Zwei Fraktionen für Nachverhandlungen

Betreutes Wohnen in Willingen: Kostendebatte um Pavillon

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Hinter dem Gesundheitspavillon entstände die Wohnanlage – er selbst soll Gesundheitsangebote nicht nur für die Bewohner beinhalten.

Willingen (Upland) – Die im September vorgestellten Pläne, ein Betreutes Wohnen im Strycktal einzurichten und dieses baulich mit dem Gesundheitspavillon zu verbinden, haben nicht alle Gemeindevertreter überzeugt.

Aktualisiert am 31. Oktober: Dem Antrag der CDU-Fraktion in der Gemeindevertretung, den Grundstücksverkauf am Gesundheitspavillon für das Betreute Wohnen von der Tagesordnung zu nehmen und zurück an die Ausschüsse zu verweisen, schlossen sich SPD und Freie Wähler an. Fehler in der Sache sollten vermieden werden, erhielt Jochen Schmitt (CDU) Zustimmung von Stephan Scharnhorst (SPD). 

Als Ziel nannte Ingolf Schinze (FW) einen deutlich höheren Angebotspreis. Er bat um eine Stellungnahme des Ortsbeirats und eine Festlegung, dass der Wanderweg am Areal erhalten bleibe. 

Nur die FDP stimmte gegen den Antrag: Für seine Fraktion sei die Sache klar, sagte Dieter Schütz – der Bau wäre ein Leuchtturmprojekt.

Die Freien Wähler zeigen sich im Vorfeld der Sitzung skeptisch: Zwar begrüßten sie es, solche eine Einrichtung zu schaffen, die Gemeinde solle das grundsätzlich fördern, erläutert Fraktionsvorsitzender Ingolf Schinze. Vor allem der Kaufpreis für Pavillon und Grundstücke sei aber ein Problem: Die Fraktion bewerte ihn angesichts von Markt- und Bodenrichtwerten als „extrem deutlich zu niedrig“. 

Öffentlich bekannt ist die Summe nicht, Bürgermeister Thomas Trachte umschreibt sie als „im mittleren sechsstelligen Bereich“.

Den Kaufpreis dürften die Gemeindevertreter nicht akzeptieren, er setze einen nachteiligen Präzedenzfall, so die FW. Neuverhandlungen seien nötig. Ein Vorschlag: Es war von 650 000 Euro die Rede, welche die „Gesellschaft für innovative Wohnformen“ (GIS) in den Pavillon investieren muss. Sie könne ihn abreißen und das Geld dem Preis zuschlagen.

Gesellschaft: Gesundheitspavillon bietet sich als Anlaufstelle für alle an

Hier sieht Waltraud Rebbe-Meyer von der GIS ein Missverständnis. Sie war Teil der Gruppe, die das Projekt vorstellte – der in der Sitzung genannte Betrag von 650 000 Euro diene nicht bloß der Sanierung: „Es werden hierfür bauliche Investitionen getätigt, das Gros der Summe entfällt jedoch auf die Kosten für die neu zu schaffenden Präventions-, Gesundheitsförderungs- und Therapieangebote.“

Solche seien notwendig, damit das Betreute Wohnen die Selbstständigkeit der Bewohner sicherstellen könne. „Solche wertvollen Angebote in eine Wohnanlage zu integrieren, würde Investitions- und Betriebskosten verursachen, die in einer Wohnanlage nicht refinanziert werden können“, sagt sie weiter. Der Pavillon biete sich hingegen an, damit Bewohner, Einheimische, Urlaubsgäste und die neue Zielgruppe der „Ambulanten Vorsorge“ sie allesamt nutzten können.

Willinger Bürgermeister sieht Preis als gerechtfertigt an

Der ausgehandelte Preis entspreche ungefähr dem Wert, den das Grundstück in den Bilanzen der Gemeinde habe, erklärt Bürgermeister Thomas Trachte. Die Kommune werde ein marodes Gebäude los, inklusive Sanierungslast und laufender Kosten. Die soziale Einrichtung, die dafür entstehe, sei der Gemeinde sehr von Nutzen – auch als Einstieg in die lange geplanten Kuranlagen im Stryck.

Sein Eindruck sei klar: Ein höherer Verkaufspreis sei nicht drin, die Gemeinde solle nicht überreizen. „50 000 Euro spielten im Vergleich zur Bedeutung des Projekts keine Rolle.“ Er verweist darauf, dass manch andere Gemeinde für solche Projekte Grundstücke einfach zur Verfügung stelle.

Upländer FDP steht hinter dem Projekt zum betreuten Wohnen

„Uneingeschränkt positiv“ sehe die FDP-Fraktion das Projekt, erklärt ihr Vorsitzender Dieter Schütz – sie habe sogar beantragt, es schneller umzusetzen, aber keine Mehrheit gefunden. „Wir würden uns niemals anmaßen, Experten zu sagen, wo und wie sie das betreiben sollen“, reagiert er auf inhaltliche Bedenken gerade aus der FW-Fraktion. Die Gemeinde könne froh sein, wenn sie den Pavillon so einer guten Nutzung zuführe – das für die ganze Region wichtige Projekt solle nicht riskiert werden. 

Sozialdemokraten sehen Licht und Schatten bei Stryck-Projekt

Das Projekt könne die Gemeinde in sozialer Hinsicht bereichern, so Fraktionschef Thorsten Kesper. Das geplante Genossenschaftsmodell für den Betrieb der Wohnanlage biete sich zur Sicherstellung bezahlbarer barrierefreier Wohnungen an; alle weiteren Sozialleistungen könnten derweil „unter Umständen mit enormen Kosten verbunden sein“. Die Lage sei ruhig und idyllisch, aber auch fernab von Einkaufsmöglichkeiten. Verkaufskonditionen, bauliche Beeinträchtigung und das Konzept, dass die Genossenschaft die Wohnanlage und die GIS den Pavillon betreibe, riefen bei manchen Gemeindevertretern Skepsis hervor – bei der SPD könne sich jeder frei positionieren. 

Willinger CDU spricht sich für Nachverhandlungen aus

Die CDU sei geschlossen der Auffassung, dass der Kaufpreis für ein Grundstück in dieser Lage zu billig ist, erklärt Fraktionschef Jochen Schmitt:. „Da muss zumindest nachverhandelt werden.“ Auch sollte mit anderen Anbietern ein Gespräch gesucht werden, denn das betreute Wohnen an sich sei wichtig. „Entscheidungen dieser Tragweite sollte man auch nicht übers Knie brechen – wir haben noch nicht über andere Anbieter oder alternative Standorte gesprochen.“

Die FW kündigen einen Antrag an, den Verkauf bei der Sitzung der Gemeindevertretung am 30. Oktober von der Tagesordnung zu nehmen.

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