Länderübergreifender Verbund will qualitativ hochwertige Versorgung betagter Menschen gewährleisten

Gebündelte geriatrische Fachkompetenz

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Die Referenten des Symposiums (v.l.n.r.) : Agnes Hartmann (Vorstand Bundesverband Geriatrie), Dr. Katarina Baotic-Meyer (leitende Oberärztin Geriatrie, Stadtkrankenhaus Korbach), Siegfried Rörig (Kaufmännischer Direktor St.-Marien-Hospital Marsberg), Gerlinde Stremme (Pflegedienstleitung Stadtkrankenhaus Korbach), Dr. Martin Böhm (Hausärztlicher Internist und Geriater, Schwalmtal-Brauerschwend), Dr. Norbert Bradtke (Chefarzt Innere Medizin, St.- Marien-Hospital Marsberg), Christian Jostes (Gesc

Willingen - Die Zahl älterer Patienten nimmt zu - eine Herausforderung für Ärzte, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Der „Geriatrische Versorgungsbund Hochsauerland-Nordhessen“ bemüht sich um Bündelung der Fachkompetenz, um eine qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten.

Das Stadtkrankenhaus Korbach, das St.-Marien-Hospital Marsberg und das St.-Franziskus-Hospital Winterberg luden jetzt zum Auftaktsymposium „Vernetzte Geriatrie“ ein.Haus- und Fachärzte sowie ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen und Politiker nahmen an der Veranstaltung teil, die im Gutshof Itterbach stattfand.

Jeder Fünfte älter als 65

Gemeinsam diskutierten sie die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft an das Gesundheitswesen und schlossen sich zum Geriatrieverbund Hochsauerland-Nordhessen zusammen. Es ist ihr Ziel, über Landes-, Träger- und Sektorengrenzen hinweg die medizinische und pflegerische Versorgung für betagte und hochbetagte Menschen zu verbessern und im Hinblick auf den wachsenden Bedarf langfristig zu sichern. Ihr Rezept dafür sind gemeinsame Behandlungskonzepte, abgestimmte Betreuungspfade und einheitliche Qualitätsstandards.

In Deutschland ist heute etwa jeder fünfte Einwohner älter als 65 Jahre, 2030 wird der Anteil der über 65-Jährigen bei über einem Viertel liegen. Mit zunehmendem Alter wächst auch die Anfälligkeit und Häufigkeit von Krankheiten und damit der medizinische und pflegerische Versorgungsbedarf.

Expertennetzwerk notwendig

Die Akteure im Gesundheits- und Sozialwesen, also Kommunen, Kliniken, Haus- und Facharztpraxen, Pflegedienste und Senioreneinrichtungen, sind auf diesen Wandel eingestellt - jeder für sich. Doch bereits heute zeigt sich, dass den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft nur gemeinsam begegnet werden kann.

„Geriatrie funktioniert nicht allein“, betonten Dr. Norbert Bradtke und Dr. Katarina Baotic-Meyer auf dem Symposium. Der Chefarzt aus dem St.-Marien-Hospital und die leitende Oberärztin aus dem Stadtkrankenhaus Korbach machten deutlich, dass für eine optimale Versorgung von betagten, zumeist mehrfach erkrankten Patienten ein Expertennetzwerk notwendig ist.

„Im Krankenhaus versorgen wir akute und chronische Krankheiten, fördern die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen. Aber das Vorher und Nachher, der Alltag, muss immer mit berücksichtigt werden.“ Gemeinsam mit ihrer Winterberger Kollegin, der leitenden Oberärztin Jelena Schneider, arbeiten sie seit mehreren Jahren daran, Behandlungsstrukturen und Therapiepfade zu vereinheitlichen und mit allen an der Versorgung Beteiligten abzustimmen. Nur so, sind die Geriater überzeugt, können Therapieerfolge erzielt und aufrechterhalten werden. Umso bedeutsamer ist die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung von Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten. Dieser Meinung ist auch die Landes- und Bundespolitik. Allerdings wurden bisher nur wenige Verbünde gegründet.

Durchhaltevermögen gefragt

„Sich im medizinisch-pflegerischen Alltag abzustimmen, erfordert viel Durchhaltevermögen. Die beste Lösung für unsere Patienten ist bei vielen berechtigten Perspektiven oft weder leicht noch schnell gefunden“, so Bradtke. „Aber die Arbeit daran lohnt sich“, unterstreicht auch Jelena Schneider. „Die Öffnung unseres Verbundes für weitere Berufsgruppen und Leistungserbringer wird die Behandlungsqualität nochmals optimieren.“ Dafür stehen bereits heute unter anderem das ambulant-stationäre Schnittstellenmanagement und die Personalentwicklung auf der Agenda der Fachgruppen des Geriatrieverbundes. Diese werden weiterhin jeweils viermal jährlich tagen und ihre Schwerpunkte bearbeiten. Die Arbeitsergebnisse aller Fachgruppen werden dann im Rahmen des nun jährlich geplanten Symposiums einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. (r)

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