Volker Bernhard fuhr fast 50 Jahre zur See

Vom Seebär zum Maler: Gebürtiger Waldecker stellt Bilder in Ziegenhain aus

Maritime Einblicke: Volker Bernhard ist fast 50 Jahre lang zur See gefahren. Angefangen zu malen hat der 74-Jährige bereits an Deck, seit zehn Jahren ist der Kapitän im Ruhestand. Foto: Sandra Rose

Ziegenhain/Waldeck. Volker Bernhard spinnt für sein Leben gern Seemannsgarn – kein Wunder, der gebürtige Waldecker, der in den kommenden Wochen seine Malerei im Hotel Rosengarten in Ziegenhain ausstellt, ist fast 50 Jahre zur See gefahren.

Zuletzt lenkte er als Kapitän riesige Containerschiffe rund um den Globus. Auf den langen Reisen – „da greifen viele aus Langeweile zur Buddel“ – entdeckte der 74-Jährige das Zeichnen und Malen für sich. Auch im Ruhestand greift er auf seinen großen Schatz überwiegend maritimer Motive zurück. Eine Auswahl seiner Werke ist bis Anfang Januar zu bestaunen.

Die Weltmeere hat Bernhard mit großer Begeisterung bereist. Anfangs dauerten solche Fahrten gern mal eineinhalb Jahre. Später schipperte er meist mindestens ein halbes Jahr am Stück durch die Welt: „Zeit, an Land zu gehen, war nur am Anfang.

Später war man durch viel Bürokratie auch stärker an Deck gebunden“, berichtet der Kapitän, der immer noch ins Schwärmen kommt, wenn er von seinen Zielen erzählt. „In Vancouver Island lagen wir wegen eines Streiks sechs Wochen lang. Dieses Fleckchen der Erde ist atemberaubend.“

Was er an Deck noch gelernt habe, sei Toleranz: „So eine Crew besteht aus Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, ich hatte sehr viele Mitarbeiter von den Philippinen und aus Russland“, erzählt Bernhard. Als schönsten Ort der Welt beschreibt der 74-Jährige die Seychellen. „Ich hatte Flossen und Maske zum Tauchen dabei und habe nie mehr wieder eine solch farbige Unterwasserwelt gesehen.“ Den Lieben daheim von seinen Eindrücken zu berichten, war häufig beschwerlich. Und vor allem teuer: „Das Satellitentelefon kostete acht Dollar pro Minute.“

Insgesamt sechs Jahre war Bernhard für die Australien-Fahrten zuständig. Bei einem Landgang an der Südostküste der Staaten entdeckte er ein Buch übers Zeichnen. „Anfangs habe ich Dinge wie Entlüftungsrohre gezeichnet und mit den Farben vom Bootsmann hantiert“, erinnert sich der Kapitän. Die Leidenschaft fürs Malen war geweckt. Seitdem lässt er den Betrachter teilhaben an der Seefahrt, gewährt farbenfrohe Einblicke von sachkundiger Detailgenauigkeit: Schnittholz holen aus Skandinavien und British Columbia, Kaffee aus Westafrika, ein ausgebrannter Tanker vor Rio – gegen die „tödliche Langeweile“ an Deck.

Seit zehn Jahren im Ruhestand denkt er gern an sein Seemannsgarn zurück. Mithilfe von Fotografien entstehen viele von Bernhards Bildern. Die sprichwörtliche Handbreit Wasser unterm Kiel vermisst der 74-Jährige nicht: „Die Verantwortung für den Kahn hat doch ziemlich gedrückt – aber das habe ich erst zuhause gemerkt.“

Neben der Malerei – ausgestellt hat Volker Bernhard bereits in Worpswede – freut er sich jetzt über seine Bonsaizucht und den eigenen Apfelgarten. 

Von Sandra Rose

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