350 Jahre alte Tradition:

Sachsenhäuser Freischießenjahr mit Böllersalut eröffnet

+
Das Freischießenjahr mit Böllern begonnen: die Sachsenhäuser S chützengesellschaft und „der Rat der Stadt“.

Lautstark mit Böllerschüssen haben Stadtknechte und Kanoniere am Neujahrsmorgen das Freischießenjahr vor dem Sachsenhäuser Schützenhaus eröffnet.

Sachsenhausen – Bereits 1751 und 1752 war es laut historischen Dokumenten üblich, das neue Jahr auf diese Art zu begrüßen. Dazu gab es interessante historische Anekdoten aus der mehr als 400-jährigen Schützentradition. Waldecks Bürgermeister Jürgen Vollbracht überbrachte Grüße und die besten Wünsche zum Gelingen des Freischießens vom 4. bis 6. Juli.

In einem lustigen, von Martin Merhof verfassten Sketch, dessen Darsteller in historischen Kostümen auftraten, informierte „Herold“ Adolf Hanickel über eine Sitzung des Stadtrates, in der über die Abhaltung des Freischießens entschieden werden sollte. In dem Lustspiel wurde auf die spannende Geschichte der Schützengesellschaft zurückgeblickt, wobei bisher das Jahr 1592 als Gründungsjahr angenommen wurde. Damals gab die Stadt den Schützen „fünf Ellen Parchen zum Besten und auch acht Viertel Bieres verehret“. Neue Forschungen belegen inzwischen jedoch, dass die Schützentradition in Sachsenhausen weit älter ist.

Als „Stadtschreiber“ Merhof ausführte, dass 1714 in Ermangelung an Bier kein Freischießen gehalten wurde, wollte man vom Vorsitzenden der Schützengesellschaft wissen, wie dies für 2020 aussehe. Harald Schäfer erklärte, dass bei dem jetzigen Festwirt Zembellini aus Vöhl „trotz er aus der Herrschaft Itter kommet, bekannt für reichlich gute Bewirtung“ und ein „Ausfall aus Mangel an Bier somit auszuschließen“ sei.

Stolz stellten das Schützenkönigspaar Udo und Bianca Göckel das neue Kleinod und die Umarbeitung der Schützenkette vor. Auch die früheren Schützenkönige beteiligten sich an den Herstellungskosten. Das Kleinod hat in Sachsenhausen eine lange Geschichte. 1652 wurde ein neues gestiftet, wobei 16 Männer mit Geld- und Silberspenden zum Kauf beitrugen. 1675 bestand es aus 15 Einzelstücken. Als 1711 Daniel Hebeler Schützenkönig wurde, stiftete dieser nichts und zog fort. Nachdem 1810 das Kleinod aus dem Rathaus gestohlen wurde, fand sich ein Spender für ein neues Stück. Heute liegt es sicher im Banktresor. Am Ende der Aufführung gab Richter Friedrich Karl Knüppel bekannt: „Lasst den König für drei Tage mal regieren, die Monarchie soll er ausprobieren, bis er am Montag nach dem Königsschuss, Ehre und Macht wieder abgeben muss.“ Nach weiteren Böllerschüssen wurde noch lange gemütlich gefeiert. -sj-

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare