Investoren sichern „hochwertiges Angebot“ zu

Ferienanlage am Hagen in Willingen: Parlament hat viele Fragen

Auf der grünen Wiese zwischen Viadukt und Lagunenbad planen Investoren eine Ferienanlage mit 13 Häusern. Wegen Befürchtungen in Sachen Club-Tourismus äußerten viele Parlamentarier Bedenken.
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Auf der grünen Wiese zwischen Viadukt und Lagunenbad planen Investoren eine Ferienanlage mit 13 Häusern. Wegen Befürchtungen in Sachen Club-Tourismus äußerten viele Parlamentarier Bedenken.

Führt ein großes touristisches Projekt in Willingen zu mehr Club-Tourismus? Die Investoren einer möglichen Ferienanlage standen dem Parlament Rede und Antwort.

Willingen – 13 Ferienhäuser mit bis zu 114 Wohnungen sollen „Am Hagen“ in Willingen entstehen, auf einer Wiese zwischen Lagunenbad, Eishalle und Viadukt. So planen es Investoren, die in der Sitzung der Gemeindevertretung Fragen und Bedenken der Parlamentarier begegneten und versuchten, sie von der Hochwertigkeit des Angebots zu überzeugen.

Whirlpool, Sauna und Ausstattung wie Kaminöfen wären in jeder Wohnung vorgesehen, erläuterten Rolf Schlüter und Guido Niers von sn-Immobilien aus Nordhorn und Caroline Führer von „Fewo und Meer“ aus Edermünde – erstere sind seit mehr als 20 Jahren in der Entwicklung von Ferienanlagen tätig, letztere vermarktet Angebote ab vier Sternen.

Zielgruppen seien Familien mit Kindern sowie „gesetztere Ehepaare ab 50“, erläuterte Guido Niers. „Was wir nicht können, ist Party-Tourismus“, versuchte Caroline Führer den Befürchtungen im Parlament zu begegnen: Es gebe eine Rezeption vor Ort, die Störungen vermeiden soll – sie öffnet täglich, die genaue Zeit hänge von den Bedürfnissen der Gäste ab, ergänzte sie auf Nachfrage von Friedrich Engelbracht (FW).

Am Hagen mit Blick auf Viadukt und Orenberg ist die Ferienanlage geplant.

Dazu kommt ein Bewertungssystem für Gäste: Auch wenn die Häuser verschiedene Eigentümer haben, werden alle informiert, wenn sich Gäste daneben benehmen. Alle zwei Jahre werde die Service-Qualität zertifiziert – durch heimliche Überprüfungen. Und die Gäste müssen 100 Euro Kaution hinterlassen, sagte Caroline Führer. Aus dem auf Qualitätstourismus ausgerichteten Vermarktungskonzept ausbrechen könnten die Eigentümer der Objekte nicht, bestätigten die Investoren auf Nachfrage von Thorsten Kesper (SPD). Rolf Schlüter hatte ein weiteres „Totschlagargument“ gegen Wochenendtourismus: Gebucht werde wochenweise.

„Sie versprechen Käufern eine hohe Rendite. Aber was, wenn das Konzept nicht funktioniert?“, sorgte sich Ingolf Schinze (FW): Das sei ihr in 16 Jahren nie passiert, sagte Caroline Führer. Und Bürgermeister Thomas Trachte erklärte, dass die Investoren einen städtebaulichen Vertrag unterzeichnen würden, der sie auf das Vermarktungskonzept festschreibe – den könnte die Gemeinde durchsetzen, sollte das Projekt sich davon zu entfernen drohen.

Thorsten Engelbracht (SPD) wies darauf hin, dass der ausgewiesene Spielplatz auf dem Gelände für einen Fokus auf Familien recht klein aussehe. Guido Niers nannte zwei Gründe für den derzeitigen Entwurf: Zum einen solle die Ferienanlage nicht vom Ort abgeschlossen sein, sondern Familien dessen Freizeitangebote nutzen. Zum anderen solle die Ruhe in der Nachbarschaft gewahrt werden. Parkplätze kommen direkt an den Häusern untern, bestätigten die Investoren auf Anfrage von Jochen Schmitt (CDU).

Friedrich Wilke (FW) wies auf die kleinen Dimensionen der Wohnungen hin – elf Quadratmeter Schlafzimmer, acht oder neun für die Wellness-Räume: „Ich wage zu bezweifeln, ob der Gast das als vier oder fünf Sterne sieht.“ Zudem träten Ferienanlagen nach einigen Jahrzehnten oft in weniger schöne Phasen: Viele würde abverkauft, machten mehr Ärger als gedacht oder ständen leer. Caroline Führer erwiderte, die Bedenken zu verstehen, aber die Eigentümer seien auf Werterhalt oder -steigerung bedacht, jährlich würden die Häuser kontrolliert.

Die Ferienanlage entstünde am Fuß des Ettelsbergs, nahe bei der Eishalle

Die Ausmaße der Anlage sah Wilke ebenfalls kritisch, auch aus Naturschutzgründen. Derweil würde das Konzept wirtschaftlich in kleineren Ausmaßen nicht aufgehen, sagte Guido Niers – dann seien Rezeption und gemeinsame Vermarktung nicht zu stemmen, und unerwünschte Gäste viel wahrscheinlicher. Dreigeschossige Höhe werde gewählt, um Grund und Boden zu schonen, befand Rolf Schlüter: „Wenn wir Ressourcen erhalten wollen, können wir nur in die Höhe gehen.“ Thomas Trachte wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass es bei Bauprojekten Ausgleichszahlungen für den Naturschutz gibt, durch die in Willingen viel Geld zusammenkomme: „Die Hochheidepflege wird in ganz großen Ausmaß so refinanziert.“

Die Gäste würden Willinger Restaurants, Geschäfte und Freizeiteinrichtungen mitnutzen. Der Gemeinde seien 300 bis 400 weitere Betten im gehoben Segment empfohlen worden, erklärte Thomas Trachte – und es fielen immer Betriebe weg, die ersetzt werden müssen, um das Niveau zu halten.

Der Gemeindevorstand halte das Projekt einstimmig für förderlich. Ob die Parlamentarier ihm zugeneigt sind, muss sich zeigen: Auf Antrag der CDU hatten sie den Aufstellungsbeschluss zu Sitzungsbeginn mit 21 gegen drei Stimmen von der Tagesordnung genommen und an den Bauausschuss verwiesen.

„Wir wollen eine gemeinsame Planung auf den Weg bringen“, versicherte Rolf Schlüter, „,aber die muss für alle Beteiligten erfolgreich und wirtschaftlich sein.“ (Wilhelm Figge)

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