Mögliche Kosten von 500 000 Euro

Debatte um Toilettenanlage am Willinger Ettelsberg-Parkplatz

Der Sperrvermerk ist weg: Auf dem Ettelsberg-Parkplatz in Willingen kann nun eine Toilettenanlage gebaut werden. Der mögliche Preis von 500 000 Euro sorgte aber für Diskussionen in der Gemeindevertretung.
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Der Sperrvermerk ist weg: Auf dem Ettelsberg-Parkplatz in Willingen kann nun eine Toilettenanlage gebaut werden. Der mögliche Preis von 500 000 Euro sorgte aber für Diskussionen in der Gemeindevertretung.

Obwohl die mögliche Investitionssumme von einer halben Million Euro für die meisten Gemeindevertreter als zu hoch empfunden wird, hat das Willinger Parlament den Weg frei gemacht für eine öffentliche Toilettenanlage am Ettelsberg-Parkplatz.

Zur Erinnerung: Wegen der hohen Kosten war das Projekt zunächst mit einem Sperrvermerk versehen worden. Dieser wurde bei der Gemeindevertretersitzung am vergangenen Mittwoch aber aufgehoben. 23 Gemeindevertreter von CDU, FDP und SPD hatten für die Aufhebung gestimmt. Fünf Gegenstimmen und eine Enthaltung kamen aus der Fraktion der Freien Wähler.

Dass sich die Gemeindevertreter nun doch zum Bau einer Toilettenanlage nahe der Ettelsberg-Seilbahn durchgerungen haben, hatte zwei maßgebliche Gründe: Zum einen sehen die meisten Parlamentarier eine große Notwendigkeit für den Bau – schließlich entstehe dieser in einem Bereich, der von ankommenden und abfahrenden Übernachtungsgästen sowie von Tagestouristen stark frequentiert werde.

Zum anderen ist die Investitionssumme von 500 000 Euro, die sich bislang nur auf ein eingeholtes Angebot bezieht, noch nicht in Stein gemeißelt. Im Zuge der im Parlament getroffenen Entscheidung, den Sperrvermerk aufzuheben, wurde der Gemeindevorstand auch damit beauftragt, weitere Angebote für den Bau einer Toilettenanlage einzuholen. Allerdings: Als maximaler Kostenrahmen blieben die 500 000 Euro stehen.

Die Freien Wähler machten in der Sitzung der Gemeindevertreter daher auch keinen Hehl daraus, dass sie das Projekt in dieser Form ablehnen. „Dass wir nach jetziger Planung 500 000 Euro für fünf Toiletten und ein Urinal ausgeben, ist unseres Erachtens den Menschen nicht zu vermitteln. Außerdem sollte erst einmal eine Analyse gemacht werden, um herauszufinden, ob der Bedarf überhaupt vorhanden ist. Wenn wir eine solch teure Toilettenanlage bauen, die am Ende gar nicht genutzt wird, finden wir uns ganz schnell bei Mario Barth in der Sendung zum Thema Steuergeld-Verschwendung wieder“, sagte Fraktionschef Ingolf Schinze.

Ingolf Schinze, Freie Wähler

Für die Freien Wähler gelte auch nicht das Argument, dass die Toilettenanlage mit 55 Prozent gefördert werden könne. „Dann sind es immer noch 235 000 Euro Eigenanteil für die Gemeinde. Außerdem kommen die Förderungen auch wieder aus unseren Steuergeldern“, so Schinze.

Willingens Bürgermeister Thomas Trachte stellte direkt die Frage, wie sich die Freien Wählern eine Bedarfsanalyse genau vorstellen? „Sollen wir die Leute vor Ort etwa fragen, ob sie jetzt gerne mal aufs Klo gehen wollen?“ Der Verwaltungschef machte deutlich, dass es schon seit Jahren einen erheblichen Bedarf für eine Toilettenanlage „an diesem markanten Punkt“ gebe. „Menschen steigen von dort in die Ettelsberg-Seilbahn ein, außerdem gibt es den direkten Anschluss an das Skigebiet. Es kommen zudem regelmäßig Busse am Parkplatz an, auch Wanderer starten von dort aus ihre Touren“, betonte Trachte.

Thomas Trachte, Bürgermeister in Willingen

Mit Blick auf die maximalen Kosten von 500 000 Euro sagte der Bürgermeister: „Wir haben bei der Einholung des Angebots Wert auf Haltbarkeit, Stabilität und Optik gelegt. Natürlich waren auch wir überrascht, dass die Kosten so hoch sind. Es geht sicherlich auch günstiger, zum Beispiel mit einer Containerlösung.“

Trachte sicherte daher zu, dass bei den weiteren Planungen auch kostengünstigere Varianten in den Blick genommen werden. „Ich weise aber gleichzeitig darauf hin, dass wir aufgrund der hohen Förderquote, die uns jetzt zur Verfügung steht, in die Puschen kommen müssen. Der Bedarf für eine Toilettenanlage am Ettelsberg-Parkplatz ist da, daher dürfen wir das Projekt auch nicht zerreden.“

„Wir tun uns leichter, wenn wir zwei bis drei Angebote haben“

Auch Thorsten Kesper betonte in der Sitzung der Gemeindevertreter, dass er nicht mit möglichen Kosten von 500 000 Euro für die geplante Toilettenanlage am Fuße des Ettelsberges gerechnet habe. „Wir tun uns daher leichter mit der Entscheidung, welches Projekt wir umsetzen, wenn wir zwei bis drei verschiedene Angebote auf dem Tisch liegen haben“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Thorsten Kesper, SPD-Fraktionsvorsitzender

Es sei wichtig, Kosten und Leistungen miteinander zu vergleichen. „Dass es notwendig ist, auf dem Ettelsberg-Parkplatz eine Toilettenanlage zu bauen, ist aus unserer Sicht aber unstrittig. Daher ist es gut, wenn es keinen Sperrvermerk für dieses Vorhaben mehr gibt.“

Dieter Schütz erinnerte daran, dass die FDP damals den Antrag auf Sperrvermerk im Parlament gestellt habe, weil die „verdammt große Summe“ erst einmal abschreckend gewirkt habe. „Wir sollten aber unserer Verwaltung vertrauen, dass sie uns nun auch einige Alternativen zum ersten Angebot aufzeigt“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende. Dass eine Toilettenanlage auf dem Ettelsberg-Parkplatz erforderlich ist, betonte auch Dieter Schütz. Diese trage nämlich auch dazu bei, dass das Wildpinkeln eingedämmt werde.

Dieter Schütz, FDP-Fraktionsvorsitzender

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