Angeklagter macht erstmals Angaben

Verfahren vor Kasseler Landgericht wegen versuchten Mordes bei   Brandstiftung in Netze

Kassel/Waldeck - Im Verfahren vor dem Kasseler Landgericht wegen versuchten Mordes bei einer Brandstiftung im Waldecker Stadtteil Netze hat der 30-jährige Angeklagte erstmals zu den Vorwürfen ausgesagt.

Dabei schilderte er das Geschehen anders, als er noch Anfang Mai 2018 vor der Korbacher Kriminalpolizei ausgesagt hatte. Dort hatte er eingeräumt, in der an das Wohnhaus seiner ehemaligen Freundin angrenzenden Scheune einen Haufen aus Stroh und Papier mit dem Feuerzeug angesteckt zu haben.

Nun sagte er aus, er habe seine Zigarette auf den Steinboden der Scheune geschnippt, nachdem er zuvor zwei Reifen am Auto der 28-Jährigen zerstochen hatte. Dann sei er zu einer Freundin nach Waldeck gefahren.

Erst aus deren Wohnzimmer habe er den Feuerschein über Netze bemerkt und gesehen, dass das gesamte Anwesen, in dem sich die Frau und ihre beiden kleinen Kinder aufhielten, in voller Ausdehnung brannte.

Er habe noch hinfahren und helfen wollen, jedoch sei er wegen zuvor eingenommener Beruhigungsmittel nicht mehr fahrtüchtig gewesen und habe sich deshalb schlafen gelegt.

Die ehemalige Freundin hatte das Feuer bemerkt und sich und die Kinder in letzter

Minute retten können. Beide Gebäude brannten komplett aus, es entstand ein Schaden von rund 800 000 Euro.

Der gebürtige Frankenberger berichtete, wie er am 3. Mai zu seinen Feuerwehrkameraden nach Göttingen gefahren sei. Dort habe er bis 23 Uhr Bier und „sechs, sieben, acht Schnäpse“ getrunken und sei dann nach Waldeck gefahren. Wegen der wachsenden Wut auf die Frau, die sich kurz zuvor von ihm getrennt hatte, sei er nach Netze gefahren.

„Ich weiß, was hätte passieren können. Das ist nicht wieder gut zu machen“, sagte er und entschuldigte sich bei der Frau und ihren Eltern.

Die unterschiedliche Art der Entstehung des Feuers erklärte er mit dem Stress bei der polizeilichen Vernehmung, bei der die Fragen nur so auf ihn eingeprasselt seien. Allerdings hatte er später beim Haftrichter seine Aussagen vor der Polizei bestätigt, nach der er mit dem Feuerzeug gezündelt habe.

Der Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann beschrieb den Mann mit Hauptschulabschluss und Berufsausbildung als Menschen mit normaler Intelligenz und mit narzisstischen Anteilen in seiner Persönlichkeit. Er habe sich als „Feuerwehrmann durch und durch“ beschrieben, neige dazu, die Schuld bei anderen zu suchen, und verfüge über wenig Empathie gegenüber seinen Mitmenschen.

Allerdings seien keine psychischen Erkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen festzustellen. Stolpmann bezweifelte, dass der Angeklagte die behaupteten Mengen an Medikamenten eingenommen haben könnte, weil die ihn nahezu handlungsunfähig gemacht hätten. Er sei voll steuerungs- und schuldfähig gewesen.

Das Verfahren wird am 7. Mai fortgesetzt.

Von Thomas Stier

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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