Neuartige 8000-Kubikmeter-Halle zur Heutrocknung

Waldecker Biomilch-Hof am Edersee setzt neue Maßstäbe in Kreislaufwirtschaft

Intensiver Austausch: (von links) Jürgen Schanner, Heinfried Emden, Peter Trietsch, Brigitte Trietsch, Bruno Arlt und Ralph Krombach.
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Intensiver Austausch: (von links) Jürgen Schanner, Heinfried Emden, Peter Trietsch, Brigitte Trietsch, Bruno Arlt und Ralph Krombach auf dem Biomilch-Hof Emden in Waldeck-Ober-Werbe nahe dem Edersee.

Die Waldecker Grünen informierten sich auf dem Biomilch-Hof Emden im Waldecker Stadtteil Ober-Werbe nahe dem Edersee über das Konzept des Betriebes, der neue Maßstäbe im Streben nach Kreislaufwirtschaft setzt.

  • Der Biomilch-Hof Heinfried Emden im Waldecker Stadtteil Ober-Werbe nahe dem Edersee betreibt eine neuartige Anlage zur Heutrocknung unter Nutzung von Photovoltaik als Stromquelle
  • Die Anlage zur Heutrocknung ist wichtiges Element im Streben des Waldecker Biomilch-Hofes Emden nach einer Kreislaufwirtschaft mit fast ausnahmslos selbst erzeugtem Futter und Verwendung von Gülle und Mist auf eigenen Flächen
  • Bei der Tierhaltung geht der Waldecker Biomilch-Hof Emden nahe dem Edersee über die Standards der Bioverordnung hinaus

Ober-Werbe – Seit mehr als 400 Jahren bewirtschaftet die Familie von Biomilch-Bauer Heinfried Emden den Hof – in 14. Generation. Emden begann 2012, den Betrieb im Waldecker Stadtteil Ober-Werbe nahe dem Edersee auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Die Familie bewirtschaftet 180 Hektar Land, davon 80 Hektar im Ackerbau. Der Rest dient als Weiden und Wiesen. Auf 13 Hektar davon fressen sich die 80 Milchkühe direkt satt. Der Hof Emden gehört der Upländer Bauernmolkerei an.

Ein Kernstück des Waldecker Biomilch-Hofes Emden stellt die mit viel Eigenleistung errichtete Heutrocknung dar. In einer großen, aus überwiegend heimischem Holz errichteten Halle nahe dem Edersee trocknen Gräser von den hofeigenen Wiesen. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach treibt zu diesem Zweck große Ventilatoren im Inneren an. Die Halle bietet Platz für rund 8000 Kubikmeter Heu.

Waldecker Biomilch-Hof investiert 700 000 Euro in neuartige Anlage zur Heutrocknung

700 000 Euro investierte die Familie in diese Innovation, die zum Teil von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gefördert wurde. Binnen rund 15 Jahren soll sich der finanzielle Aufwand amortisiert haben.

Bei dem Verfahren der Heutrocknung fällt laut Biomilch-Bauer Heinfried Emden allein sauberes Wasser an. Die Halle und der Grund, auf dem sie nahe dem Edersee steht, mussten also nicht gesondert ausgestaltet werden, um Gefahren fürs Grundwasser durch die Anlage auszuschließen.

Getrocknetes Heu ermöglicht Waldecker Biomilch-Hof Emden Verzicht auf Silagefutter

Die Waldecker Anlage zur Heutrocknung ermöglicht den Verzicht auf Silage und damit gesäuertes, haltbares Viehfutter für die 80 Tiere. Heu sei im Vergleich dazu Futter, das dem Verdauungssystem der Kühe als Wiederkäuern gerechter werde, erläuterte Emden. Der Bedarf an zugefüttertem Getreide, ebenfalls aus eigener Produktion, sinke. „Das beeinflusst Tiergesundheit und Milchqualität positiv“, begründet Emden die Strategie. Selbst für die Verhältnisse des Bio-Landbaus sei diese Art des Fütterns im Winter selten.

Der Waldecker Biomilch-Hof Emden verzichtet nahe dem Edersee so weitestgehend auf den Zukauf von Futtermitteln und verwertet nur die eigene Gülle und Mist für die Humusbildung auf den eigenen Landflächen. Emden strebt Kreislaufwirtschaft als Ideal an.

Tierhaltung auf Waldecker Bio-Milchhof Emden geht über Standard der Bioverordnung hinaus

Die Tierhaltung wird über einen Tiergerechtigkeitsindex bewertet und entspricht einem über die Bioverordnung hinausgehenden Standard, erklärte er. Kälber bleiben drei Monate bei einer Ammenkuh und wachsen so artgerechter auf. Ein Deckbulle und künstliche Besamung garantieren Nachwuchs sowie stete Trächtigkeit, ohne die der Körper der Kuh keine Milch bildet.

Um sich dem Klimawandel anzupassen, baut der Waldecker Biobilch-Hof Emden Gräser und andere Pflanzen an, die der Trockenheit gewachsen sind. Er betreibt Anbau im Verfahren des Agroforst, bei dem auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auch verholzende Pflanzen wie Bäume und Sträucher bis zu einem gewissen Grad gedeihen dürfen. Das schütze vor Austrocknung und Erosion, genau wie das Anpflanzen von Heckenstreifen. Zugleich bietet diese Strategie Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren Schutz und Lebensraum. Die gesamte Herangehensweise fügt sich ein in das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung der Erlebnisregion Edersee. (red/su)

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