Nach zwölf Jahren alle ungenutzten Häuser in den Händen neuer Eigentümer

Mit Erfolg gegen Leerstand: Sachsenhäuser Initiative holt sich Anregungen

Der Sprecher der Wanfrieder „Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser“, Jürgen Rödiger (links), und Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard (rechts) informierten die Besuchergruppe aus Sachsenhausen umfassend über die erfolgreiche Arbeit gegen den Leerstand. Foto: pr/D.Wetzestein

Sachsenhausen. Die Interessensgemeinschaft Aktives Sachsenhausen (IAS) will sich verstärkt dem Leerstand von Immobilien im Ort widmen. IAS-Mitglieder besuchten deshalb Wanfried im Werra-Meißner-Kreis und trafen eine Bürgergruppe, die sich für den Erhalt von Häusern engagiert.

Bürgermeister Wilhelm Gebhard hatte für die Gäste aus Sachsenhausen eine Präsentation vorbereitet. Im Anschluss zeigte Bürgergruppensprecher Jürgen Rödiger das Fachwerk-Musterhaus Wohnen und erläuterte, wie aus einer Leerstandsimmobilie ein Bauberatungszentrum für eine ganze Region werden kann.

Start vor zwölf Jahren

Wanfried begann vor zwölf Jahren, auf ehrenamtliche Vermittlung von Immobilien zu setzen. 63 Häuser fanden neue Eigentümer und Neubürger wurden integriert. Sie sanierten die Häuser und wohnen darin.

Der Tourismus belebt die Kleinstadt an der Werra. Neue Vereine gründeten sich, die aktives Stadtmarketing betreiben. „Wir haben unser Modell auf der Denkmalmesse in Leipzig vorgestellt, waren auf der Auswanderungsmesse in Houten in den Niederlanden“, erläuterte Gebhard. Zudem wurde in Wanfried das BürgerWerk der Fachwerkstädte gegründet, ein Netzwerk von Initiativen aus ganz Deutschland. Der Bürgermeister gründete nach eigener Aussage den Gewerbeverein mit, als er sein Amt antrat. Das war vor elf Jahren und Gebhard kandidierte damals aus der Bürgergruppe heraus, die etwas gegen den Niedergang der Stadt unternehmen wollte. Über einen öffentlichen Aufruf gelangte er an mehr als 700 Adressen ehemaliger Wanfrieder, die er zweimal im Jahr anschreibe und über die Stadt und ihre Entwicklung informiere. „Viele von ihnen haben ihre Heimatstadt wiederentdeckt, ob als Besucher oder als Rückkehrer“, berichtet der Bürgermeister.

Aus der Not eine Tugend

Gebhard und Rödiger erläuterten, wie Wanfried aus der Not eine Tugend machte und man der schlechten Prognose der demografischen Entwicklung im Werra-Meißner-Kreis aktiv etwas entgegensetzte. Das ortsnahe Handwerk habe enorm von der Entwicklung profitiert, in einer Zeit, als die Auftragslage noch nicht so gut gewesen sei wie heute.

„Zudem stiegen die Gewerbesteuereinnahmen und die Einnahmen aus Wasser- und Abwassergebühren, genauso, wie die Übernachtungszahlen“, zählte Gebhard auf.

Die Zahl der Einwohner habe sich entgegen der damaligen Demografie-Prognosen stabilisiert.

Seit Jahren reisen Initiativen aus ganz Deutschland nach Wanfried, um sich vor Ort darüber zu informieren, wie Wanfried leer stehende Häuser so erfolgreich wieder mit Leben gefüllt hat. Die Besuchergruppe aus Waldeck nahm zahlreiche Ideen und Anregungen mit auf den Nachhauseweg. Die IAS wolle auf jeden Fall den Kontakt nach Wanfried halten, kündigt deren Vorsitzender Helmut Best an.

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