Investition von 1,31 Millionen

Gemeinde Willingen baut oberirdischen Hochbehälter aus Edelstahl am Ritzhagen

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Neue Bautechnik: Am Ritzhagen werden Edelstahlbahnen zu oberirdischen Hochbehältern verschweißt, wie (von links) Detlef Ückert, Hermann Bäringhausen (Gemeindevorstand), Oberamtsrätin Annette Pöttner, Eva Weller, Friedrich Koch (Gemeindevorstand), Marc Honekamp, Maik Hagedorn, Dirk Koch, Bauhofsleiter Jürgen Querl und Manfred Stremme (Gemeinevorstand) begutachteten. Im Foto ist der linke bereits fertig, der rechte wächst noch.

Willingen. 3,5 Millimeter Edelstahl sollen halten, was sonst von mehr als 40 Zentimetern Stahlbeton umgeben ist: Beim neuen Willinger Hochbehälter kommt neue Technik zum Einsatz.

Spiralförmig wird die Edelstahlbahn nach und nach aufgewickelt und zusammengeschweißt, bis sie eine knapp 6,4 Meter hohe Form mit zehn Metern Durchmesser ergibt – einen Tank für den neuen Willinger Hochbehälter, der am Ritzhagen entsteht. Was früher meist mit Beton unter der Erde gebaut wurde, entsteht dort als zwei Edelstahltanks, die in einer Halle auf dem Berg in die Höhe wachsen.

Mehr als 50 Jahre alt ist der bisherige Tank gleich gegenüber, erklärt Bauamtsleiter Marc Honekamp bei einer Besichtigung der Baustelle durch den Gemeindevorstand. Seine Kapazität von 500 Kubikmetern reiche dem Versorgungsgebiet – Hoppecketal, Sonnenweg bis Dickede und Schwalefelder Treis – in Spitzenzeiten kaum aus. Zudem löst sich die Innenbeschichtung aus Chlorkautschuk, was bakterielle Verunreinigungen nach sich ziehen könnte.

In die Anlage mit zwei Edelstahlbehälter zu je 489 Kubikmetern investiert die Gemeinde 1,31 Millionen Euro – und auch wenn die Technik noch nicht weit verbreitet ist, unterscheide sich die Summe nicht großartig von den Kosten eines konventionellen Baus in Stahlbeton, erklärt Bauleiterin Eva Weller vom Ingenieurbüro Oppermann: schärfere Hygienestandards für Baumaterialien verteuern die alte Bauweise, auch die Erdarbeiten wären wohl ein Problem geworden.

Hochbehälter aus Edelstahl soll Vorteile im Betrieb bringen

Auch der Wartungsaufwand sei geringer: Undichte Stellen an den freistehenden behältern wären sofort zu erkennen und einfacher zu bearbeiten als unter der Erde. „Wir gehen davon aus, dass die Behälter 60, 70, 80 Jahre ohne Probleme laufen“, kündigt Dirk Koch an, Prokurist bei Oppermann. Für Reinigungszwecke können die Behälter einzeln genutzt werden. In den Tanks wird ein vollautomatisches Reinigungssystem installiert, zur Kontrolle können die Behälter auch betreten werden, erklärt Maik Hagedorn von der Firma Hydro-Elektrik.

Verborgen in einer Halle, die sich an den Stil der Nachbarschaft halten soll, steht der neue Hochbehälter am Ritzhagen.

Dass mit der oberirdischen Bauweise der Wasserspiegel um gut zehn Meter auf 697,48 Meter steigt, erhöht den Druck um ein bar auf maximal 12,5. Das Leitungssystem sei auf 16 Ausgelegt, auch die Anschlüsse der Häuser könnten das verschmerzen, sagt Eva Weller. Am Hirschsprung wird der Druck gemindert. Die Temperatur im Gebäude soll durch Dämmung und ein Lufttrocknungsgerät auf 10 bis 12 Grad gehalten werden.

Das Gebäude um die Tanks wurde ab April gebaut. Die Behälter selbst werden in der Halle gefertigt, erläutert Hagedorn: Schutz vor Wind und Regen sei für das Schweißen unerlässlich. Das genutzte Gerät ist fast so teuer wie die ganze Baumaßnahme und wird streng überwacht. Viele Produzenten gebe es nicht, erklärt Dirk Koch, doch auch Diemelsee und Diemelstadt zeigten Interesse.

„Wir hoffen, dass wir im Okotber in Betrieb gehen können“, sagt Eva Weller – nach dem Bau stehen noch Wasserproben an, der Inbetriebnahme folgt der Rückbau des alten Behälters. Bislang sehe alles danach aus, dass Kosten- und Zeitplan eingehalten werden, fügt Dirk Koch hinzu.

Willingen prüft Anbindung an Briloner Wassernetz

Die Gemeinde Willingen prüft derzeit eine Anbindung an die Stadtwerke Brilon, um neben dem Wasserbeschaffungsverband Upland eine zweite Versorgung ins Gemeindegebiet zu schaffen. 

In niederschlagsarmen Zeiten schütten die heimischen Quellen weniger Wasser aus, es muss mehr aus der „Enser Scholle“ geholt werden – dieses über 20 Kilometer Entfernung und 400 Höhenmeter zu pumpen, koste ein enormes Maß an Energie. Bei einer Störung am Pumpwerk Alleringhausen drohe dem Upland zudem ein Wassernotstand. In absehbarer Zeit soll feststehen, wie viel eine Anbindung an Brilon kosten würde, erklärt Marc Honekamp. 

Blick in den Tank: Im Herbst soll der Hochbehälter am Ritzhagen an die Willinger Wasserversorgung angebunden werden. Später könnte Wasser aus Brilon in ihm landen.

„Wenn alle Stricke reißen, ist über den Hochbehälter Ritzhagen die Notversorgung über das gesamte Gemeindegebiet möglich“, sagt der Bauamtsleiter. Auch lässt sich ein dritter Tank installieren – sowohl dafür als auch für die Anbindung an Brilon sind die technischen Grundlagen im Neubau vorhanden. In den vergangenen zehn Jahren hat die Gemeinde 3,86 Millionen Euro in die Wasserversorgung investiert, weitere 3,05 Millionen entfielen auf den Wasserbeschaffungsverband Upland.

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