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Besonderes Haus im Upland: Gold, Gestein und ein Seelenort

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Von: Julia Janzen

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Eine Frau vor einem Wohnhaus mit angegliedertem Info-zentrum
Wohnhaus und Informationsadresse: Renate Hill lebt im Ohl bei Usseln, umgeben von Bäumen und Wiesen – und alten Goldbergwerken. In der Geo-Info-Stube (rechts) informiert sie Interessierte darüber. © Julia Janzen

Die Geologie des Uplands und vor allem die alten Goldbergwerke sind es, die Renate Hills Leidenschaft geweckt haben. Vor gut zehn Jahren richtete sie deshalb die Geo-Info-Stube ein – direkt in ihrem Zuhause. Von ihrer Küche aus gelangt sie in das kleine Info-Zentrum, das sie gern Interessierten zeigt. Doch nicht nur die Info-Stube lockt Besucher an. Viele wollen eine besondere Eiche sehen, die hinter ihrem Haus steht.

Usseln - Früher, so erzählt Renate Hill, habe es im Ohl, wo ihr Haus steht, eine ganze Siedlung gegeben. Ihre Vorfahren hatten das Haus 1844 dort erbaut, nachdem das Zuhause in Usseln bei einem großen Feuer zerstört wurde. Einige andere Häuser standen dort an der Grenze zwischen Waldeck, Hessen und Westfalen. Doch längst ist das Haus von Hill das einzig verbliebene im Ohl.

Noch ihre Eltern hatten Landwirtschaft. Was jetzt ein Wohnzimmer ist, war früher der Heuboden, erzählt Hill. Im heutigen Esszimmer und Eingangsbereich standen dagegen die Kühe. Die landwirtschaftliche Vergangenheit lässt sich kaum noch erahnen. Lediglich ein altes Fenster aus dem Schweinestall – aufgearbeitet und neu gestrichen – lässt sich im Haus noch finden.

Ein großer Baum im Hintergrund, der als Seelenort gilt
Ausblick auf eine besondere Eiche: Als sogenannter Seelenort ist die Eiche hinterm Haus bekannt geworden. Renate Hill kann sie von der Terrasse aus sehen. © Julia Janzen

Zu entdecken gibt es dennoch jede Menge, allerdings hauptsächlich außerhalb des Hauses. Schon lange beschäftigt sich Renate Hill mit der Geschichte und der Geologie des Gebiets. Sie weiß von zahlreichen Goldbergwerken, die früher betrieben wurden. Viele kennen meist nur den Goldbergbau rund um Goldhausen, doch „der Golddistrikt reichte bis nach Willingen“, sagt die 74-Jährige. Zudem sei man lange davon ausgegangen, dass es dort lediglich andere Bergwerke gab. Dass auch Gold abgebaut wurde, war lange nicht bekannt, berichtet sie. Winzige Goldpartikel habe sie selbst auch schon gefunden.

Die liegen, zusammen mit vielen anderen Besonderheiten, in der Geo-Info-Stube. Gesteine und Fossilien gehören vor allem dazu. In mehr als 20 Jahren hat Renate Hill Millionen Jahre (Erd-)Geschichte zusammengetragen. In Büchern, auf Plakaten, Landkarten, Flyern und in Filmen gibt es zudem weitere Informationen zum Thema.

Ein Esszimmer, das früher einmal ein Stall gewesen ist
Heute Esszimmer, früher Kuhstall: Die Familie von Renate Hill hatte bis in die 1980er-Jahre Landwirtschaft. Kühe und Schweine lebten auf dem Hof. © Julia Janzen

Die ausgebildete Geoparkführerin erklärt ihren Besuchern gern, was es mit den Goldbergwerken, Muscheln & Co. auf sich hat, erklärt aber auch, wo alte Handelsrouten entlang liefen, die schon die Römer nutzten und zieht gern mit Besuchern los auf der Suche nach Gestein, alten Hügelgräbern oder früher genutzten Gerichtsplätzen. Und für Kinder gibt es noch eine Besonderheit: Draußen, neben der Info-Stube, hat Renate Hill eine Goldwaschanlage aufbauen lassen. An ihr können junge Besucher ihr Glück versuchen beim Goldwaschen.

Neben der Geologie und dem Gold ist die Natur eine weitere Leidenschaft der Usselnerin. Als zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin kennt sie sich in der Region bestens aus, bietet auch verschiedene Touren an. Doch für eine Besonderheit der Natur muss sie selbst gar nicht weit gehen: Direkt hinter dem Haus thront auf einer Anhöhe eine mächtige Eiche. Seit Generationen ist der Baum für die Familie von Renate Hill ein besonderer Ort, aber auch für andere Menschen aus dem Upland. Deshalb wurde er ausgewählt als einer der „Seelenorte“ im Sauerland. Diese mittlerweile 42 Orte haben eine besondere Bedeutung für Einheimische und Gäste, berühren und spenden Stille und Verbundenheit. Immer wieder kommen Wanderer vorbei, um die Kraft des Ortes zu spüren.

Eine Frau steht neben einer Vitrine, in der Steine und kleine Goldpartikel liegen
In der Geo-Info-Stube informiert Renate Hill über Gold und Gestein, das im Ohl und der Region zu finden ist. Das meiste hat sie selbst zusammengetragen. © Julia Janzen

Renate Hill hat es deutlich leichter: vom Wohnzimmer, das früher der Heuboden war, kann sie die Eiche jederzeit sehen und über die Terrasse mit wenigen Schritten erreichen.

Weitere Infos: Nähere Informationen über Renate Hill, ihre Führungen und die Geo-Info-Stube Im Ohl gibt es auch online auf der Seite Naturpark Diemelsee sowie auf der Seite des Geoparks Grenzwelten. jj

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