Podiumsdiskussion beim "Tag des offenen Klassenzimmers"

Die Mittelpunktschule Sachenhausen zwischen Historie und Heute

Gemeinsame Erinnerungen an die Mittelpunktschule Sachsenhauen früherer Tage (von links): Jens Dreier, Dagma Kuncke, Eckhard Kupke, Edelgard Wagener, Herwig Erbroth und Manfred Kuhl. Foto: Schüttler

Sachsenhausen – „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt und viele schöne Erlebnisse gehabt“, blickte die ehemalige Lehrerin Dagma Kuncke bei einer Podiumsdiskussion im Musikraum der Mittelpunktschule zurück.

Anlass war der „Tag des offenen Klassenzimmers“ zum 50-jährigen Bestehen der Schule.

Neben Kuncke, die 1971 an die MPS kam und mehr als 40 Jahre dort unterrichtete, nahmen an der von Eckhard Kupke moderierten Runde die ehemaligen Lehrer Herwig Erbroth und Manfred Kuhl sowie die früheren Schüler Edelgard Wagener und Jens Dreier teil. Sie engagiert sich heute im Förderverein, er ist beim beim Staatlichen Schulamt in Frankfurt am Main beschäftigt.

Vor- und Frühgeschichte

An die Vorgeschichte und Anfänge der MPS erinnerten sich Erbroth und Kuhl gut. Beide fingen 1965 als Lehrer in Sachsenhausen an. Damals lag die Trägerschaft für die Schulen bei den Gemeinden. Herwig Erbroth, der zehn Jahre zuvor in Schweinsbühl seine erste Lehrerstelle angetreten hatte, erinnert sich, dass er nach seiner Versetzung vom Sachsenhäuser Bürgermeister Viereck gebeten wurde, das Protokoll des Schulverbands zu führen. Vor dem Bau der MPS begab sich der Sachsenhäuser Schulverband auf eine Informationsreise nach Marl, um den dortigen Schulbau zu besichtigen.

Manfred Kuhl, der in Frankfurt am Main studiert hatte, erinnert sich, dass die Stellen in Nordhessen bei den Junglehrern aus dem Süden damals „nicht so begehrt“ waren.

In seiner Anfangszeit unterrichtete er 40 Schüler aus zwei Jahrgängen. Als Lehrer für Sport, Erdkunde und Mathematik wirkte Kuhl am Aufbau und der Einrichtung der Turnhalle mit: „Das war mein Hauptaugenmerk..“

Technik und Respekt

Auf die Frage einer Schülerin nach dem Ablauf eines Unterrichts ohne Power-Point-Präsentationen erinnerte sich Dagma Kuncke: „Das war viel mühevoller als heute. Wir haben viel Collagen aus Zeitungsausschnitten erstellt.“ Allerdings sei damals auch viel mehr auswendig gelernt worden und der Respekt vor dem Lehrer größer gewesen.

„Wir hatten eine sehr gute Klassengemeinschaft und ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Klassenlehrer Herrn Erbroth, zu dem wir immer kommen konnten“, erzählte eine ehemalige Schülerin.

Das bekräftigte auch Dagma Kuncke, die ein Geschenk präsentierte, dass sie von einer Abschlussklasse überreicht bekam.

Pünktlichkeit und Sport

Einen offenen Unterricht gab es nicht, die Schulstunden begannen um acht Uhr. Kuncke: „Pünktlichkeit ist eine Tugend, die man lernen muss. Manche Schüler hatten ja immer gute Ausreden.“ Auf seiner ersten Schulstelle in Schweinsbühl unterrichtete Herwig Erbroth 25 Schüler aus allen Jahrgängen: „Ich musste sehen, wie ich mit den unterschiedlichen Lernfortschritten zureicht kam.“ Damals war für die Lehrer eine „strenge Kleiderordnung noch gang und gäbe“, erinnerte er sich.

Für den heutigen Unterricht hält Manfred Kuhl eine zusätzliche dritte Sportstunde für notwendig: „Die Schüler bewegen sich zu wenig.“ Edelgard Wagener wünscht sich eine intensivere Zusammenarbeit von Lehrern, Eltern und Schülern, während sich Dagma Kuncke für eine Stärkung der Rolle des Lehrers ausspricht:

„Es werden Reformen angeordnet ohne die räumlichen und personellen Voraussetzungen.“ js

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare