Schützengesellschaft lädt zur zehn Kilometer langen Tour

Beim Usselner Schnadezug 100 Grenzgänger auf den Stein gesetzt

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Schnadezug entlang der Grenze: Durch grüne Wiesen und Wälder zogen die Usselner und ihre Gäste am Sonntag. Auch Weidezäune waren unterwegs zu überwinden.

Willingen-Usseln. Beim Usselner Schnadezug hat die Schützengesellschaft am Sonntag 100 Grenzgänger auf den Stein gesetzt.

Den Schützenkönig und Gemeindebeigeordneten Oliver Emde traf es am Sonntag morgen als erstes: Auf Befehl des Stutzmeisters Holger Vogel setzten ihn Chris Pohlmann und Markus Bohl vom Stutzkommando auf den „Dreidörfer-Grenzstein“ nahe der Düdinghäuser Straße.

 Das Stutzen gehört auch bei den Schnadezügen der Usselner Schützengesellschaft zur Tradition, durch das Setzen auf den Stein sollen sich die Gestutzten die genaue Lage der Grenzsteine einprägen. Das war wichtig in Zeiten, in denen es noch keine Katasterkarten gab und immer wieder Grenzstreitigkeiten auftraten.

Der Schützen-Vorsitzende Ralf Heine zitierte in seiner Ansprache aus einem Schnadeaufruf aus dem Jahr 1770 – laut Protokoll der Schützen ermahnt die fürstliche Regierung zu Arolsen, „Ausschweifungen zu vermeiden“. Solche zu verhindern, war am Sonntag Aufgabe der „Amtleute“ Holger Vogel und Erhart Brüne, der auch das Protokoll führte und an besonderen Stätten und an den Grenzsteinen geschichtliche Erläuterungen gab. Auch Oliver Emde oblag als Vertreter von Bürgermeister Thomas Trachte die Aufsicht. 

52. Grenzgang der Neuzeit

Für die Usselner sei es bereits der 52. Grenzgang der Neuzeit, verkündete Heine in seiner Ansprache. Den ersten Schnadezug nach langer Pause habe es 1967 gegeben. Seitdem werden die Grenzen regelmäßig in fünf Etappen abgelaufen – bis 1979 im September oder Oktober, seitdem immer im Mai. Mit der Tour gestern habe bereits der elfte Umgang begonnen, sagte Heine der WLZ. Seit 1967 seien insgesamt 1366 Leute 4696 mal gestutzt worden. 

Die diesjährige Etappe hatten Erhart Brüne, Werner Maywald, Ludwig Behle und Ralf Heine vorab abgelaufen. 

Start war am Sonntag Morgen an der Schützenhalle. Von dort ging es zum ersten Stein am Grenzpunkt mit Düdinghausen und Welleringhausen. Der Welleringhäuser Ortsvorsteher Karl Briehl kam allein dorthin - die Feuerwehr hatte am Vorabend ein neues Fahrzeug erhalten, das wurde noch ausgiebig gefeiert. Aber er wollte gern den alten Brauch pflegen und die Grenze kontrollieren – und dabei genau nachschauen, ob nicht ein Stein verschoben sei, gerade am Eingang des einstigen Goldbergwerks. 

Nachdem Oliver Emde den Stein zu spüren bekommen hatte, ging es weiter durchs frische Maiengrün. Entgegen den Wettervorhersagen begleitete die Grenzgänger lange Sonnenschein, sie erreichten ihr Ziel trockenen Fußes. Die rund zehn Kilometer lange Tour führte entlang der Grenzen zu Düdinghausen, Welleringhausen, Neerdar und Eimelrod bis zum Osterkopf. Unterwegs stießen auch der Schützenkaiser Heiner Wilke und die Eimelroder Ortsvorsteherin Henrike Habermann-Diez mit drei weiteren Einwohnern ihres Dorfes hinzu. 

Zwischendurch gab es eine Frühstücksrast „im Ohl“, aber die Marketender der Schützengesellschaft hatten auch Verpflegung für unterwegs dabei. 

Historische Grenzsteine 

Im Verlauf des Schnadezuges wurden 100 Teilnehmer gegen eine Gebühr gestutzt, sie machen so Bekanntschaft mit einem der 16 historischen Grenzsteine auf dieser Etappe – der älteste wurde 1897 an der Grenze zwischen dem waldeckischen Usseln und dem hessisch-preußischen Eimelrod gesetzt. Den „Dreidörfer-Grenzstein“ hatte der Usselner Burschenclub 2000 neu aufgestellt. Insgesamt wurden in den vergangenen 50 Jahren 139 alte Grenzsteine gefunden, wie die Unterlagen von Erhart Brüne belegen. 122 Steine seien derzeit noch vorhanden, berichtete Heine.

Ältester Wanderer des Tages war Friedhelm Bender mit 80 Jahren,  jüngste Teilnehmerin war Mia Engelbracht mit vier Jahren.  Nach fünf Stunden Marsch gab es zum Abschluss an der Schützenhalle in gemütlicher Runde Bratwurst und kühle Getränke.

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