Tour durch Deutschland

Höherer Preis, geringere Menge: Milchviehhalter-Verband präsentiert in Usseln seine Pläne

"Die Kuh gehört auf die Wiese": Diese Meinung vertrat Reinhard Nagel (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) bei der Diskussion.

Willingen-Usseln. Mit Kuh-Skulptur Veronika auf dem Anhänger quer durch Deutschland: Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter wirbt derzeit „für einen Milchmarkt mit Aussicht“.

Nach rund drei dutzend Stationen haben die Vertreter des Verbands am Mittwoch bei der Upländer Bauernmolkerei Station gemacht: „Ein Projekt, bei dem Bauern ihr Schicksal in die eigene Hand genommen haben“, erklärt Josef Jacobi – Bio-Bauer aus Körbecke und Moderator des Abends.

Höhere Milchpreise und Schritte zur Reduzierung der Milchmengen im Krisenfall: Das sind die Kernforderungen, die Verbandssprecher Hans Foldenauer darlegte. „Die Agrarpolitik ist im Interesse der Ernährungs- und Molkereiindustrie gestaltet“, sagte er. Für den Export der „Global Player“ sei ein möglichst billiges Produkt nötig. Doch für Bauern bedeutete das ein konstantes wirtschaftliches Risiko, potenzielle Hofnachfolger sähen keine Perspektive. Ein um zehn Cent höherer Milchpreis belaste den Verbraucher nur um drei Euro im Monat.

Stefan Mann aus Ilschhausen, Vorsitzender des Verbands, rief dazu auf, bestehende Regelungen zu nutzen: So können EU-Mitgliedsstaaten vorschreiben, dass zum Milchverkauf an Molkereien ein Vertrag geschlossen werden muss, der Menge und Preis festschreibt – nur mache Deutschland keinen Gebrauch davon.

„Wie kriegen wir die Milchmenge in den Griff?“, fragte Josef Jacobi. Reinhard Nagel, Landwirt aus Nieder-Waroldern und Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, befand: „Die Kuh gehört auf die Wiese.“ Zumindest solle sie so viel grünes Gras wie möglich fressen – und so wenig zusätzliches Kraftfutter wie nötig. Jede Kuh produziere dann weniger Milch, doch das meiste Fertigfutter stamme aus der dritten Welt: „Wir fressen denen die Haare vom Kopf – und die Nährstoffe bleiben hier.“

Damit spielte er auf die Phosphatbelastung im Wasser an. Stefan Mann verwies derweil auf eine Studie der Landesregierung, nach der der Anteil der Landwirtschaft an diesem Problem überbewertet werde – und der der kommunalen Kläreinlagen unterschätzt. Wie groß der Part der Bauern ist, wurde anschließend im Publikum diskutiert.

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