Blick in leere Tourismus-Hochburg

Corona-Krise: Willingen gleicht einer Geisterstadt

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Im Willinger Kurgarten ist kaum ein Mensch zu finden.

Hessens Tourismus-Hochburg ist menschenleer: Die Corona-Krise hinterlässt in Willingen ihre Spuren, in Politik und Wirtschaft herrscht die Ungewissheit.

Der Himmel strahlt im schönstem Blau, die Sonne lässt einen die Minusgrade der Nacht vergessen – und dennoch ist der Ort so gut wie leer: An einem Montagmittag im März herrscht in Willingen sonst vielleicht nicht der allergrößte Trubel, aber normal gäbe es einige Einkäufer, Treiben vor Gaststätten und Cafés, mindestens spazierende Mütter mit Kindern. Einen Tag nach der Verschärfung der Corona-Regeln ist von Viadukt bis Bahnhof nur ein halbes Dutzend Fußgänger zu zählen.

Auch die Straße zwischen Besucherzentrum und Lagunenbad ist leer gefegt, alles hat zu. Der Boden der Eissporthalle wird ohne Bearbeitung und Schlittschuhläufer uneben, hinter dem Lagunenbad haben die ersten Bauarbeiten für den geplanten Neubau ihre Spuren hinterlassen. Wie es weitergeht, stellt sich später bei einem Anruf beim Bürgermeister als schwierige Frage heraus: Die nächsten Aufträge wären nach Ostern zu vergeben, die Gemeinde ist noch nicht sicher, was das beste Vorgehen wäre.

„Es sind enorme Schäden in der Wirtschaft zu erwarten und das gleiche im öffentlichen Bereich“, sagt Rathaus-Chef Thomas Trachte. Alle nicht notwendigen Ausgaben habe die Gemeinde bereits gestoppt – beim 26-Millionen-Euro-Projekt hofft sie in den nächsten drei Wochen mehr Klarheit über die weitere Entwicklung zu gewinnen. Wegen des geplanten Bauablaufes müsste dann eigentlich weitergemacht werden. Ein Projektabbruch sei unglaublich kompliziert; Fördermittel müssten zurückgezahlt werden. Auch ob das Bad mit seiner derzeitigen Bausubstanz wieder öffnen könnte, sei eine Frage.

Dennoch müsse die Gemeinde sehr genau abwägen, ob sie weitermache: „Dagegen spricht die unklare Finanzierung im Laufe der Corona-Krise“, sagt Trachte. Nicht nur Willingen: Die Kommunen seien nicht in der Lage, der Situation etwas entgegenzusetzen – nur ein koordiniertes Vorgehen mit Bund und Ländern könne helfen.

Im Ort überwiegt derweil die Stille, hier und da sind Laubbläser, Motorsäge oder Presslufthammer im Einsatz. Im Kurpark spaziert kaum jemand – abgesehen von den ungestörten Enten. Auf dem Ettelsberg ist kein Mensch zu sehen, bis einige Mitarbeiter der Seilbahn stoppen – diese befände sich derzeit ohnehin in Revision.

Blauer Himmel, blaues Wasser, keine Besucher: der Ettelsberg in der Corona-Krise.

Nach einer Wanderung berichtet ein Willinger Geschäftsmann, auf dem ganzen Berg keinem Menschen begegnet zu sein. Und abends habe Willingen ihn am Wochenende an eine Geisterstadt erinnert – Verstöße gegen Versammlungs- und Öffnungsverbote sind dem Ordnungsamt nicht bekannt.

Wie lange der weitgehende Stillstand des öffentlichen Lebens dauert, kann noch niemand sagen. Aber auch wenn es „nur“ zwei Monate sind, fürchten viele um ihre wirtschaftliche Existenz, sagt der Wanderer, ehe er wieder zu seinem Geschäft zurückkehrt – einem der vielen bis auf weiteres geschlossenen Läden an der Hauptstraße.

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