WLZ-Serie Faszination Oldtimer

Der AMC Pacer hat in Willingen Liebhaber gefunden

Als Schönheit galt der AMC Pacer in den 1970er Jahren nicht – Horst Jarkow aus Willingen sah das schon vor Jahrzehnten anders.
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Als Schönheit galt der AMC Pacer in den 1970er Jahren nicht – Horst Jarkow aus Willingen sah das schon vor Jahrzehnten anders.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben zunehmend Oldtimer aus, auch in unserer Region. In der WLZ-Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren betagten, aber charmanten Fahrzeugen vor.

Willingen – Als Horst Jarkow während einer Busfahrt als junger Mann auf die Autobahn schaute und das nie zuvor gesehene Fahrzeug erblickte, war für ihn gleich klar: Der AMC Pacer ist das schönste Auto der Welt. „Ich war platt, das hat mir so gut gefallen“, sagt der Willinger. Die runden Formen, das viele Glas, die besonderen Scheinwerfer. Doch wenn er jemanden darauf ansprach, bekam er ganz andere Töne zu hören: Bekannte, die Zeit in Nordamerika verbracht hatten, rieten von diesem „schrecklichen Auto“ ab. In den Staaten war der Pacer als „rollendes Aquarium“, „großer Frosch“ oder „Football auf Rädern“ verschrien – oder gleich als „hässlichstes Auto der Welt“.

„Aber mir ist er nie wieder aus dem Sinn gegangen“, sagt Horst Jarkow. 2014 sagte er sich dann: „Worauf willst du noch warten?“ Er ergatterte eines der wenigen Modelle im Land – und heute habe die Wahrnehmung sich gedreht: Wo der pensionierte Lehrer mit dem Auto auch hinkomme, löse es Begeisterung aus: Zurufe, hochgestreckte Daumen und interessante Gespräche. Vielleicht war der AMC Pacer, in den 1970er Jahren als einer der ersten amerikanischen Kompaktwagen entwickelt, mit seinen runden Formen und einer zu 37 Prozent aus Glas bestehenden Oberfläche auch einfach der Zeit voraus: „Er wirkt schon futuristisch“, erklärt Jarkow. „Kompaktwagen“ bedeutet in diesem Zusammenhang übrigens, dass das Auto so lang ist wie ein moderner Golf – und breiter als eine S-Klasse.

Charakteristisch für den AMC Pacer: Die Oberfläche besteht zu 37 Prozent aus Glas.

Der AMC Pacer wurde von 1975 bis 1979 gebaut, Horst Jarkows Wagen wurde im März 1976 erstmals zugelassen. Nur wenige Exemplare haben den Weg nach Deutschland gefunden. Bis 2010 war der Oldtimer denn auch in Arizona unterwegs, über einen Zweitbesitzer in den Niederlanden kam er nach Deutschland, wo Horst Jarkow ihn als „vielleicht am besten erhaltenes Modell des Landes“ erwarb.

Lack in „Gischt-Grün“ und weißes Kunstleder sind gut gepflegt – und die Rundumsicht im „rollenden Aquarium“ ist tatsächlich kaum zu überbieten. Vor allem mache der Wagen Spaß: „Wenn ich ihn fahre, ist das für mich ein einziges Vergnügen.“ Dazu trägt die Stabilität bei, dank niedrigen Schwerpunkts und besonders weiter Spurbreite – vorne 1,55 Meter.

Reparaturen fallen kaum an, bloß der Spritverbrauch von 16 Litern auf 100 Kilometer sei astronomisch. Ganze 4200 Kubik und rund 100 PS bewegen den Kompaktwagen mit Hinterradantrieb – der für die Produktion genutzte Sechszylinder kam schon im Jeep zum Einsatz. Horst Jarkow nutzt ihn aber als reines Sommerfahrzeug, er fahre rund 1000 Kilometer im Jahr.

Hervorragende Rundumsicht gehört zu den Vorteilen des AMC Pacer.

Allgemein sei er ein Fan amerikanischer Oldtimer: „Fernsehsendungen wie das A-Team schaue ich mir vor allem wegen der damaligen Autokultur an. Große und gewaltige Autos mit Formen, die mich immer wieder begeistern“, hält er fest. Anderen geht es ähnlich: Vielleicht habe die Komödie „Wayne’s World“ von 1992 dazu beigetragen, dass der Pacer mittlerweile Kultstatus genießt. Jedenfalls ist Horst Jarkow froh, dass der lange verschmähte Wagen heute Liebhaber findet und Begeisterung auslöst: „Das ist wie mit dem hässlichen Entlein, dass sich als schöner Schwan herausstellt.“ (wf)

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