Das hatte die Stadt nicht auf dem Schirm:

Streichen der Waldecker Kindergartengebühren gefährdet massiv das Angebot der Tagesmütter

Trotz ernster Lage guter Dinge: Die angehenden Tagesmütter Andreia Mourao und Irina Schlidt neben Birgit Daude und Jasmin Roth von der seit 2017 bestehenden Gruppe „Gartenzwerge“ in Sachsenhausen (von links). Foto: Höhne

Waldeck – Die Stadt streicht zum neuen Jahr die Kindergartenbeiträge - für alle Kinder, nicht nur die Drei- bis Sechsjährigen, wie vom Land vorgesehen. Ein Beschluss mit Schattenseite.

Er bedeutet zwar eine hoch erfreuliche Nachricht für Eltern, aber eine Hiobsbotschaft für die Tagesmütter, die mit der Betreuung kleiner Kindergruppen ihren Lebensunterhalt bestreiten. „Für 2020 habe ich keine einzige Anmeldung mehr“, sagt Jasmin Roth.

Die 30-Jährige betreibt seit 2017 die Gruppe „Gartenzwerge“ in ihrem Wohnhaus mit Garten im Sachsenhäuser Nordring gemeinsam mit Birgit Daude (52) aus Basdorf.

Irina Schlidt (27) aus Waldeck und Andreia Mourao (35) aus Sachsenhausen sind noch in der Qualifizierung und wollen im Oktober als Tagesmütter ihre Dienste anbieten. „Ich freue mich darauf“, betont Schlidt, die in Waldeck eine Wohnung dafür herrichten will.

Aber ob ihre Pläne aufgehen, das steht in den Sternen. Denn wenn Eltern bei Tagesmüttern zahlen müssen, aber die städtischen Kitas kostenlos sind, schwinde das Interesse. Die Höhe des Eigenbetrags für die öffentlich geförderte Betreuung durch eine Tagesmutter richtet sich nach der zu betreuenden Stundenzahl und ist vom Jugendamt Korbach festgelegt. Für ein Einzelkind kommen etwa 160 Euro zusammen, rechnet Roth vor. Die können sich Eltern in einer Waldecker Kita künftig sparen.

„Das macht es schwierig für uns“, sagt die allein erziehende Mutter von drei Kindern und sorgt sich um ihre wirtschaftliche Existenz. „Aus Elternsicht eine tolle Sache, dass der Kindergarten frei ist, aber uns schießt man so ins Aus.“ Vier Kinder hat sie zurzeit angemeldet. „Wir spielen und singen viel im Garten“, sagt die 30-Jährige, „beobachten Insekten, basteln unternehmen Ausflüge“. Eine Küche im Gartenhaus und Platz auf der überdachten Terrasse erleichtern den Alltag. Bei widrigem Wetter geht es ins Haus.

Drei größere Kinder sind in der Obhut von Birgit Daude in Basdorf. „Das bietet sich auf unserem Bauernhof geradezu an“, sagt die 52-Jährige.

Vorteile der Tagesmütter: Betreuung in kleinen Gruppen mit Familienanschluss, ohne starre Zeiten. „Eltern können den Alltag sehr flexibel gestalten, und da wir uns gegenseitig aushelfen und abstimmen, ist es auch bei Krankheit oder anders bedingter Abwesenheit kein Problem,“ erläutert Roth.

Daude pflichtet ihrer Kollegin bei: „Es ist bei uns wie in einer Großfamilie – das ist das, was die Tagespflege ausmacht.“ Feste Bring- und Abholzeiten müssen nicht eingehalten werden, Betreuung sei auch abends möglich, „und wenn es sein muss, auch in der Nacht“, versichert Andreia Mourao.

Die Tagesmütter hoffen auf eine Förderung ihrer Betreuungskinder und suchen das Gespräch im Rathaus. Jedes Kind müsste dann mit durchschnittlich mit 136 Euro bezuschusst werden, rechnet Roth vor.

"Es war leider bei der Diskussion nicht bekannt und auch nicht bewusst, dass es hier Auswirkungen gibt“, sagte Bürgermeister Jürgen Vollbracht auf Anfrage der WLZ. Die Tagesmütter hätten nach der Beschlussfassung den Kontakt zum Bürgermeister aufgenommen. „Wir haben über Möglichkeiten gesprochen“, sagte Vollbracht. „Die Betreuung durch die Tagesmütter ist eine Nische und auch außerhalb unserer Betreuungszeiten denkbar.“ Der Bürgermeister will das Thema in die nächste Magistratssitzung am 30. Juli zur Beratung einbringen. In den städtischen Kindertagesstätten gibt es zum neuen Kindergartenjahr ab 1. August keine Warteliste und nur noch wenige freie Plätze, teilte Vollbracht weiter mit.

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