Wer möchte künftig auf Klein-Berich aufpassen?

Modell eines Edersee-Atlantis-Dorfes sucht eine neue Heimat

Berich vor dem Anstau des Edersees aus: Helge Franz am Modell des Dorfs, das sein Vater Kurt unter Mitwirkung der Familienmitglieder maßstabsgetreu angefertigt hatte. Foto: Conny Höhne

Waldeck – Die Klosterkirche dominiert das Miniaturmodell des versunkenen Dorfs Berich. Gehöfte, ein Schäferhaus, der alte Friedhof, Wiesen und ein reicher Obstbaumbestand lassen erahnen, wie sich das Leben vor dem Anstau des Edersees abspielte.

Kurt Franz hatte vor 30 Jahren die Idee, Berich im Modell nachzubauen, und setzte sie mit Hilfe der Familie um. Lange stand das fertige Modell im eigenen Haus – jetzt wird ein neuer Standort gesucht.

Kurt Franz stammte aus Wildungen und heiratete die Waldeckerin Gisela Deichmann. Von der Kurstadt zog die Familie später nach Waldeck. Die Geschichte Alt-Berichs faszinierte Franz.

Gründliche Vorarbeiten waren nötig, um das alte Dorf zu rekonstruieren. Alte Zeichnungen und Grundrisse dienten als Vorlage. „Die Topografie wurde exakt nachgebildet“, berichtet Helge Franz. Von noch lebenden Zeitzeugen und aus überlieferten Erzählungen erfuhr die Familie damals Details von Gebäuden und Umfeld. „Wir sind damals durch den ganzen Kreis gefahren. Mein Bruder und ich haben viele Fotos und Gemälde abfotografiert“, berichtet der Waldecker. All diese Puzzlestücke fügten sich zusammen zu einem Miniaturmodell im Maßstab 1:200.

Es ist das Bild eines idyllisch gelegenen Dorfs. auf einem Plateau an der Ratzeburg. Bekannt war Berich in der Region für seinen reichen Obstbaumbestand, weiß Franz. „In der gesamten Gemarkung gab es über 2500 Obstbäume.“ In der vor kalten Nord- und Ostwinden geschützten Lage waren die Birnen besonders süß.

Für die Dekoration des Dorf-Modells mit Obstbäumen, Weidevieh, Sträuchern und Dorfstraßen war Mutter Gisela Franz seinerzeit zuständig. Die Häuser wurden aus Sperrholz gebaut und aufgesteckt, Fassaden und Dächer aus Pappe wurden darauf geklebt. Mehrere Jahre akribische Kleinarbeit steckt in dem Modell. Beim 100-jährigen Dorfjubiläum von Neu-Berich und dem dem Talsperren-Jubiläum wurde „Klein-Berich“ ausgestellt und mit großem Interesse betrachtet.

Vieles weiß Franz aus alten Zeiten zu berichten, einige Anekdoten und Überlieferungen hat er unter dem Titel „Waldecker Geschichten in einer kleinen Buchreihe herausgegeben. Sein Herzenswunsch ist es jedoch, einen geeigneten Standort für das etwa 160 mal 80 Zentimeter große Modell zu finden. Es sollte in der Nähe des Edersees aufgestellt und öffentlich zugänglich sein. „Und es muss vor Sonnenlicht geschützt werden.“

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