„Ibis 1“ hilft aus der Luft

Bergwacht und Hubschrauberpiloten der Polizei trainieren in Willingen

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Für den Ernstfall trainiert: Piloten der Fliegerstaffel der hessischen Polizei aus Egelsbach und freiwillige Helfer der Bergwachten aus Hessen üben am Willinger Ettelsberg einen Einsatz, bei dem ein Verletzter aus unwegsamen Gelände gerettet werden muss.   

Willingen. Am frühen Morgen geht in Egelsbach bei Darmstadt ein Anruf ein: Auf dem Ettelsberg in Willingen liegt eine verletzte Person. Ein Rettungswagen kann die entlegene Einsatzstelle nicht erreichen. Die Helfer der Bergwacht vor Ort brauchen dringend Unterstützung.

Wenige Minuten später läuft eine Maschinerie an: Eingebunden ist dabei Klaus Boida, Polizeibeamter und Hubschrauberpilot. Er fliegt zusammen mit seinen Kollegen einen von drei Polizeihubschraubern des Typs „EC 145“, die bei der hessischen Polizeifliegerstaffel in Egelsbach stationiert sind. Nach einem kurzen Check des Weges und des Wetters sitzen Boida und seine Kollegen im hochmodernen Eurocopter und starten in Richtung Willingen.

Ein Mensch braucht dringend Hilfe. Das ist die wichtige Mission der Besatzung. Am Hubschrauber, der den Funkrufnamen „Ibis 1“ hat, ist eine Rettungswinde angebracht. Mit der können die Polizeibeamten nicht nur Helfer zum Verletzten abseilen, sondern auch den Verletzten an einen geeigneten Platz fliegen, nachdem er medizinisch versorgt wurde.

Diesmal ist es eine realitätsnahe Übung – kein Ernstfall. Dennoch gehen Bergwacht und Piloten nicht weniger professionell vor: „Wir machen das dieses Jahr zum ersten Mal in einem Szenario-Training“, erklärt Boida, Leiter der Schulung bei der Polizeifliegerstaffel Hessen. In den letzten Jahren habe man nur die so genannten Winchvorgänge von der Winde aus durchgeführt.

Bei der Übung dabei sind freiwillige Helfer von Bergwachten aus ganz Hessen, die in der Erstversorgung von Notfallpatienten ausgebildet sind. Schnell und zugleich hoch konzentriert fliegen die Piloten mit einem Bergwachtteam zur fiktiven Unfallstelle. Sie müssen aufpassen, dass ihnen der starke Wind an diesem Morgen oder die Stahlseile der Seilbahn nicht zum Verhängnis werden.

Nach wenigen Minuten ist die Einsatzstelle erreicht. Sofort macht sich einer der Polizeibeamten im hinteren Teil der Maschine an die Arbeit: Er muss das Bergwachtteam samt Material zum Verletzten abseilen. Dabei hält er ständigem Kontakt zu den Piloten im Cockpit, die nicht sehen, was unterhalb des Hubschraubers geschieht.

Der Mann an der Winde arbeitet präzise und die Helfer der Bergwacht machen zentimetergenaue Angaben. So ist der Patient schnell erreicht. Die Bergretter klinken sich aus, die Winde fährt ein und der Hubschrauber dreht vorerst ab. Nach der medizinischen Erstversorgung wird der Verletzte in einem Bergesack eingepackt. Darin kann er liegend zum Hubschrauber hochgeseilt werden – der Bergretter stets an seiner Seite. Auf der Kufe stehend und am Stahlseil fixiert geht es sodann schnell und schonend ins Tal. Dort würde der Patient im Erstfall weiterversorgt und ein eine Klinik transportiert.

Mehrere Male haben unterschiedliche Besatzungen an vier Tagen dieses Verfahren am Willingen Ettelsberg trainiert, damit im Ernstfall alles wie am Schnürchen klappt, wenn Menschen in extrem unwegsamem Gelände in Gefahr sind. (112.magazin.de)

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