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Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land wächst weiter

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Von: Cornelia Höhne

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Gesundheitszentren für sechs Millionen Euro: Ralf Wittwer, ärztlicher Leiter der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land, plant Neubauten in Sachsenhausen, Jesberg und Wolfhagen.
Gesundheitszentren für sechs Millionen Euro: Ralf Wittwer, ärztlicher Leiter der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land, plant Neubauten in Sachsenhausen, Jesberg und Wolfhagen. © Cornelia Höhne

Weil ein Landarzt am Ende seiner Berufslaufbahn keinen Nachfolger fand, wurde in 2014 die Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land gegründet. Heute ist sie nach Angaben des ärztlichen Leiters Ralf Wittwer die größte in Hessen.

Waldeck – An neun Standorten in drei Kreisen sichere sie die hausärztliche Versorgung. Weitere Praxen sollen noch dazu kommen, Anfragen liegen vor.

Das Interesse junger Berufsanfänger an einer Einzelpraxis auf dem Land sei gering: Viele Überstunden, Einsatz oft nach Feierabend und an Wochenenden, dazu das Risiko eines eigenen Praxisbetriebs – das schrecke ab.

Kein Ärztemangel, aber Personal für Praxisbetrieb ist rar

In der Praxisgemeinschaft dagegen seien Jobs begehrt. Geregelte Arbeitszeiten, keine Nacht- oder Sonntagsdienste und ein festes Gehalt überzeugten. Ärztemangel gebe es nicht, sagt Wittwer. 16 der knapp 80 Mitarbeiter seien Ärzte.

Händeringend gesucht werde dagegen Personal für den Praxisbetrieb. Vor allem Medizinische Fachangestellte (MFA) seien rar. Für Verwaltungsarbeiten an der Rezeption seien ehemalige Hotel-Beschäftigte eingearbeitet worden.

Trotzdem sei das Netzwerk gut aufgestellt. „Wir haben Man-Power und Logistik.“ Als eine der ersten Praxen habe man nach Ausbruch der Pandemie Coronatests angeboten und später Mini-Impfzentren in Sachsenhausen und Jesberg betrieben. Die hohen Impfzahlen hätten die Kassenärztliche Vereinigung beeindruckt. „Wir waren unter den Top 5 in Deutschland.“

Spezialisten im Team

Für Patienten im ländlichen Raum biete das Modell viele Vorteile. Die Versorgung werde wohnortnah gesichert, von 7 bis 19 Uhr stünden verlässlich Ansprechpartner zur Verfügung. Wenn gerade nicht die nächst gelegene Praxis offen habe, dann sei der Weg an einen anderen Verbund-Standort nicht weit. Alle Praxen sind vernetzt, Patientenakten einsehbar.

Spezialisten im Ärzte-Team könnten bei besonderen Problemen oft gezielter helfen. In der Gemeinschaft arbeiteten Mediziner mit Ausbildung beispielsweise in Kardiologie, Gynäkologie, Orthopädie. Er selbst habe eine kinderärztliche Ausbildung, sagt Wittwer. Von dem Fachwissen im Kollegenkreis profitierten viele der rund 14 000 Patienten im Quartal.

Projekt Gesundheit: Auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule in Sachsenhausen ist ein Gesundheitszentrum für rund zwei Millionen Euro geplant.
Projekt Gesundheit: Auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule in Sachsenhausen ist ein Gesundheitszentrum für rund zwei Millionen Euro geplant. © Cornelia Höhne

Da Praxen oft nicht mehr dem heutigen Standard entsprächen und Parkplätze fehlten, wird in Kürze kräftig investiert. In allen drei Regionen des Verbunds sollen Gesundheitszentren entstehen. Unter dem Titel „Projekt Gesundheit“ werden Hausarztpraxis und andere Dienstleister wie Apotheke, Sanitätshaus und Physiotherapie unter einem Dach angesiedelt. Kosten: insgesamt mehr als sechs Millionen Euro.

Neubau auf Gelände der ehemaligen Grundschule in Sachsenhausen

Eines dieser Zentren ist auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule in Sachsenhausen geplant. Die Pläne für einen Neubau auf dem 6000 Quadratmeter großen Areal liegen bereits vor.

In Jesberg und Wolfhagen werde ebenfalls gebaut, auch wenn den Investoren in der Kreisstadt zunächst der Wind ins Gesicht blies. Die Gemeinschaftspraxis biete Vorteile für Patienten und Beschäftigte, gleichzeitig treibe Hausärzte in der Region die Sorge vor der Konkurrenz durch den starken Verbund um.

Der Trend zu Zusammenschlüssen setze sich fort, davon ist Ralf Wittwer überzeugt. „Die Wirtschaft macht es uns vor.“ Berufskollegen anderer Fachrichtungen wie Kardiologen oder Urologen hätten schon früh umgesetzt, was bei Hausärzten lange undenkbar schien.

Eigene Erfahrungen als Landarzt ausschlaggebend

Den Anstoß für das heutige Modell gaben Wittwers eigene Erfahrungen in einer Einzelpraxis in Bad Karlshafen. „Hausarzt – Landarzt heißt: Sieben Tage in der Woche permanent für Patienten da sein.“ Seine erste Ehe sei daran zerbrochen. 2003 wurde Wittwer Arzt in Sachsenhausen, heiratete 2005 eine Berufskollegin. 2007 wurde eine Tochter geboren – sein fünftes Kind. Das Arzt-Ehepaar Sigrid und Ralf Wittwer suchte während der Elternzeit für die eigene Praxis Verstärkung und übernahm später in Wolfhagen eine Praxis, wo es einen Engpass gab.

Das neue Modell sprach sich herum bei älteren Landärzten und jungen Berufsanfängern. Das Ehepaar Wittwer und der ehemalige Wolfhagener Arzt Dr. Dralle gründeten eine Berufsausübungsgemeinschaft als Medizinisches Versorgungszentrum mit einer GmbH als Trägerin.

Arztpraxen an neun Standorten in drei Regionen

Die Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land hat in Waldeck-Frankenberg, Wolfhagen und Schwalm-Eder Praxen an neun Standorten in drei Regionen:

Waldeck-Edersee: Sachsenhausen (Hauptsitz), Waldeck (ehemals Praxis Hain) mit Hemfurth und Affoldern sowie Bad Wildungen (Praxis Dr. Klug). In 2022 soll in Bad Wildungen die Praxis Dr. Becker dazu kommen.

Wolfhagen: Standorte in Wolfhagen, Naumburg und Bad Emstal.

Kellerwald: Jesberg, Neuental, Bad Zwesten. (Cornelia Höhne)

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