Gegner mobilisieren am Sonntag rund 400 Teilnehmer

Menschenkette über Eder-Sperrmauer als Protest gegen Waldecker Hähnchen-Mastanlage

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Rund 400 Menschen protestierten mittels einer Menschenkette und einer Abschlusskundgebung gegen die Hähnchenmast-Pläne oberhalb von Waldeck.

Waldeck/Edertal. Protest gegen Hähnchenmastanlage in Waldeck: Rund 400 Menschen bildeten am frühen Sonntagnachmittag eine lebende Kette über die Krone der Eder-Sperrmauer. 

Damit protestierten sie gegen die Pläne eines Waldecker Landwirtschaftsbetriebes, in der Nähe des Waldecker Golfplatzes eine Mastanlage für 78.000 Hähnchen zu bauen.

Zur Menschenkette aufgerufen hatten die Bürgerinitiative „Pro Waldeck“ und die „Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen“ (AGA), ein Dachverband mehrerer Organisationen und Initiativen, die sich gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft wenden, darunter auch Greenpeace. Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Korbach“ folgte mit einer größeren Gruppe dem Aufruf. Der NABU war ebenso vertreten wie die Grünen, die sich allerdings mit Reden zurückhielten, denn die Veranstalter legten im Vorfeld des Landtagswahlkampfes Wert auf parteipolitische Neutralität.

Überschaubar blieb laut Beobachtern die Zahl der Teilnehmer aus Waldeck. Der Streit um die Anlage entzweit den Ortsteil. Viele Waldecker sind strikt gegen die Pläne und sehen den Status als Luftkurort in Gefahr. Andere akzeptieren den Bau, wenn die Auflagen eingehalten sind. Viele andere teilen die Kritik an den Hähnchenmastplänen in der Sache. 

Sie identifizieren sich aber nicht mit der scharfen Wortwahl, in der Gegner teils die Familie angehen, der der Hof gehört. Eine gleichermaßen scharfe Sprache auf der anderen Seite spricht eine Aktion, bei der ein Protestplakat auf Privatboden zerstört wurde. Die Bürgerinitiative „Pro Waldeck“ selbst legt großen Wert auf eine sachliche Auseinandersetzung. „Wir gehen die Familie nicht persönlich an“, sagt Iris Vent und trage die Diskussion beispielsweise nicht in soziale Netzwerke.

Genehmigungsverfahren läuft - Einwendungen können noch eingereicht werden

Beim Regierungspräsidium (RP) Kassel läuft aktuell das Genehmigungsverfahren zur Mastanlage. Die Initiatoren der Protestkundgebung sammelten auf der Mauer Unterschriften gegen das Projekt. Bis einschließlich Freitag, 7. September, können Einwendungen gegen die Pläne noch beim RP eingereicht werden. In einer öffentlichen Sitzung am Donnerstag, 18. Oktober, im Kasseler Regierungspräsidium erörtern die zuständigen RP-Sachbearbeiter alle geltend gemachten Einwände.

Der Stadtverordnete Klaus Stützle aus Bad Wildungen schilderte vor dem Hintergrund einer ähnlichen Anlage bei Odershausen das Grundproblem aus der Sicht der Gegner: das im Baugesetzbuch verankerte „Privilegierte Bauen“. Es erleichtert Landwirten außerhalb von Bebauungsplänen Baugenehmigungen für Vorhaben, die der Existenzsicherung des Betriebes dienen.

Über dieses Einfalltor gestalte die Landwirtschafts- und Nahrungsmittelindustrie die Landschaft um. Denn Grundlage für das Errichten etwa von Mastanlagen seien in der Regel Verträge der Industrie mit den Bauern. Kommunen hätten keine Handhabe zum wirksamen Eingreifen mehr, wenn sie von einem Bauantrag für eine so große Anlage erführen. Die AGA betrachtet für Nordhessen den Gudensberger Schlachtbetrieb des holländischen Fleischkonzerns „Plukon“ als eine treibende Kraft der Entwicklung.

Demo gegen Hähnchenmastanlage in Waldeck

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