Einer von drei Preisträgern unter 70 Projekten

Junge Usselner Schneiderinnen in Berlin für Idee zur Digitalisierung ausgezeichnet

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Digitalisierung als Zeitersparnis: Nathalie Nolting und Jana Knierim banden neue Technik sinnvoll in Ute Schlengers Betrieb Liebe-Lachen-Leben ein.

Willingen-Usseln. Unter 70 Projekten zur Digitalisierung hatten Nathalie Nolting und Jana Knierim von Liebe-Lachen-Leben in Usseln eine der besten.

In anderen Branchen, deren Azubis ihre Ideen zur Digitalisierung im Haus der Wirtschaft in Berlin vorstellten, mag der Computer eine größere Rolle spielen als in der Schneiderwerkstatt, sagt die Usselnerin Ute Schlenger – aber das Projekt ihrer beiden Azubis ist eines von dreien aus ganz Deutschland, die unter 70 Teilnehmern des Projekts „Digi-scouts“ ausgezeichnet wurden. Nathalie Nolting und Jana Knierim wurden genau dafür gewürdigt, Kompetenzen in einem Bereich erworben zu haben, in dem die Digitalisierung vorher keine große Rolle spielte.

Beim Projekt „Digiscouts“ unterstützte das RKW (Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft) zusammen mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag Auszubildende dabei, Digitalisierungspotenziale zu finden und umzusetzen. 

In Kassel hatten sie sich beim Projektstart 2018 erst mal nur anhören wollen, wie das unterstützt wird, erläutert Schneidermeisterin Ute Schlenger – doch schon auf der Rückfahrt sei ihre Idee entstanden.

Digitalisierung erleichtert Kommunikation mit Großkundin

Denn die Zusammenarbeit mit einer Großkundin konnte unübersichtlich werden: Per Post oder E-Mail schickte die Designerin Aufträge für Accessoires wie Stulpen, Schals und Capes, welche ausgedruckt und abgeheftet wurden. Oft reichten dann die Materialien nicht, es musste nachgeordert werden, oder es kam zu anderen Abstimmungsproblemen.

Nathalie Nolting und Jana Knierim überlegten sich, wie die Kommunikation verbessert werden könnte und wandten sich mit ihren Ideen an den ortsansässigen IT-Experten Mike Schmirler von SMP Hospiality Consulting, der sie in einer Web-App umsetzte und mit einer Datenbank verknüpfte.

Preisverleihung in Berlin: Christian Hirte, parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Elke Büdenbender,  gratulieren Nathalie Nolting, Jana Knierim, und Ute Schlenger gemeinsam mit Dr. Mandy Pastohr, Geschäftsführerin RKW Kompetenzzentrum.

Das Ergebnis stellten die beiden jungen Schneiderinnen vor, zuerst in Kassel und online per Video. Die Kundin hat über ein Extranet nun Einblick in ihre Bestellung, den Materialbestand und den Bearbeitungsstand, zusätzlich werden Lagerbestand und Modellarchiv erfasst. „Das soll dann später noch auf andere Großkunden erweitert werden – dass wir auf einen Blick sehen, welcher Kunde was bestellt hat und ob wir alles dafür im Lager haben“, erklärt Jana Knierim, die mittlerweile Gesellin ist.

Schon beim Digiscouts-Regionalentscheid Nordhessen überzeugt

Beim Regionalentscheid in Kassel wählten 40 Prozent des Publikums das Projekt zum besten aus acht in Nordhessen; in Berlin stießen sie auf großes Interesse als kleiner Handwerksbetrieb, erklärt Ute Schlenger – Schneidereien, die nicht nur Änderungen vornehmen, sondern auch Maßarbeit anfertigen und ausbilden, werden seltener. Ein Pluspunkt war auch, dass da technisch etwas ganz neues aufgebaut worden sei.

Digitales könne den Kern der Arbeit nicht ersetzen: „In der Schneiderei geht es um Gespräche und Anfassen, sie hat Seele und Leben.“, sagt die Meisterin. Aber in diesem Fall schaffe Technik, sobald sie einmal am Laufen ist, Freiräume und verschaffe mehr Zeit für die wichtigsten Teil der Arbeit.

Das Projekt Digiscouts des Innovationszentrums RKW

Azubis digitalisieren ihren Betrieb: Das ist die Idee hinter dem Projekt „Digiscouts“. Ihre Aufgeschlossenheit zu neuer Technik wird damit verbunden, Erfahrungen im Projektmanagement zu sammeln. Seit Projektstart 2018 haben deutschlandweit 360 Azubis aus 120 Unternehmen mitgemacht und wurden bei der Umsetzung begleitet. 

In Regionalentscheiden wurden bislang 70 Projekte vorgestellt und zwölf Finalisten gekürt. Die drei Preise in den Kategorien „Kompetenzerwerb“, „New Work“ und „Digitaler Fortschritt“ überreichte Elke Büdenbender, die Frau des Bundespräsidenten.

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