Lesung mit Dr. Jürgen Neffe, Autor der Darwin-Biografie

Korbacher Schüler  in der Waldecker Burg: Im Kopf auf Reisen mit Charles Darwin

Jürgen Neffe (links) mit Interviewer Max Henning. Foto: su

Waldeck/Korbach. Zu einer Zeitreise der besonderen Art lud eine Lesung in der Waldecker Burg ein.

„Das Zusammenspiel von Zufall und Notwendigkeit treibt die Evolution an“, sagt Dr. Jürgen Neffe. Das Zusammenspiel von Zufall und Notwendigkeit präge auch das Reisen, fügt der Autor der international renommierten Charles-Darwin-Biografie von 2009 hinzu.

Rund 130 Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zwölf der Alten Landesschule Korbach hören zu. Sie sind an diesem Vormittag auf Schloss Waldeck eingeladen zu Lesung und Gespräch.

Zufall und Notwendigkeit. Die Evolution und das Reisen. All das ist eng verbunden. Charles Darwin entdeckte die zentralen Prinzipien seiner Evolutionstheorie auf seiner Forschungsreise über die Südhalbkugel zwischen 1831 und 1836.

Von Erdenscheibe zu Globus

Von Patagonien bis Australien – mit den Galapagos-Inseln als Brennglas seiner Erkenntnisse – beobachtete, zeichnete, und beschrieb der Brite mit Anfang 20 akribisch Tier- und Pflanzenwelt, um daraus seine Schlüsse zu ziehen. Bedeutend wie die eines Johannes Kepler, der gedanklich die Erdenscheibe zum Globus formte, meint Jürgen Neffe.

Neffe reiste rund 225 Jahre später für sein Buch Charles Darwin über sieben Monate hinterher. Indem er mit eigenen Augen sah, was Darwin sah, „verstand ich, wie sich seine Gedankenwelt, seine Evolutionstheorie aufbaute“, erklärt Neffe seinem jugendlichen Publikum.

Notwendigkeit und Zufall: Alle Lebewesen müssen sich anpassen, um zu überleben. Ob die Fähigkeiten aus ihrem Erbgut für den Erfolg ausreichen, darüber entscheidet der Zufall maßgeblich mit: Der Zufall von Vorteil bringenden Mutationen (Veränderungen) bei der Weitergabe des Erbgutes von Eltern an Kinder.

Oder der Zufall, der einen Steinbrocken aus dem All vor 60 Millionen Jahren so vor Yucatan einschlagen lässt, dass die Folgen den Sauriern den Garaus machen. In einer Welt, die ihrer bisherigen Lebensgrundlagen beraubt ist, haben sehr kleine Säugetiere mit kleinem Appetit und geringem Energiebedarf plötzlich einen gewaltigen Überlebensvorteil. Sie entwickeln, wie zuvor die Saurier, nach den Gesetzen der Evolution eine beherrschende Artenvielfalt, die nicht zuletzt den Menschen einschließt.

Notwendigkeit und Zufall. Wer wie Jürgen Neffe reist, um für ein Buch zu recherchieren, plant besser akribisch für den Erfolg. „Die langen Vorbereitungen, das Buchen von Quartieren und das Finden von Experten für Gespräche waren die Hölle“, erzählt er. Doch viele große Zufälle prägten später die Reise und so das Buch wesentlich mit. Wie der Zufall, dass Neffe auf Patagonien die letzte Überlebende jenes Ureinwohner-Volkes traf, das Darwin in seinen Reiseaufzeichnungen eingehend beschreibt.

Weitere Berichte zum Thema lesen Sie in der gedruckten WLZ am 28. Arpil. 

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