen für Motorradfahrer gesperrt, deutete Bürgermeister Jürgen Vollbracht auf Maßnahmen der Stadt. Gelöst sei das Problem damit aber nicht, sagen Bewohner. Noch ist die Randstraße wegen der trockenen Buchen an den Steilhängen dicht. Aber wenn sie wieder frei ist, gingen die Rennen weiter.

Illegale Rennen am Edersee: Problematik mit  Behörden erörtert

„Das Problem ist in der Vergangenheit mehrfach mit den betroffenen Fachbehörden erörtert worden“, sagt Petra Frömel, Pressesprecherin beim Kreis Waldeck-Frankenberg. Ergebnis: Sperrung des Parkplatzes, Überholverbot und verstärkte Polizeikontrollen. „Die straßenverkehrsbehördlichen Maßnahmen sind dadurch ausgeschöpft.“ Insbesondere das Überholverbot aber auch die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 km/h müssten indes von Polizei und Ordnungsbehördenbezirk weiterhin engmaschig, auch abends und an Wochenenden kontrolliert werden.

Edersee: Umfangreiches Verkehrskonzept wurde 2016 entwickelt

Der Regionale Verkehrsdienst (RVD) der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg hatte in 2016 ein Verkehrskonzept entwickelt. Es sah unter anderem eine höhere Kontrolldichte vor, teilte der Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes, Volker König mit. 

Was nutzen Verbotsschilder ohne Kontrollen? Das ist die Frage, denn Motorradfahrer steuerten weiterhin den Parkplatz Teufelsgraben an.

Die Frage, wie häufig die Polizei zu dem kritischen Zeitpunkt zwischen 17 und 21 Uhr zwischen Parkplatz und Ortseingang präsent war, ließ er offen. „Dieser Bereich wird ebenfalls häufig kontrolliert.“

Tausende Fahrzeuge auf der Ederseerandstraße gemessen

Kontrollen – offen und in zivil – zu unregelmäßigen Zeiten verunsicherten „Raser“, und Beschwerden aus der Bevölkerung hätten abgenommen. Tausende von Fahrzeugen seien gemessen worden. Dabei sprachen die Beamten eine Vielzahl von Verwarnungen aus und leiteten Ordnungswidrigkeiten- und Strafverfahren ein. Auch Fahrverbote wegen Überschreitung der Geschwindigkeit wurden ausgesprochen, Motorräder sichergestellt.

König: „Die Polizei Waldeck-Frankenberg geht weiterhin konsequent gegen Raser vor und ahndet Verstöße im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.“ Der personelle und zeitliche Aufwand der Polizeistationen Bad Wildungen, Frankenberg, Korbach sowie des RVD sei hoch. Es wurden zahlreiche Aufklärungsgespräche geführt.

Polizei will auch künftig starke Präsenz am Edersee zeigen

Vorschläge wie Sperrung der Randstraße für motorisierte Zweiradfahrer, Sperrung des Parkplatzes, „durchgehende Leitlinien“ auf der Fahrbahn und Rüttelstreifen scheitern an rechtlichen oder verkehrssicherheitsrechtlichen Voraussetzungen, sagte der Polizeisprecher. Für Bürgermeister Vollbracht ist jedoch klar: „Wenn wir nicht gemeinsam dagegen vorgehen, erzielen wir keine Erfolge.“

Die Polizei will auch künftig „starke Präsenz am Edersee zeigen, Kontrollen durchführen und Ordnungswidrigkeiten und Straftaten konsequent verfolgen“, kündigt Volker König an. Der Großteil der Motorradfahrer verhalte sich aber gesetzeskonform. „Bei den Geschwindigkeitskontrollen stellten wir fest, dass die Mehrzahl der Verkehrsverstöße durch Pkw-Fahrer und nicht durch Zweiradfahrer begangen wurde.“

Strecke vorher gezielt abgesucht nach Polizeistreifen oder Radargeräten

Kontrollen zeigen, dass die „Motorradraser“ aus Waldeck-Frankenberg und angrenzenden Landkreisen kommen. Die Strecken werde vorher gezielt nach Polizeistreifen oder Geschwindigkeitsmessanlagen abgesucht.

 „Festgestellte Kontrollstellen werden unmittelbar über unterschiedliche Foren mitgeteilt“, informiert ein Polizeisprecher. Besonders problematisch seien die meist jungen Fahrer von Leichtkrafträdern (125 Kubikzentimeter), die durch riskante Fahrweisen auffielen und ihre Kurvengeschicklichkeit auf der Ederseerandstraße testeten.

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