28 Jahre alter Mann

Belästigung beim Skispringen-Weltcup: Security-Mitarbeiter begrapscht Besucherin

Ein Skispringer vor der Landung.
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Symbolbild: Ein Security-Mitarbeiter hat eine Frau beim Skispringen-Weltcup begrapscht.

Sexuelle Belästigung am Rande des Skispringen-Weltcups: Einer Besucherin wurde in die Hose gegriffen - von einem Security-Mitarbeiter.

Willingen/Korbach - Weil er einer Besucherin des Weltcup-Skispringens mehrmals in die Hose gefasst und sie sexuell belästigt hat, ist ein 28-Jähriger aus Frankfurt vor dem Korbacher Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt worden. Er war am Weltcup-Samstag als Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts beim Festzelt eingeteilt: Dort sollte er verhindern, dass Gäste sich zwischen den Wagen und Ständen erleichtern.

Eben das wollte gegen 18.45 Uhr eine 30-Jährige aus Bad Lippspringe: Sie musste dringend, die lange Schlange vor den Damen-Toiletten wurde nicht kürzer, erklärte sie ihre Lage. Minutenlang habe sie den Security-Mitarbeiter gebeten, bis er nachgab, den Bauzaun zur Seite hob und sie durchgehen ließ.

Als sie fertig war, aufstand und sich gerade die Hose hochgezogen hatte, erschrak sie: Unerwartet stand der Mann neben ihr und fasste ihr unter die Kleidung an den Po. Die Frau zerrte seine Hand heraus, doch der neben ihr stehende Mann steckte sie erneut hinein. Letztlich schubste sie ihn zur Seite und konnte ungehindert weggehen, nachdem sie ihm sagte, dass sie gleich zurückkehre.

Am Korbacher Amtsgericht musste sich ein ehemaliger Mitarbeiter eines Sicherheitsdiensts wegen sexueller Belästigung verantworten.

Der Angeklagte bestritt die Tat: Er habe die Frau überhaupt nicht durch den Zaun gelassen, die Belästigung hätte also gar nicht stattfinden können. Er erinnere sich an sie, weil sie mehrfach mit der Bitte zu ihm gekommen sei, sie austreten zu lassen. Er habe die Bitte aber abgelehnt: „Ich glaube, das hat sie verärgert“, übersetzte sein Dolmetscher. Er habe sich sehr gewundert, als erst ein Bekannter der Frau und dann die Polizei auftauchte.

Besagter Bekannter schilderte, dass die Frau ihn „völlig fertig“ aufgesucht hatte. „Ich wollte nur noch nach Hause“, schilderte sie vor Gericht. Auf Nachfrage hatte sie ihm erzählt, dass sie begrapscht worden sei und zeigte ihm den Täter. Sie blieb im Zelt zurück, als er ihn zur Rede stellte und schließlich die Polizei rief. Sie sei zwar betrunken gewesen, habe aber klare Erinnerungen an den ganzen Tag. Die Aussage des Angeklagten empörte sie: „Das ist die größte Lüge, die ich in meinem Leben gehört habe. Ich denke mir so etwas doch nicht aus, gehe zur Polizei und puste auch noch.“

Bevor sie aufs Klo gehe, gucke sie noch immer, ob da jemand sei; öffentliche Toiletten besuche sie gar nicht mehr, schilderte sie die Nachwirkungen. Gericht und Staatsanwaltschaft glaubten ihr nicht nur deshalb, weil ihr die Sache noch immer erkennbar nahe ging: Auch dass sie am Tatabend nicht selbst die Polizei holte, überzeugte sie.

Der Angeklagte war bislang strafrechtlich nicht aufgefallen – mehr wurde zu seinen Gunsten aber auch nicht angerechnet: Weil er nicht gestand, war keine Ausgleichs-Lösung möglich, die der Frau die Aussage erspart hätte. Zudem sei sie erheblich getroffen; er habe ihre Alkoholisierung, Schutzlosigkeit und Notlage ausgenutzt, so der Staatsanwalt. Die Geldstrafe orientiert sich am Arbeitslosengeld II – seinen Job hat er wegen Corona verloren. Das Urteil ist rechtskräftig. Die Anwältin der Frau kündigte an, zivilrechtlich Schmerzensgeld zu fordern. (Wilhelm Figge)

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