Pläne des Konzerns K+S für eine Salzpipeline an die Oberweser beschäftigen das Regierungspräsidium:

Sorgenvolle Blicke in die Zukunft: Kali, Salz und das Wasser aus der Edertalsperre

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Trocken gefallen: Bei Bad Karlshafen tauchen die „Hungersteine“ aus der Weser auf.

Edersee/Oberweser. Das Raumordnungsverfahren für die von K+S geplante Salzpipeline an die Oberweser geht weiter.

Das Regierungspräsidium (RP) Kassel hat dem Kasseler Düngemittelkonzern aufgegeben, bis Ende September weitere Unterlagen vorzulegen. Für die Kreistagsfraktion der SPD im Landkreis Kassel hat sich damit das Thema Salzeinleitung in die Oberweser erledigt. K+S werde es zeitlich nicht schaffen, die Genehmigung für das Projekt zu erhalten und bis zum Jahr 2021 zu bauen. Dann läuft im osthessischen Kalirevier die Versenkerlaubnis für Abwässer aus Kaliproduktion aus.

Wie RP-Sprecher Harald Merz auf Nachfrage bestätigte, müsse K+S unter anderem den Flächenbedarf für das geplante Speicherbecken in Flussnähe konkretisieren „und Größe und Modellierung von Becken und Gelände im Detail darstellen“. Des Weiteren muss das Unternehmen sich intensiver mit einer Einleitung der Salzabwässer bei Würgassen und Beverungen als Alternative zum Raum Gieselwerder/Lippoldsberg befassen. Die Geologie an den Weserhängen sowie Havariefälle sieht die Raumordnungsbehörde nach wie vor als noch nicht umfassend bearbeitet an. Auch ein möglicher Transport der Salzlauge per Bahn an die Weser müsse weiter geprüft werden, sagt Merz.

Die „Hausaufgaben“, die die Behörde dem Unternehmen nun aufgebe, seien „schon erheblich“, meint Ulrike Gottschalck von der SPD-Fraktion im Kreistag Kassel-Land. Sie empfiehlt K+S, „sich auf andere technische Maßnahmen der Abfallreduzierung zu konzentrieren.“ Die Arbeitsplätze im Kalibergbau hätten auch für die SPD hohen Stellenwert, „aber nicht um den Preis touristischer Arbeitsplätze an der Weser“. Im Landreis Kassel registriert man derweil aufmerksam die Diskussion und den wachsenden Widerstand in der Ederseeregion gegen die Wasserabgaben aus der Talsperre für die Weser.

Doch wie wird sich erst die Situation darstellen, wenn das Talsperrenwasser nicht mehr nur für die Weserschifffahrt, sondern auch für die Salzlauge aus dem Kalirevier vorgehalten werden muss? „Das ist eine Frage, mit der man sich angesichts des Dürresommers 2018 befassen muss“, sagt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreises Kassel. Er weist darauf hin, dass bei Realisierung der umstrittenen Salzpipeline aus dem osthessischen Kalirevier an die Oberweser dort immer ein ausreichender Wasserstand herrschen müsse. Bei Niedrigwasser könnten aus dem zu bauenden Speicherbecken keine salzhaltigen Abwässer in die Weser abgegeben werden.

Er sei gespannt auf die Diskussion, wenn es am Edersee eines Tage heißen müsse: „Unser Wasser muss auch die Abwasserentsorgung der Kaliindustrie sicherstellen.“ Das wäre neben der Aufgabe, für die Schiffbarkeit der Weser zu sorgen dann eine weitere Funktion der Talsperre. Aktuell brächte ein Verdünnen des Weserwassers dem Konzern nichts, da die Messstelle zur Überwachung seiner Einleitungen in der Werra liegt, der das Ederwasser nicht zufließt. (geh)

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