Ideen für das Wohnen im Grünen – Leben auf Scheid

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Architekt Christoph Hesse mit Kollegen aus China bei der Ausstellung „Ways of Life“: Wang Shu (Pritzker-Preisträger 2012 – „Nobelpreis der Architektur“) und Sohn sowie Li Xiangning.  (Foto: Söder)

„Ways of Life“ heißt ein Projekt des Architekten Christoph Hesse und Kollegen auf der internationalen „experimenta urbana“ im Rahmen der documenta in Kassel. Die Ideen sollen auf der Halbinsel Scheid am Edersee Realität werden.

Wie stellen sich Architekten aus aller Welt das Wohnen in der Natur, das Leben auf dem Land vor? Antworten gibt die „experimenta urbana“, die im Rahmen der documenta im Juli im Kasseler Kulturbahnhof zu sehen war und noch bis 17. September in der Uni Kassel (ASL-Gebäude, Foyer, Universitätsplatz 9) ausgestellt wird. Der international renommierte Architekt Christoph Hesse aus Oberschledorn, der in Korbach sein Büro betreibt, hat sein Projekt „Ways of Life“ („Lebensweisen“) genannt. 18 Kollegen aus 17 Ländern sowie Architekturstudenten der Uni Kassel sind daran beteiligt. Die Entwürfe beziehen sich auf ein Bauprojekt auf der Halbinsel Scheid am Edersee. Bebaut werden soll eine drei Hektar große Fläche oberhalb der Liegewiese. Die zum Verkauf stehenden Grundstücke sind 500 bis 800 Quadratmeter groß. „Sie wirken allerdings viel größer, denn das Baugebiet wird keinen Siedlungscharakter haben, sondern um die Gebäude wird viel Platz für eine weitgehend unberührte, natürliche Gemeinschaftsfläche gelassen. Nur einige Fuß- und Fahrradwege sind vorgesehen – alles bleibt frei begehbar“, erklärt Hesse und sagt: „Einige Entwürfe sind schon konkret in Planung, die Umsetzung vor Ort übernehmen Firmen aus der hiesigen Region.“ Zurzeit schaffe die Gemeinde Waldeck die baurechtlichen Voraussetzungen, die Umsetzung solle Mitte nächsten Jahres starten.

Mit ihren Entwürfen zeigen die Aussteller innovative Gedanken zum Spannungsfeld urbane und regionale Entwicklung. „Oft haben wir Architekten eine viel zu städtische Brille auf und vernachlässigen gerade solche ländlichen Projekte“, sagt Christoph Hesse. Seine Philosophie: Ein Haus ist mehr als nur ein Gebäude, eine Fläche mehr als nur ein Bauplatz. Jedes Fleckchen hat eine eigene Ausstrahlung, die der Planer verstehen muss, um daraus einen Ort des Ankommens zu machen. So ist Hesse die Balance zwischen wirtschaftlichem Interesse, künstlerisch-architektonischem Anspruch und nachhaltig-sozialem Ansatz besonders wichtig.

Hesse hat Architektur in Zürich studiert, in Frankfurt, Berlin und London gearbeitet, danach einen Städtebau-Master an der Harvard-Universität in Boston draufgesattelt. Somit ist er international vernetzt. Sein erster Ansprechpartner für die Edersee-Idee war Studienkollege Neeraj Bhatia in San Francisco. Es folgten weitere Kollegen aus China, Russland, Belgien, Mexiko, Polen und Norwegen.

„Christoph Hesse Architekten“ haben im Mai den Architizer A+Preis für Architektur in New York für das Gebäude Am Hauptbahnhof 10a in Korbach erhalten. Zudem bekommt das Büro von Christoph Hesse am 8. September den Internationalen Architekturpreis (International Architecture Award) in Athen, der vom Chicago Athenaeum, Museum für Architektur & Design und dem europäischen Zentrum für Architektur und Städtebau verliehen wird. Das Edersee-Projekt und die „experimenta urbana“ ist bis 17. September in Kassel ausgestellt. Danach geht es auf Tournee nach Braunschweig, Berlin, Frankfurt, Nizza, New York und nach Shanghai. „In den vergangenen Wochen hatten wir große Resonanz“, freut sich Hesse über bislang zahlreiche Besucher. (ros)

Infos: Christoph Hesse Architekten, Am Hauptbahnhof 12, Korbach, Telefon 05631/5014576, mail@christophhesse.eu, www.christophhesse.eu

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