82 Jahre nach November-Pogromen

Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Eimelrod mahnt zum Einsatz

Gedenken in Zeiten der Pandemie: Louisa Wilke (linkes Bild) las stellvertretend für ihre Mitschüler die Namen der Opfer.
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Gedenken in Zeiten der Pandemie: Louisa Wilke (linkes Bild) las stellvertretend für ihre Mitschüler die Namen der Opfer.

In Eimelrod wurde der jüdischen Opfer der Nazizeit gedacht – gerade in der aktuellen Krisenzeit sei das ein wichtiges Signal.

Willingen-Eimelrod – „Wir haben überlegt, ob wir die Gedenkfeier in diesem Jahr absagen“, erklärte Pfarrer Christian Röhling beim Blick in die Runde, die sich mit Maske über Mund und Nase auf dem jüdischen Friedhof in Eimelrod verteilt hat, um 82 Jahre nach den Novemberpogromen der verfolgten und ermordeten Mitbürger zu gedenken. Doch Kirche, Gemeinde und Evangelische Jugend luden doch ein: Auch bevor die Nazis an die Macht kamen, gab es eine Notlage, erklärte Röhling: „Gerade solche Zeiten sind besonders anfällig für Extremismus.“

„Gegen das Vergessen“ lautete der Titel der Veranstaltung – nicht umsonst: Die Namen und Schicksale von Jugendliche, Senioren, Eltern, ganze Familien wurden vorgelesen. Einige flohen aus ihrer Heimat, manche überlebten das „Dritte Reich“ – allzu oft wurden sie jedoch ermordet. Wo sonst die Uplandschüler des elften Jahrgangs die Namen verlesen, übernahm das stellvertretend Louisa Wilke, im Wechsel mit Oberstufenleiterin Carmen Wilke – die Schüler mit dem Bus heranfahren, schien gerade nicht zu verantworten, so Röhling. Doch fanden sich einige Dutzend Gäste zum Gedenken ein, Erwachsene wie Konfirmanden.

Gänsehaut käme einen bei den Erinnerungen, wie eine zivilisierte Gesellschaft ihren Mitmenschen solche Gräueltaten antun konnte, sagte Bürgermeister Thomas Trachte: „Weit sind wir davon nicht entfernt.“ Antisemitismus und Judenhass seien wie die Verfolgung anders denkender und glaubender in weiten Teilen der Welt an der Tagesordnung. Das Gedenken bleibe wichtig: „Es muss dazu führen, dass wir uns einsetzen: Für eine Welt, die einvernehmlicher wird.“ Zusammen mit der Eimelroder Ortsvorsteherin Henrike Habermann-Diez legte er einen Kranz nieder.

Wie war es möglich, dass Menschen sich gegen ihre Nachbarn wandten, nichts einzuwenden hatten, als sie entrechtet wurden, und auch die Kirche nicht half, fragten Pfarrerin Katrin Schröter und die ihre frühere Usselner Kollegin Gisela Grundmann im Gebet – und baten, dass die Menschen nicht wieder aus Feigheit schuldig werden. Die Worte „Lasst uns mutiger bekennen, treuer beten, fröhlicher glauben und brennender Lieben“, griffen Katrin Schröter und Uli Faß-Gerold von der Evangelischen Jugend Upland im Gebet auf.

Traurige und hoffnungsvolle Töne: Kai Uwe Schröter, Uli Faß-Gerold und Christian Röhling (von links) musizierten ohne Gesang.

Passend gestalteten die Pfarrer die Gedenkfeier mit Psalm 71 mit seiner Bitte um Befreiung von Gewalt und Unrecht, den Klageliedern Jeremias über das von allen Freunden verlassene Volk Israel und dem wichtigen, auch zu Trauerfeiern gesprochenen Gebet Kaddisch. Und auch wenn nicht gesungen wurde, untermalten Kai Uwe Schröter, Uli Faß-Gerold und Christian Röhling das Gedenken mit Liedern wie „Schalom Alechem“ und „Freunde, dass der Mandelzweig“.  (wf)

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