Ziel: Unbedachte Störungen verringern

Willinger Kampagne bittet Gäste um Feiern mit Rücksichtnahme

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Grenzen für Alkoholkonsum und Feiern will die Gemeinde Willingen mit einer neuen Kampagne besser aufzeigen.

Willingen – Wenn Gäste sich in Willingen daneben benehmen, sagen sie oft: „Wir dachten, wir dürften das hier.“ Diesen Eindruck will die Gemeinde nun verhindern.

Die Erfahrungen der Ortspolizei mit gedankenlosen Gästen schildern es Bürgermeister Thomas Trachte und Tourismus-Manager Miro Gronau im Gespräch mit der WLZ. An dieser Stelle will die Gemeinde nun ansetzen: Mit der Kampagne „Respektvoll miteinander“ wirbt sie aktiv im Rücksichtnahme – und will von vornerein klarmachen, dass eben nicht alles erlaubt ist.

Die „Spielregeln“ stehen auf Postern, auf Flyern, die schon die nach Willingen fahrenden Busunternehmer erhalten, in PDF-Dateien, die bei der Buchung mitgeschickt werden. Freundlich wird darauf hingewiesen, dass es selbstverständlich sein sollte, Müll oder leere Flaschen umweltgerecht zu entsorgen, nächtliche Ruhestörungen etwa durch lautes Singen zu unterlassen, ebenso das „Wildpinkeln“. Seit geraumer Zeit nicht erwünscht sind zudem Verkleidungen, Bauchläden oder Fußballtrikots, teilt die Gemeinde mit.

Um ein harmonisches Miteinander zu gewährleisten, gibt es auch beim Thema Alkohol Regeln: So sollen volltrunkene Gäste keinen Eintritt in die Kneipen erlangen. Untersagt ist, alkoholische Getränke auf offener Straße und in der Ettelsberg-Seilbahn zu konsumieren.

Das Titelblatt der Kampagne "Respektvoll miteinander"

Die Gemeinde habe nichts gegen Party, erklärt Miro Gronau: „Willingen ist ein geselliger Ort und wird es immer sein.“ In der Pressemitteilung zur Kampagne räumt die Gemeinde sogar ein, dass Kegelclubs die „Gemeinde groß gemacht“ habe. Der belebte Ortskern mit mehr als 50 Gastronomiebetrieben sichere Einkünfte, die zur Lebensqualität der Willinger Bürger beitragen.

Nur gebe es eben vielleicht fünf Prozent der Gäste, die jedes Maß verloren haben, führt Gronau aus. Und das sei zeitlich kaum beschränkt: „Die typische Club-Saison gibt es so nicht mehr.“ Unabhängig von der Jahreszeit könnten die Wochenenden unschön werden.

Die Gemeinde orientiere sich an dem, was auch viele Betriebe schon nutzten – wenn Gäste wegen solcher Hausregeln nicht eingelassen werden, blieben sie auf der Straße und seien das Problem der Gemeinde. „Deshalb wollen wir präventiv informieren: Ohne Verkleidung und Bauchladen komm ich überall rein und habe den besseren Abend“, sagt Gronau.

Auch online will die Gemeinde diese Botschaft rüberbringen. Seit zehn Jahren habe sie die Party-Zielgruppe nicht aktiv beworben – doch andere taten es durchaus. „Nicht darüber zu reden, ist auch keine Lösung“, sagt Gronau – Ziel sei, dass der künftige Gast bei der Online-Suche nach den Stichworten „Willingen“ und „Party“ zuerst über die Infos der Gemeinde stolpere.

Die Kampagne sei nur ein weiterer „Mosaikstein“ unter den Maßnahmen der Gemeinde, betont Thomas Trachte. Doch da oft Gedankenlosigkeit die Ursache für schlechtes Benehmen sei, zeigen sich die Verantwortlichen in ihrer Pressemitteilung überzeugt, dass sie fruchte. Klar ist dabei: „Es wird nicht alles lösen, aber es gibt uns und den Gastgebern die Möglichkeit zu informieren, dass es Regeln gibt“, sagt Miro Gronau: „Steter Tropfen höht den Stein." 

An dem Thema werde ständig gearbeitet, wie Thomas Trachte immer wieder erklärt. Im Rahmen des Kompass-Projekts mit der Polizei sollen die Bürger die Möglichkeit erhalten, sich verstärkt in diesen Prozess einzubringen.

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