BMW R100 RS in rarer Lackierung

„Ritt auf der goldenen Kuh“: Fahrer seltener Motorräder treffen sich in Willingen

Willingen. Die BMW R100 RS hat viele Namen: "Windbraut", wegen ihrer Entwicklung. "Gummikuh", wegen des charakteristischen Wackelns. Und in Willingen trafen sich "Goldene Kühe".

„Ich dachte mir, ich würde sie umlackieren“, sagt Raimund Raßmann über die goldene BMW R100 RS, die er eher zufällig gekauft hatte. Doch irgendwann sah er sie in der Sonne glänzen: „Eigentlich ist die Farbe total genial“, schloss er. Eine Einsicht,mit der er nicht ganz alleine ist: Sechs Fahrer sind in Willingen zum „Ritt auf er Goldenen Kuh“ zusammengekommen.

Hotelier Walter Saure lädt im dritten Jahr ein – erst kam nur ein Gast mit seiner Maschine, dann zwei. Wie viele Fahrer sich noch für das Treffen gewinnen ließen, ist unklar: Häufig ist die R100 RS in dieser Variante nicht.

Das Modell wurde 1976 erstmals präsentiert, diese spezielle Lackierung wurde Ende des Jahrzehnts schon wieder eingestellt: „In Gold wollte sie niemand haben“, sagt Jan Aerts aus den Niederlanden. Landsmann Imro Simmelink hat derweil den Wert seiner Maschine schätzen lassen: Lag er 2006 noch bei 2400 Euro, sind es nun 6500 Euro: „Das zeigt, dass es viele neue Liebhaber gibt.“

Aufbruch ins Waldecker Land: Mit sechs Maschinen brachen die Teilnehmer Montag auf.

Er selbst hatte einfach nur eine R100 RS gesucht – doch als er über die in Gold stolperte, sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Boris van Beek hatte sogar schon als Kind ein Poster von einer „Goldenen Kuh“: „Ich dachte, dass ich mir die nie leisten kann.“ Verständlich: Mit 14 000 Mark war sie sehr teuer, erklärt Peter Cleef aus Krefeld, der seit 2017 dabei ist.

Nicht ohne Grund, ihre Vollverkleidung war damals eine große Neuerung, sagt Boris van Beek. Sie bot Tourenfahrern Schutz vor Wind und Wetter. Als stärkstes Serienmotorrad der BMW-Geschichte legte es mit einem Schnitt von 169,47 Stundenkilometern den 24-Stunden-Rekord hin, berichtet die Fachpresse. Die Entwicklung mit Computern und Windkanal sei damals revolutionär gewesen.

Walter Saure wollte, als er seine Maschine 1986 kaufte, vor allem ein zuverlässiges Motorrad haben – und das fand er: Er war schon der achte Besitzer, der Kilometerstand war sechsstellig und dennoch ging es mit seiner „Goldenen Kuh“ durch ganz Europa.

Auch Peter Cleef reist mit seiner "Goldenen Kuh" durch ganz Europa. Treue Begleiterin: Hundedame "Frau Rommel" im Tankrucksack. 8000 bis 9000 Kilometer im Jahr sind drin.

Auf die Idee, Gleichgesinnte zu suchen, kam er, als er 2016 eine Geschichte mit Motorrad-Journalist Rudolf Kuhl für das Fachmagazin „Tourenfahrer“ machte. Die „Kuh“ wurde damals 40 Jahre alt. Er erinnerte sich dran, 2008 schon einen Gast mit solch einer R100 RS bewirtet zu haben und begann, den „Ritt auf der Goldenen Kuh“ zu bewerben. Die Teilnehmer schlafen umsonst im Hotel, passenderweise gibt es ein „Goldmenü“.

Mit dem ersten Gast ging es 2017 quer durch die Region, 2018 stand das Sauerland im Fokus. Diese Woche führte Walter Saure die Teilnehmer am Diemelsee vorbei durchs Waldecker Land, um vom Schloss auf den Edersee zu blicken. Er hofft, noch ein paar Fahrer dazugewinnen zu können. Er weiß von fünf weiteren Modellen – eines in den USA, eines in Einzelteile zerlegt. Unterkommen könnten im Hotel zwölf: „Wir sind erst zufrieden, wenn wir die Reihe vollkriegen“, sagt Peter Cleef schmunzelnd.

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