Traumnoten an Geisterschule

Einser-Abiturienten der Uplandschule Willingen blicken zurück

Mit Einser-Notendurchschnitten verlassen Alicia Biederbick, Johannes Bohlig, Marieke Bender und Johanna Rummel (von links) die Uplandschule in Willingen.
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Mit Einser-Notendurchschnitten verlassen Alicia Biederbick, Johannes Bohlig, Marieke Bender und Johanna Rummel (von links) die Uplandschule in Willingen.

Der Abi-Jahrgang 2021 der Uplandschule hat viele Einser-Abiturienten hervorgebracht. Sie sprechen über die Herausforderungen von Corona und Kultusministerium – und die der Zukunft.

Willingen – „Man hat sich ziemlich schnell dran gewöhnt“, sagt Alicia Biederbick nach ihrem Abi unter Corona-Bedingungen – schulische Erfolge jedenfalls gab es für den Abi-Jahrgang 2021 der Uplandschule reichlich: Zehn von 25 Absolventen haben im Notenschnitt eine Eins vor dem Komma. Marieke Bender aus Willingen legte eine glatte 1,0 hin, zudem schafften mehrere Schüler eine 1,4, darunter auch die Stormbrucherin Alicia Biederbick, Johanna Rummel aus Willingen und Johannes Bohlig aus Rhena.

Trotz des Erfolgs: Corona hat es ihnen nicht leicht gemacht. Und auch das Kultusministerium: In der Q2, dem zweiten Halbjahr der zwölften Klasse und der Haupt-Zeit des Homeschoolings, „schoss es allen Stoff weg“, außer Deutsch, Mathe und den Leistungskursen, kritisiert Johannes Bohlig: „Da hatten wir mehr Zeit. Aber was bringt das, wenn man den Stoff später nachholen muss?“ Alicia Biederbick schildert die Konsequenzen: In der Q3 waren sie zurück in der Schule und mussten viel aus der Q2 nachholen – und hinten fiel Stoff runter, anstatt dass vorne gezielt sortiert worden wäre.

„Die einzelnen Lehrer haben das beste daraus gemacht“, sagt Johanna Rummel. Nicht jeder habe zu Beginn über die notwendige Medienkompetenz verfügt, aber zumindest die meisten arbeiteten daran, findet Johannes Bohlig. „Ich glaube, dass wir in der Q2 alle etwas gelernt haben“, sagt Alicia Biederbick. Marieke Bender ergänzt: „Es war ein großes Glück, dass wir eine sehr kleine Schule haben.“ Aus der Distanz den Überblick zu bewahren, falle Lehrern vielleicht schwerer.

Lange waren nur die Abschlussklassen in der Schule: „Das war schon komisch nach elf Jahren Trubel“, sagt Johanna Rummel. Die Geisterschule war aber nicht nur schlecht: „Es war ruhig, bei Klausuren schrie niemand auf dem Schulhof herum“, erklärt Alicia Biederbick.

Schwerer wog: Die Abschlussfahrt viel aus, es gab keine Abifeten im gewohnten Sinne, erläutert Johannes Bohlig. Das Gemeinschaftliche habe zurückstecken müssen. Besonders schwierig war das nach dem Tod von Mitschülern bei einem Verkehrsunfall, fügt Marieke Bender hinzu: „Sich auf Abstand zu trösten, ist schwierig.“

Richtig intensiv wurde das Lernen im letzten Monat, sagt sie. Das Finale sei stressig, aber machbar gewesen, befindet Alicia Biederbick: „Man war auch nicht durch Feiern abgelenkt, es war ja nichts los.“ Johannes Bohlig reagiert lachend: „Das ist das traurigste Argument, dass ich bislang gehört habe.“ Es habe sich auf jeden Fall gelohnt, im Unterricht gut aufzupassen, um nicht kurz vor Schluss alles nacharbeiten zu müssen. Er sagt aber über die gesamte Schulzeit: „Ohne Eltern ging es nie so richtig.“ Die jungen Frauen fügen Dank an Lehrer und alle Freunde hinzu, die sie auf dem Weg aufheiterten.

Die Zukunftspläne und das Virus

Die Pläne der Vier sind ganz verschieden: „Ich will Tierärztin werden, seit ich klein bin“, sagt Marieke Bender. Der Bio-LK habe sie darin bestärkt, aber auch Human-Biologie als Alternative aufgezeigt. Alicia Biederbick entschied sich schon in der Q1 für ein Psychologie-Studium: Ihr gefalle, wie wandelbar das Fach sei, sie könnte in der Wirtschaft oder der Psychotherapie arbeiten. Johanna Rummel interessiert sich schon lange für ein Duales Studium, und hat das Fach Public Management für sich entdeckt, das auf Arbeit in der Verwaltung vorbereitet. Der im Reitsport aktive Johannes Bohlig will eine Ausbildung zum Pferdewirt abschließen, dann Rechtswissenschaften studieren – beide Bereiche sind Familiengeschäfte.

Ans Virus werden sie sich gewöhnen müssen, sagt Johanna Rummel. Derweil sorgt Marieke Bender sich schon über mangelnden Präsenzunterricht an Unis. Auch das Einleben in eine neue Stadt wird ohne Veranstaltungen wie Ersti-Wochen schwierig, sieht Alicia Biederbick voraus: „Ich hoffe, dass die Unis im Herbst einen Weg finden.“ (wf)

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