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Außergewöhnlich: Waldecker Bergbahn schreibt Seilbahn-Geschichte

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Von: Cornelia Höhne

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Startklar zum Schlossberg: Betreiber Jürgen Rischard (links) und der stellvertretende Betriebsleiter Raimund Fingerhut bringen die Zweierkabinen der Waldecker Bergbahn mit Fahrgästen auf den Weg.
Startklar zum Schlossberg: Betreiber Jürgen Rischard (links) und der stellvertretende Betriebsleiter Raimund Fingerhut bringen die Zweierkabinen der Waldecker Bergbahn mit Fahrgästen auf den Weg. © Cornelia Höhne

Die 61 Jahre alte Waldecker Bergbahn ist eine der außergewöhnlichsten Seilbahnen, schreibt die Internationale Seilbahn-Rundschau in einer aktuellen Ausgabe.

Waldeck – Ein Hauch Nostalgie schwingt mit, wenn die charmanten Zweier-Kabinen von der Talstation am Edersee hinauf auf den Schlossberg „schweben“.

Monteure in 1960 vom Zuckerhut an den Edersee

1958 als Aprilscherz gehandelt, wurde die Bahn 1961 dank der Initiative des Immobilienkaufmanns Achim Wickmann aus Kassel tatsächlich Wirklichkeit. Für 1,3 Millionen Deutsche Mark wurde die Bergbahn gebaut. Die 650 Meter lange Kleinkabinenbahn mit Zweierkabinen überwindet einen Höhenunterschied von 100 Metern und kann bis zu 360 Personen pro Stunde in einer Richtung befördern.

Die Bahn erleichtert den beschwerlichen Aufstieg zum Schlossberg. Es ist die letzte Anlage der traditionsreichen deutschen Seilbahnbaufirma Pohlig aus Köln, bevor es zur Fusion dreier deutschen Seilbahnhersteller gekommen ist. Die Monteure überholten 1960 die Pendelbahn in Rio de Janeiro und kamen direkt von Brasiliens Zuckerhut zum Bau an den Edersee.

28 Kabinen für Personen und zwei für Fahrräder

Neben der Westfalenpark-Seilbahn in Dortmund ist die Waldecker Bergbahn laut Bericht der Internationalen Seilbahn-Rundschau heute die letzte erhaltene Kabinenbahn von Pohlig mit Giovanola-Klemmen. „Sie ist damit heute nach sechs Jahrzehnten Betrieb nicht nur eine Nostalgiebahn, sondern ein ganz besonderes Stück deutscher Seilbahngeschichte.“ In den 1980-er Jahren war diese Klemme weltweit die am weitesten verbreitete Kuppelklemme an Seilbahnen.

Bei der Waldecker Bahn sind 28 Personenkabinen und zwei Transportkabinen für Fahrräder im Einsatz. Etwa 100 000 Gäste werden laut Betreiber Jürgen Rischard pro Jahr befördert. Als eine der wenigen deutschen Seilbahnen wird sie rein privat betrieben. „Noch nie sind öffentliche Zuschüsse in diese Bahn geflossen,“ sagt Rischard, der die Bahn vor 45 Jahren von seinem Vater übernahm.

Saisonabschluss am 1. November

Über 60 Jahre sei sie unfallfrei und zuverlässig gelaufen, sagt der Waldecker. Fahrgäste lieben den Charme der alten Bahn, an der vieles im Handbetrieb erledigt wird, wie beispielsweise die Verschiebung der Kabinen in den Stationen oder das Öffnen und Schließen der Kabinentüren. Drei Vollzeitbeschäftigte kümmern sich darum, dass alles reibungslos läuft.

Am 1. November 2022 ist die Bergbahn in dieser Saison zum letzten Mal in Betrieb, dann stehen die Wartungsarbeiten an, bevor es im Frühjahr weiter geht mit der nächsten 210 Tage dauernden Saison. Obwohl gerade erst das Regierungspräsidium die Betriebsgenehmigung für zehn Jahre verlängert hat, bewegt den Seilbahn-Betreiber die Zukunft der Bahn. Sie müsste dringend modernisiert werden.

Diese Investitionen will der 79 Jahre alte Betreiber nicht mehr allein schultern. Er strebt eine neue Beteiligungs- und Betriebsform an, die finanziellen Aufwand und Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt und die Waldecker Bergbahn für die Zukunft aufstellt. Der Bau einer neuen Seilbahn am Edersee durch eine Investorengruppe wurde gerade erst heiß diskutiert. Ein solches Projekt wäre aber nur bei einem Abbau der alten Bahn genehmigungsfähig. (Cornelia Höhne)

Kabine der  Seilbahn auf dem Weg zur Bergstation in Waldeck.
Auf dem Weg zur Bergstation. © Cornelia Höhne

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